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Biogeografie: Englische Ulmen: Klone seit 2000 Jahren

Alle heutigen Englischen Ulmen (Ulmus procera) lassen sich möglicherweise auf einen einzigen Urschößling zurückführen, der von Römern über Spanien nach Großbritannien gebracht wurde. Luis Gil von der Technischen Hochschule Madrid und seine Kollegen konnten kaum genetische Differenzen zwischen Englischen Ulmen in Zentralitalien, Spanien und England feststellen. Die engsten Übereinstimmungen im Erbgut ergeben sich demnach zwischen Ulmenklonen in England und Proben von ehemaligen römischen Weingütern aus dem Latium bei Rom. Von dort soll vor etwa 2000 Jahren im Gepäck römischer Siedler ein einzelner Ulmensprössling seine Reise nach Spanien und England angetreten und dort anschließend die gesamte jetzige Population der Art begründet haben.

Trotz ihrer bescheidenen Samenproduktion verbreiteten sich Englische Ulmen unverändert über Jahrhunderte in Spanien und England, denn sie vermehren sich sehr erfolgreich vegetativ. Zudem pflanzt man sie gerne zur Zierde oder in Plantagen. Problematisch wurde aber ihre genetische Monotonie als in den 1970er Jahren die Holländische Ulmenkrankheit ihre Spur der Verwüstung durch die europäischen Ulmenbestände zog. Ohne genetische Variabilität, die einen entsprechenden Schutz vor Krankheiten bietet, fielen allein in Großbritannien 25 Millionen Ulmen der Seuche zum Opfer.

Ursprünglich dienten die Englische Ulme und ihre Vorfahren als Anzuchtbasis für Weinreben. Wegen dieser Eignung nahmen sie römische Winzer mit in ihre Kolonien.
29.10.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 29.10.2004

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