Direkt zum Inhalt

England: Archäologen entdecken keltische Kriegstrompeten

Es sind sehr seltene Fundstücke: Im englischen West Norfolk stießen Fachleute auf keltische Kriegstrompeten. Außerdem fanden sie eine weitere Rarität.
Ein antikes, teilweise freigelegtes Artefakt aus Metall, das in einem rechteckigen Behälter mit Erde liegt. Das Objekt hat eine geschwungene Form und zeigt Anzeichen von Korrosion. Im Hintergrund sind weitere archäologische Funde und Werkzeuge zu sehen. Das Bild vermittelt den Eindruck einer archäologischen Ausgrabung oder Restaurierung.
Kriegstrompeten, Militärbanner und Schildbuckel: Der Hortfund aus England wurde ungefähr zur Zeitenwende vergraben. Obenauf liegt der Schalltrichter einer Kriegstrompete in Form eines Tierkopfes.

Der ohrenbetäubende Sound der keltischen Kriegstrompeten soll sogar die Römer das Fürchten gelehrt haben. Nun haben Archäologen zwei solcher Schlachtfeldinstrumente aus Bronze in West Norfolk im Osten Englands entdeckt. Außerdem kam ein Militärbanner in Form eines Wildschweinkopfes zum Vorschein. Wie die englische Behörde für Denkmalpflege Historic England mitteilt, hätten derartige Funde europaweit Seltenheitswert. Die Objekte waren offenbar vor etwa 2000 Jahren vergraben worden.

Fachleute der Grabungsfirma Pre-Construct Archaeology haben den Hort bei einer Routinegrabung geborgen und im Block, also samt dem umgebenden Erdreich, aus dem Boden gehoben. Um vor der endgültigen Freilegung die genaue Lage der Objekte im Inneren zu kennen, wurde der Block geröntgt. Wie sich zeigte, hatte man schätzungsweise in der Zeit zwischen 50 v. Chr. und 50 n. Chr. mehrere Objekte im Boden verborgen: eine nahezu vollständig erhaltene Carnyx – so bezeichneten bereits antike Autoren das Schlachtfeldinstrument – und die Überreste einer weiteren Kriegstrompete. Ebenso fand sich ein Wildschweinkopf aus Bronzeblech, bei dem es sich laut den Archäologen um ein Schlachtfeldbanner handelte. Zu dem Hort zählen schließlich noch fünf Schildbuckel und ein Stück Eisen unbekannter Funktion.

Fragile Funde aus Bronzeblech

Die endgültige Freilegung der Fundstücke erfolgte in den Werkstätten des Norfolk Museum Service. Die Objekte aus dünnem Bronzeblech seien äußert fragil und müssen zunächst restauriert werden, bevor Fachleute sie weiter erforschen können.

Eberkopf | In dem keltischen Depot lag auch ein Wildschweinkopf aus Bronze. Es könnte sich um den oberen Teil eines Militärbanners gehandelt haben.

Schon zuvor kamen Teile von keltischen Kriegstrompeten ans Licht. So fanden sich in England bislang zwei solcher Instrumente. Außerdem sind Funde aus Deutschland, Schottland und Frankreich bekannt. Im Jahr 2004 entdeckte man in den Überresten eines gallorömischen Tempels beim französischen Tintignac die Überreste von fünf Carnyces. Ursprünglich dürften die Instrumente um die anderthalb bis zwei Meter lang gewesen sein. Man blies in ein langes, aufragendes Metallrohr, das in einem Schallbecher in Form eines Eber- oder Schlangenkopfes mündete.

Welche Wirkung die Trompeten entfalteten, berichtet beispielsweise der antike Geschichtsschreiber Polybios (200–120 v. Chr.). So hätten die Trompetentöne 225 v. Chr. bei der Schlacht von Telamon, als in Mittelitalien Kelten und Römer aufeinandertrafen, zusammen mit dem Geschrei der Krieger eine furchteinflößende Geräuschkulisse geboten.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.