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Wetterextreme: El Niño ist da und könnte der Erde neue Rekordhitze bringen

Ein Wechselspiel von warmen und kalten Meerestemperaturen im Pazifischen Ozean beeinflusst die globalen Temperaturen. Nun ist das El-Niño-Phänomen offiziell eingetreten – und dürfte die Atmosphäre aufheizen und Wettermuster verändern.
El Niño im Ostpazifik
Die typische Warmwasserzunge vor Südamerika, hier auf Basis von Daten des Jahres 2015. Dieser El Niño war einer der stärksten der vergangenen Jahrzehnte.

El Niño ist nun offiziell da – und der gesamte Planet dürfte in den kommenden Monaten die Folgen zu spüren bekommen. Laut einer am 11. Juni 2026 veröffentlichten Erklärung der National Oceanic and Atmospheric Administration hat sich das Wetterphänomen im Lauf des Mai offiziell etabliert.

Zudem gehen die Prognosen mit großer Sicherheit davon aus, dass es sich um ein starkes El-Niño-Phänomen handelt, das den ganzen Herbst über und bis in den Winter hinein andauern wird – möglicherweise sogar um eines der stärksten El-Niño-Phänomene seit Beginn der Aufzeichnungen. Solche Ereignisse traten in den Jahren 1982 bis 1983, 1997 bis 1998 und 2015 bis 2016 auf.

Die Ankündigung kommt nicht überraschend – bereits die Mai-Ausgabe der Vorhersage wies darauf hin, dass sich ein El Niño einstellen würde, und schon länger gab es entsprechende Signale, wobei unsicher blieb, wie stark das Phänomen wirklich werden könnte oder ob sich überhaupt ein El Niño bildet. »Die Modelle zeigten bereits im vergangenen November erste Anzeichen dafür«, sagt Emily Becker, Atmosphärenwissenschaftlerin an der University of Miami, die an der offiziellen El-Niño-Vorhersage der NOAA mitarbeitet.

Die offizielle Bestätigung eines El Niño ermöglicht Fachleuten nun konkrete Maßnahmen. Dazu gehören Warnungen für die betroffenen Regionen auf der ganzen Welt vor den möglichen Auswirkungen.

Was ist El Niño, und was kommt damit auf den Planeten zu?

Das Phänomen ist Teil eines globalen klimatischen Wechselspiels, das als ENSO (El Niño-Südliche Oszillation) bezeichnet wird. Es umfasst sowohl die Ozeane als auch die Atmosphäre und hat seinen Ursprung im Pazifik rund um den Äquator. Normalerweise zeichnen sich die Oberflächengewässer dieser Region durch warme Bereiche auf der asiatischen Pazifikseite im Westen und eine kühlere Säule im Osten aus, erklärt Antonietta Capotondi, physikalische Ozeanografin an der University of Colorado Boulder.

Während eines El Niño wehen die Passatwinde, die für diese Aufteilung verantwortlich sind, schwächer. Dadurch wird die kalte Zunge zurückgedrängt, und warmes Wasser breitet sich über den äquatorialen Pazifik aus. Manchmal kommt eine Ozeanwelle von planetarem Ausmaß hinzu, die als Kelvinwelle bezeichnet wird, bemerkt Capotondi. Eine solche Welle hat sich über den Pazifik ausgebreitet. Während des Gegenstücks zu El Niño, genannt La Niña, dehnt sich die kalte Zunge nach Westen aus. Dieser Zustand herrschte im Jahr 2025.

Die formalen Abgrenzungen eines El Niño variieren international, aber im Kern geht es um anhaltende Meeresoberflächentemperaturen, die in einem bestimmten Streifen des östlichen Pazifiks deutlich über dem Durchschnitt liegen. Die Temperaturen in der von der NOAA definierten Region stiegen Mitte April 2026 über den Durchschnitt und sind seitdem hoch geblieben.

Diese Veränderungen der Meerestemperaturen beeinflussen, wo Wärme in die Atmosphäre abgegeben wird. Das wiederum verändert die Windmuster. Wenn ein El Niño auf die Atmosphäre übergreift, lassen die Winde nach, die über der Region von Ost nach West wehen, sagt Sarah Larson, Atmosphärenwissenschaftlerin an der North Carolina State University.

Wie El Niño das Wetter steuert

Diese Veränderungen in der Wärmeverteilung und den Windmustern lösen einen Dominoeffekt in der Atmosphäre aus. Er wirkt sich erheblich auf das Wetter aus, das die Menschen weltweit in den kommenden Monaten erleben werden. Die Anomalie verstärkt tendenziell die Hurrikansaison im östlichen Pazifik, während sich die Hurrikansaison im Atlantik abschwächt. In ganz Nordamerika drängt El Niño den Jetstream eher nach Süden. Im Winter, wenn das Phänomen am stärksten ist, ist es im Süden der USA feuchter als normal, während der nördliche Teil des Landes und ein Großteil Kanadas wärmer als gewöhnlich sind, merkt Larson an.

Weltweit kann El Niño zu rekordverdächtigen Hitzewellen beitragen und zudem die Niederschlagsmuster rund um den Globus verändern. Der sich anbahnende El Niño beeinträchtigt bereits den Monsun in Indien. Für diese entscheidende Jahreszeit werden weniger Niederschläge prognostiziert. Jüngere El-Niño-Ereignisse haben zudem die Gefahr von Waldbränden in Regionen wie dem Amazonasgebiet, Kanada und Australien erhöht. Unterdessen kann es am Horn von Afrika zu Überschwemmungen durch ungewöhnlich intensive Regenfälle kommen.

Diese Muster können somit erhebliche Folgen haben und Hungersnöte, Feuer und Überschwemmungen in verschiedenen Teilen der Welt verschlimmern. Die Muster von El Niño – und die Fähigkeit der Fachleute, die Stärke eines Ereignisses Monate im Voraus einzuschätzen – bieten einen Ansatzpunkt, um sich auf potenzielle Auswirkungen vorzubereiten.

»El Niño verschiebt die Wahrscheinlichkeiten in bestimmte Richtungen«, äußerte sich Michelle L’Heureux vorab gegenüber »Scientific American«. Die Physikerin am Climate Prediction Center der NOAA leitet das Team leitet, das die offizielle El-Niño-Prognose, »Stärkere Ereignisse verlagern die Wahrscheinlichkeiten tendenziell etwas stärker als schwächere, daher bietet diese Vorhersage die Gelegenheit, Risiken einzuschätzen.«

Ein Rekord-Hitzejahr ist wahrscheinlich

El-Niño-Ereignisse im Pazifik entwickeln sich langsam – der beobachtete Meeresabschnitt wird sich im Vergleich zu seiner Durchschnittstemperatur wahrscheinlich bis November oder Dezember weiter erwärmen. Dann erreicht das Phänomen in der Regel seinen Höhepunkt. Doch El Niño verläuft jedes Mal ein wenig anders, sodass die genauen Auswirkungen unklar sind. »Es gibt immer große Schwankungen«, sagt Becker.

Das Ereignis wird jedoch die globalen Temperaturen ansteigen lassen, wahrscheinlich auf Rekordwerte. Ob dies 2026, 2027 oder in beiden Jahren geschieht, ist noch ungewiss. Zudem ist der Einfluss des Klimawandels auf die Stärke oder den Zeitpunkt von El-Niño-Ereignissen umstritten. Ein sehr starkes El-Niño-Phänomen sei nicht unbedingt Zeichen für den Klimawandel, merkt Becker an.

Die ENSO prägt als ein entscheidender Faktor das Klima der Erde. Laut Maike Sonnewald, physikalische Ozeanografin an der University of California in Davis ist es »neben den Jahreszeiten eines der wichtigsten emergenten Merkmale des Klimasystems«.

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