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News: El Nino bringt Cholera auf Trab

Die wilden Kapriolen des Klimas 1997 und 98 sorgten nicht nur für außergewöhnliche Überschwemmungen und Dürreperioden. El Nino-Ereignisse ziehen noch ganz andere Folgen nach sich, denn die veränderten Klimaverhältnisse können Epidemien begünstigen. Für das Rift Valley-Fieber haben Wissenschaftler das bereits nachgewiesen. Aber auch die Zahl von Choleraerkrankungen scheint mit der Klimaschaukel zu schwanken.
Eigentlich ist der ausgeprägte El Niño von 1997/89 längst vorbei, aber auch jetzt noch, zwei Jahre später, beschäftigt das Klimaereignis Wissenschaftler weltweit. Unmengen von Daten haben sie gesammelt, die sie nun sichten, ordnen und sinnvoll verknüpfen müssen. Dabei geht es nicht nur um die Auslöser des Phänomens, sondern auch um die Folgen, vor allem für den Menschen. Unter anderem versuchen Forscher, einen Zusammenhang zu finden zwischen den veränderten klimatischen Verhältnissen und dem Auftreten verschiedener Krankheiten. So berichteten beispielsweise Assaf Anyamba vom NASA Goddard Space Flight Center und seine Kollegen im Dezember 1999, dass Epidemien des Rift Valley-Fiebers in den Jahren ausbrachen, in denen der El Niño ganz besonders stark war.

Jetzt steht mit der Cholera eine weitere Krankheit auf der Liste. Choleraepidemien töten vor allem in Entwicklungsländern immer noch Millionen von Menschen. 1998 und Anfang 1999 beunruhigte ein deutlicher Anstieg von Cholerafällen in Afrika Wissenschaftler und Ärzte. Zusätzlich häuften sich auch in Südamerika die Anzahl von Erkrankungen und überschritten sogar, ebenso wie in Asien, die bisher bekannten historischen Werte. Im August 2000 schließlich geriet der Erreger Vibrio cholerae in die Schlagzeilen, weil Forscher vom Institute for Genomic Research in Maryland sein Genom vollständig entschlüsselt hatten.

Stephen P. Ellner von der Cornell University und seine Kollegen fütterten nun ein mathematisches Modell mit Daten über Choleraepidemien und El Niño-Ereignissen. Sie nutzten dafür aktuelle Zahlen über Choleraerkrankungen sowie die Aufzeichnungen eines Krankenhauses in Bangladesh, das 18 Jahre lang, von 1980 bis 1998, alle eingelieferten Patienten auf den Erreger getestet hatte. Die Ergebnisse zeigten eine verblüffende Übereinstimmung der Klimaverhältnisse mit der Krankheit: Alle 3,7 Jahre erhöhte sich in dem Krankenhaus in Bangladesh die Zahl der Cholerafälle – und genau im selben Zeitabstand zeigten die Klimadaten auch einen ausgeprägten El Niño an. Die beiden Ereignisse traten jedoch nicht zeitgleich auf, sondern die Zahl der Choleraerkrankungen stieg immer erst etwa elf Monate später an (Science vom 8. September 2000).

Die Wissenschaftler hatten den Zusammenhang schon länger vermutet. Denn Vibrio cholerae fühlt sich vor allem in Brackwasser und Flussmündungen wohl, und höhere Wassertemperaturen durch einen starken El Niño verbessern die Lebensbedingungen für das Bakterium nur noch weiter. Das versetzte Auftreten führen die Forscher darauf zurück, dass es etwa sechs Monate dauert, bis die Erwärmung durch das Klimaereignis auch das Oberflächenwasser vor der Küste von Bangladesh erreicht. Die weiteren fünf Monate bis zum Ausbruch der Epidemie verstreichen dann, weil sich der Erreger erst entsprechend vermehren und Menschen infizieren muss.

"Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Dynamik der Cholera in Bangladesh mit einer entfernten Steuerung durch El Niño übereinstimmt", erklärt Ellner. Er warnt jedoch davor, das Modell zur Vorhersage künftiger Epidemien zu benutzen. Denn schließlich spielen noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren mit, bevor die Zahl der Erkrankten wieder in die Höhe schnellt.

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