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News: Endlich in Frieden ruhen

Da es über den Mumifizierungsprozess der Ägypter keine genauen Aufzeichnungen gibt, muss man den Berichten von Herodot oder Plinius dem Älteren vertrauen. Auf der Suche nach dem genauen Vorgehen mussten Wissenschaftler oftmals auch wertvolle Relikte zerstören. Dies könnte sich nun mit einem neuen Verfahren britischer Forscher ändern, mit dem sie eine genauere Analyse der im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlichen Balsamierungsstoffe vornahmen.
Die alten Ägypter glaubten, dass der Mensch aus Körper und zweigeteilter Seele bestand. Ein Teil der Seele, der Ka, blieb nach dem Tod bei dem Leichnam, während ein zweiter Teil, der als Vogel dargestellte Ba, die Angehörigen besuchen konnte und die Sonne auf ihrer Reise durch die Unterwelt begleitete. Danach musste Ba in den Körper zurückkehren, und dies war nur gewährleistet, wenn er den Körper wiedererkannte.

Deshalb gaben sich die Mumifizierer beim Einbalsamieren der Leichname größte Mühe, und so überdauerten die Mumien viele Jahrhunderte. Einige sind so gut erhalten, dass Wissenschaftler Erbgutinformationen aus Haaren oder Gewebeteilen extrahieren konnten. Vielen Mumien wurde die ewige Ruhe jedoch durch Grabräuber und Sammler verwehrt, sie wurden zu medizinischen Pülverchen zermahlen, als Brennstoff verwendet oder zur Belustigung in aller Öffentlichkeit entrollt. Selbst moderne Wissenschaftler kamen oft nicht umhin, die Mumien für ihre Untersuchungen zu zerstören.

Stephen Buckley und Richard Evershed von der University of Bristol haben nun ein schonenderes Verfahren entwickelt, das mit Gaschromatograph und Massenspektrometer auskommt. Mit weniger als 0,1 Milligramm leichten Gewebeproben können sie nun die nicht verrottende Bestandteile der ursprünglichen Balsamierungsstoffe identifizieren.

Die Wissenschaftler untersuchten 13 Mumien, die zwischen 1985 vor Christus und 395 nach Christus einbalsamiert wurden und deren Herkunft und Alter ungefähr bekannt war. Dabei stellten sie fest, dass die Balsamierungsstoffe viel stärker variierten als bislang angenommen. Neben Natron, Ölen aus Wacholderbäumen und Kampfer, Myrrhe, Nadelbaumharzen und Bienenwachs dienten auch Pflanzenpech sowie tierische Fette zur Konservierung. Dabei waren die weit verbreiteten Pflanzenöle und Tierfette die Basis für teurere Materialien, wie zum Beispiel die aus dem Libanon importierten Koniferenharze.

Die bei der Balsamierung verwendeten Stoffe änderten sich mit der Zeit, so enthalten spätere Mumien beispielsweise mehr Bienenwachs und zunehmend kostbare Substanzen. Über die Gründe können die Wissenschaftler bislang nur spekulieren. So könnte die Zusammensetzung von Modeerscheinungen oder der jeweiligen Mumifizierungsgilde abhängig sein. Verbesserte Transportwege könnten den Preis für teure Zutaten gesenkt haben oder wohlhabende Ägypter wollten mit diesen ihren Reichtum zur Schau stellen. Eines ist indes sicher: Der Ba wird es schätzen, wenn er nach seinem Streifzug in die Unterwelt zu seiner nur um 0,1 Milligramm beraubten Mumie zurückkehrt.

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