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El Niñ0: Diese Gletscher sind wohl bald Geschichte

Noch besitzt Indonesien zwei Gletscher auf Neuguinea. Doch der aufziehende El Niño im Pazifik könnte den Todesstoß für sie bedeuten.
Eine beeindruckende Berglandschaft mit schroffen, grauen Gipfeln unter einem bewölkten Himmel. Im Vordergrund sind terrassenförmige Abbauflächen zu sehen, die sich durch die Landschaft ziehen. Die Szene vermittelt eine Mischung aus natürlicher Schönheit und menschlicher Eingriffe in die Natur.
Nur noch kleine Gletscherreste bedecken Teile des Puncak Jayas in der indonesischen Provinz Papua. Im Vordergrund sieht man die Abbauterrassen der Grasberg-Mine.

Wer die beiden letzten Gletscher Indonesiens – und damit die letzten tropischen Eiszungen Asiens – selbst sehen möchte, muss sich beeilen. Bis 2030 könnten der Carstensz- und der East-Northwall-Firn-Gletscher so weit geschmolzen sein, dass sie nicht mehr als Eiszungen gelten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Francine Hematang von der Papua-Universität und seinem Team: Seit 1980 habe der Puncak Kaya, der höchste Berg Südostasiens, 97 Prozent seiner Eisfläche und vier Gletscher verloren. Insgesamt bedeckt Eis nur noch weniger als 0,2 Quadratkilometer auf dem 4884 Meter hohen Berg. 1850 waren es dagegen 19,3 Quadratkilometer.

Neben dem allgemeinen Klimawandel, der in den Hochlagen Neuguineas ebenfalls die durchschnittlichen Temperaturen steigen lässt, setzen den schrumpfenden Gletschern vor allem El-Niño-Ereignisse zu. Sie sorgen auf Neuguinea für besonders trockene und warme Bedingungen, was die Schmelze zusätzlich beschleunigt. Die kleinen Eisflächen besitzen inzwischen zu wenig Schneebedeckung, um diese Einflüsse abzufedern. Der letzte starke El Niño 2015/16 habe den verbliebenen Gletschern besonders stark zugesetzt, so die Arbeitsgruppe. Damals nahm die Dicke der Eisdecke in nur einem Jahr um mehr als fünf Meter ab, während sie im langjährigen Mittel nur um einen Meter pro Jahr schrumpfte.

Für ihre Studie hatten Hematang und Co aktuelle Daten mit Vergleichswerten aus Eisbohrkernen in Verbindung gesetzt, die 2010 aus den Gletschern gezogen worden waren. Dadurch konnten sie die Einflüsse vergangener El-Niño-Ereignisse ableiten und die zukünftige Entwicklung skizzieren. Die beiden Eiskappen befinden sich demnach in der Endphase ihres Niedergangs, und schon 2027 könnten sie endgültig Geschichte sein, da sich 2026 ein neuer und womöglich sehr starker El Niño im Pazifik ankündigt. Derartige Jahre waren in der Vergangenheit immer mit besonders starken Schmelzereignissen verbunden.

Doch selbst ohne dessen Einfluss werden der Carstensz- und der East-Northwall-Firn-Gletscher kaum länger überdauern, die Schmelze ist bereits zu weit vorangeschritten und lässt sich unter den gegenwärtigen klimatischen Bedingungen nicht mehr aufhalten. Spätestens 2030 ist der Carstensz so weit zerfallen, dass er nicht mehr die Kriterien eines Gletschers erfüllt. Beim East-Northwall-Firn-Gletscher dürfte dies im besten Fall 2028 oder 2029 erreicht sein, obwohl er noch größer ist als sein Nachbar. Warum er schneller schmilzt als der Carstensz, ist allerdings ungeklärt.

Indonesien wäre dann das dritte Land nach Venezuela und Slowenien, das in der jüngeren Vergangenheit seine letzten Gletscher verliert. Dabei wird es jedoch nicht bleiben: Gerade in den Tropen schwinden die Eiszungen rapide; Afrika beispielsweise dürfte bis zur Mitte des Jahrhunderts ebenfalls keine Gletscher mehr besitzen.

  • Quellen
Hematang, F. et al., Cold Regions Science and Technology 10.1016/j.coldregions.2026.104831, 2026

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