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Klimawandel: Empfehlungskatalog zum Meeresschutz vorgelegt

Die zunehmenden Konzentrationen des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre und der dadurch ausgelöste Klimawandel mit steigenden Temperaturen bedrohen die Weltmeere gleich zweifach: Die Ozeane erwärmen sich, außerdem löst sich mehr CO2 im Wasser und macht es dadurch sauerer. Deshalb empfiehlt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) weit reichende Schutzanstrengungen für die Meere sowie Anpassungsmaßnahmen für die Küstenbewohner.

Darauf weist der WBGU in einem Sondergutachten hin, das heute den beiden Staatssekretären Michael Müller (Umwelt) und Thomas Rachel (Bildung und Forschung) übergeben wird. Darin warnt der Beirat, dass die Menschheit bereits jetzt Veränderungen in den marinen Ökosystemen auslöst, wie sie während der letzten Jahrmillionen nicht stattgefunden hätten. Als deutlichste Folgen nennt der WBGU beispielsweise den Rückgang des arktischen Meereises, stärkere Wirbelstürme in den Tropen und den beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels, der allein während der letzten zehn Jahre um drei Zentimeter zulegte.

Um die Schäden für Meere und Küsten zu begrenzen, raten die beteiligten Wissenschaftler unter anderem den Kohlendioxidausstoß bis 2050 im Vergleich zu 1990 zu halbieren und damit den Klimawandel zumindest einzudämmen. Politik und Behörden sollen zudem neue Strategien für den Küstenschutz entwickeln. Sie sollen dabei auch nicht vor unpopulären Maßnahmen wie geordneten Rückzügen aus besonders gefährdeten Gebieten zurückschrecken und ebenso finanzielle Mittel für ärmere Länder bereitstellen. Flüchtlingen aus unterentwickelten Staaten, die wegen des Klimawandels fliehen, sollte zudem eine gewisse Rechtssicherheit gewährt werden – vorstellbar wäre etwa ein Quotensystem, nach dem Länder gestaffelt nach ihren Emissionen eine entsprechende Zahl von Menschen aufnehmen müssen. Kontrovers diskutiert werden dürfte auch die Forderung der WBGU nach größeren Meeresschutzgebieten, die zukünftig mindestens 20 bis 30 Prozent der Ozeanfläche einnehmen sollen. Damit möchten die Forscher die Widerstandskraft der Gewässer gegen Versauerung und Erwärmung stärken und ihre zukünftige Nutzung nachhaltiger gestalten. Dagegen lehnen sie die Einlagerung von Kohlendioxid in der Tiefsee als Gegenmaßnahme eindeutig ab, da dies unabsehbare Folgen für dortige Tierwelt haben könnte und zudem nicht dauerhaft gewährleistet ist.
01.06.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01.06.2006

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