Entdeckung in Goethes Bernstein: Der Dichterfürst und die Ameise

Insgesamt 40 Bernsteine fügte Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) im Lauf der Zeit seiner Privatsammlung hinzu, nicht aus einer Leidenschaft für Schmuck heraus, sondern weil er die optischen Eigenschaften des fossilen Harzes schätzte: Er schliff daraus Linsen, um für seine Farbenlehre bestimmte Farbspektren beobachten zu können.
Diese Farbenlehre ist inzwischen zur reinen wissenschaftsgeschichtlichen Kuriosität geworden, doch sein Bernstein sorgt nach wie vor für wissenschaftliche Erkenntnisse. Das zeigt die Studie eines Teams um Bernhard Bock vom Phyletischen Museum der Universität Jena: In einem der Bernsteine fand die Gruppe eine außergewöhnlich gut erhaltene Ameise einer ausgestorbenen Art.
Ctenobethylus goepperti komme in Bernstein sehr häufig vor, erklärt Bock in einer Pressemitteilung der Uni Jena. »Dank ihres guten Erhaltungszustands und der umfangreichen Untersuchungen konnten wir sie allerdings so detailliert beschreiben wie noch nie zuvor und neue Informationen über die Art und ihre Verwandtschaft gewinnen.« Details dazu veröffentlichte das Team jetzt im Fachblatt »Scientific Reports«.
Mit bloßem Auge sind die Einschlüsse in Goethes Bernsteinen – neben der Ameise fanden sich auch noch eine Kriebelmücke und eine Trauermücke – kaum zu erkennen, weshalb der Dichter vom fossilen Innenleben zweier Steine seiner Sammlung nichts gewusst haben dürfte. Erst die Durchleuchtung mittels Synchrotron-Mikrocomputertomografie am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg offenbarte, wie gut die 40 Millionen Jahre alten Insekten darin enthalten waren.
Die dreidimensionalen Aufnahmen machten feine Härchen am Körper der Arbeiterameise sichtbar und erlaubten den Fachleuten sogar erstmals den Blick ins Innere. Ctenobethylus goepperti lebte während des Eozäns (56 Millionen bis 33 Millionen Jahre vor heute) in den Nadelwäldern des damals feucht-warmen Ostseeraums und baute vermutlich große Nester in Bäumen – andernfalls wäre sie wohl nicht so häufig in Bernstein zu finden.
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