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Galaxienevolution: Entfernte Spiralgalaxie frisst kleinen Verwandten

M63 hat Zwergalaxie verspeist
Nach den gängigen Modellen wachsen Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße, indem sie sich kleinere Zwerggalaxien einverleiben. Nun gelang es Astronomen, Spuren des galaktischen Kannibalismus erstmals auch in relativ weiter Entfernung von unserer Heimatgalaxie aufzuspüren: Sie erkannten außerhalb der "lokalen Gruppe" von Galaxien Spuren der typischen rankenförmigen Verzerrungen, die beim Verschmelzen von Zwerggalaxien mit Spiralgalaxien auftreten sollten.

Sternströme um die Spiralgalaxie M 63 | Die Bildkomposition zeigt Überreste einer kleineren Satellitengalaxie, die sich M 63 einverleibt hat – eine rund 30 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernte Spiralgalaxie im Sternbild Jagdhunde. In der Bildmitte ist ein herkömmliches positives Bild dargestellt; die äußeren Regionen zeigen ein Bildnegativ, in dem die schwach leuchtenden Strukturen, nach denen in dieser Durchmusterung gesucht wurde, klarer hervortreten. Erstmals wird hier der Prozess, bei dem Spiralgalaxien, die sich kleinere Satellitengalaxien einverleiben, auch jenseits unserer lokalen Gruppe von Galaxien deutlich.
Solche rankenartigen Strukturen prägen sich im Lauf von einigen Millionen Jahren hinweg aus, wenn eine kleinere Galaxie – etwa eine Zwerggalaxie – einer Spiralgalaxie zu nahe kommt und die Gravitationsanziehung der größeren die kleinere Sterneninsel verzerrt. Typischerweise verformt sich die kleinere Galaxie zu einem länglichen Gezeitenstrom aus Sternen, der sich nach und nach mit der größeren Galaxie vermischt. Detaillierte Simulationen zur Evolution von Galaxien sagen neben den Gezeitenströmen auch eine Reihe anderer gut erkennbarer Spuren von Verschmelzungen voraus, etwa gigantische Wolken oder jetähnliche Strömungen, die aus der galaktischen Scheibe hervortreten.

Nun entdeckte eine internationale Forschergruppe um David Martínez-Delgado vom Max-Planck-Institut für Astronomie bei einer Himmelsdurchmusterung mehrere dieser typischen Verschmelzungsspuren außerhalb der lokalen Gruppe von Galaxien. Dort in den Tiefen des Alls solche Belege zu finden ist notwendig, um die Theorie der Galaxienevolution weiter zu stützen – allein der bereits geführte Nachweis, dass in unserer Nachbarschaft Galaxien verschmelzen, genügt den Astronomen nicht. (mpg/jo)

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