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News: Energiestrotzende Schwarze Löcher

Bisher hatten Forscher immer nur beobachtet, wie etwas in einem Schwarzen Loch verschwindet, nicht aber umgekehrt. Doch jetzt weist die ungewöhnlich energiereiche Röntgenstrahlung aus der unmittelbaren Nähe eines Schwarzen Lochs darauf hin, dass es große Mengen Energie ausstrahlt.
Am 4. Oktober 2001 erhielt das amerikanische Predigerpaar Jack and Rexella Van Impe den Ig-Nobelpreis für Astrophysik, mit dem alljährlich originelle, wenngleich überflüssige Erkenntnisse geehrt werden. Kurzum, die Van Impes hatten glaubhaft dargelegt, dass Schwarze Löcher die besten Voraussetzungen hätten, die Hölle zu sein, aus der es kein Entrinnen gibt.

Kein Entrinnen? Nun, ob Hölle oder nicht, wird Jörn Wilms von der Universität Tübingen und seine Kollegen zwar wenig interessiert haben, immerhin haben die Forscher jetzt mithilfe des X-ray-Multi-Mirror-Mission-Satelliten im Inneren der 100 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie MCG-6-30-15 beobachtet, dass es nicht nur einen Weg in, sondern auch einen aus der Hölle, äh, dem Schwarzen Loch gibt.

Dessen Strahlung, die Folge der Reibung im Inneren der rotierenden Akkretionsscheibe ist, zeigte im Eisenspektrum der Röntgenstrahlung extrem breite Maxima. Das Spektrum war von der gigantischen Schwerkraft gleichsam in die Länge gezogen worden - und zwar so stark, dass die Strahlung aus der unmittelbaren Nähe des Schwarzen Lochs, aus dem Bereich des Ereignishorizonts stammen musste. So weit, so gut; auffällig war aber außerdem die hohe Intensität der Strahlung, die nicht allein auf die Schwerkraft und den freien Fall der Materie zurückzuführen war.

"Das ist wie bei einem Gummiball, der auf den Boden geworfen wird", meint Wilms. "Man kennt die Oberflächenbeschaffenheit und kann vermuten, wie und wann der Ball zurückkommt. Aber hier kommt der Ball viel schneller zurück." Es musste also eine zusätzliche Energiequelle geben, die von innen nach außen wirkte.

Um auf ihre Spur zu kommen, griffen die Forscher auf ein 25 Jahre altes Modell zweier Astronomen der Cambridge University zurück. Seinerzeit hatten Roger Blandford, der heute am California Institute of Technology lehrt, und Roman Znajek postuliert, dass beim Abbremsen eines rotierenden Schwarzen Lochs Energie frei wird. So ließen sich die senkrecht zu der Akkretionsscheibe ausströmenden Jets von Quasaren beschreiben. Allerdings ist MCG-6-30-15 kein Quasar - folgt aber offensichtlich trotzdem dem Blandford-Zjanek Mechanismus.

In dem Modell der Forscher funktioniert das Zentrum von MCG-6-30-15 wie ein Dynamo, dessen Magnetfelder im Schwerefeld des Schwarzen Lochs deformiert werden und ineinandergreifen. Die ohnehin infernalischen Temperaturen in seinem Umfeld würden dadurch zusätzlich erhöht und die Röntgenstrahlung intensiviert. Bislang können sich Wilms und Kollegen nur auf das ungewöhnlich "helle" Eisenspektrum berufen und räumen ein, dass der Blandford-Zjanek-Mechanismus damit nicht endgültig bewiesen sei. Auch einzelne Forscherkollegen haben bereits Zweifel geäußert. Sollte es aus der Hölle womöglich doch kein Zurück geben?

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