Emotionale Unterstützung: Eine SMS bringt am wenigsten

Eine nette SMS von einer Freundin tut gut, wenn man gerade etwas Unangenehmes erlebt hat. Aber noch schöner ist es, ihre Stimme zu hören. Das schließen die Psychologin Susan Holtzman und ihre Kolleginnen von der University of British Columbia in Kanada aus einem Experiment. Wie die Gruppe in der Fachzeitschrift »Psychological Reports« erklärt, könne man durchaus per Smartphone emotionale Unterstützung anbieten. Eine Textnachricht sei dafür allerdings nicht die beste Alternative.
Die Forscherinnen hatten 350 Studentinnen angeworben und gebeten, eine enge Freundin mitzubringen, mit der sie auch per Handy in Kontakt standen. Fast alle Teilnehmerinnen gaben an, ihr Handy ständig zu gebrauchen; rund 90 Prozent schauten mindestens ein paar Mal pro Stunde drauf. Zunächst absolvierten die Probandinnen einen klassischen Stresstest: Sie sollten vor einer Jury – zwei eingeweihten Personen – Rechenaufgaben lösen und erklären, weshalb sie für einen bestimmten Unijob geeignet wären. Danach blieb ein Teil von ihnen, die Kontrollgruppe, zehn Minuten allein. Die übrigen konnten sich zehn Minuten mit ihrer Freundin austauschen, doch auf welchem Weg, wurde per Zufallsentscheid vorgegeben: entweder im direkten Gespräch, per Videocall, per Sprachnachricht oder per Textnachricht. Die Freundinnen hatten alle die gleiche Instruktion erhalten: Sie sollten sich erkundigen, wie die Test gelaufen war, Verständnis zeigen, aufmerksam zuhören und sich dabei möglichst natürlich verhalten. Vorher und nachher beantworteten die Probandinnen Fragen zu ihrem emotionalen Befinden und zum Verhalten der Freundin, zum Beispiel wie empathisch sie wirkte.
Die Stressübung hatte die erwartete Wirkung: Negative Gefühle wie Anspannung nahmen zu und positive Gefühle ab. Der Austausch mit der Freundin erwies sich je nach Kommunikationsform als unterschiedlich hilfreich. Zwar gelang es mit allen vier Kontaktformen in etwa gleichermaßen, negative Gefühle zu vertreiben. Doch mit den Textnachrichten waren die Probandinnen am wenigsten zufrieden. Sie schienen weniger empathisch, weckten am wenigsten positive Gefühle und brachten die gestressten Probandinnen am wenigsten zum Lachen. Die drei Alternativen waren meist ähnlich wirksam: Es macht beispielsweise keinen statistisch bedeutsamen Unterschied für den Grad der Aufheiterung, ob sie nur eine Sprachnachricht hörten, per Video oder direkt miteinander sprachen.
Fazit: Man kann nicht jede Kommunikation per Smartphone über einen Kamm scheren. Die Stimme zu hören, macht offenbar einen Unterschied, egal ob im Gespräch von Angesicht zu Angesicht, per Video oder per Sprachnachricht. Wahrscheinlich transportiere die Stimme mehr Empathie und positive Gefühle, vermuten Holtzman und ihre Kolleginnen. Eine SMS zu schreiben sei dennoch besser als gar keine Unterstützung, denn zumindest minderten die Textnachrichten die negativen Gefühle. Für Hilfsangebote per Chat könnten diese Erkenntnisse bedeutsam sein. Da sich die Studie auf Studentinnen und ihre Freundinnen beschränkte, bleibt jedoch offen, ob die Befunde auch für andere Altersgruppen und Geschlechterkonstellationen gelten.
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