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Angriffe auf Entsalzungsanlagen: Irankrieg macht Trinkwasser zur Zielscheibe

Im Persischen Golf geraten Entsalzungsanlagen in den Fokus des Konflikts. Die Angriffe betreffen Millionen Menschen und machen Wasser zur Waffe. Sicherheitsexperten sind alarmiert.
Stadtansicht von Manama, Bahrain, bei Sonnenuntergang. Im Vordergrund ist das Wasser des Persischen Golfs zu sehen, während im Hintergrund moderne Hochhäuser die Skyline dominieren. Besonders auffällig sind die beiden spitz zulaufenden Türme des Bahrain World Trade Centers. Der Himmel ist bewölkt, mit Sonnenstrahlen, die durch die Wolken brechen.
Dass eine Stadt wie Manama, Hauptstadt des Inselstaats Bahrain, in der Wüste existieren kann, verdanken die dort lebenden Menschen vor allem der Entsalzung von Meerwasser.

Im Königreich Bahrain schlug am 8. März 2026 eine iranische Drohne in eine der Entsalzungsanlagen ein, die den Inselstaat mit Trink- und Nutzwasser versorgen. Bahrain zählt rund 1,5 Millionen Einwohner und liegt im Persischen Golf. Zur selben Zeit zeigte das iranische Staatsfernsehen auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs Bilder einer beschädigten Entsalzungsanlage auf der Insel Qeschm, die bereits am 7. März von einer amerikanisch-israelischen Allianz angegriffen worden sei. 30 Dörfer hätten anschließend Probleme mit der Wasserversorgung gehabt, erklärte die Regierung in Teheran. »Die USA haben die Blaupause für diese Art von Attacke geliefert«, behauptete der iranische Außenminister Abbas Araghtschi in den sozialen Medien. Er machte damit zumindest indirekt deutlich, dass der Angriff auf die Wasseranlage in Bahrain ein gezielter Vergeltungsschlag war und nicht auf eine verirrte Drohne zurückgeht. Das US-Militär dementierte jede Beteiligung an dem Vorfall.

Die Schäden an den Wasseranlagen blieben überschaubar. Es gab keine Toten, keine gewaltigen Explosionen, keinen toxischen Regen – und niemand wurde völlig von der Wasserversorgung abgeschnitten. Auf den ersten Blick muten die Vorkommnisse deshalb wie ein Nebenschauplatz des Irankriegs an.

Die zielgerichteten Angriffe auf die Trinkwassererzeugung in der Golfregion versetzen Experten dennoch in Angst und Schrecken. Denn sie legen ein Risiko offen, das Unterbrechungen der globalen Ölversorgung weit übertrifft: Ohne funktionierende Anlagen zur Entsalzung von Meerwasser würden die arabischen Golfstaaten in relativ kurzer Zeit praktisch unbewohnbar. Der Angriff auf die Wasseranlage in Bahrain sei daher »ein schwerer Schlag«, sagte Hussein Ibish vom Arab Gulf States Institute dem »Wall Street Journal«: »Noch stärker als die Energieinfrastruktur sind diese Entsalzungsanlagen die Achillesferse der Golfmonarchien.«

Die Länder rund um den Persischen Golf sind als Petrostaaten bekannt, weil sie einen erheblichen Beitrag zum weltweiten Vertrieb von Erdöl und Erdgas leisten. Sind Produktion und Abtransport fossiler Brennstoffe aus der Golfregion in Gefahr oder sogar, wie derzeit, unterbrochen, ist die Welt in Aufruhr. Milliarden Menschen spüren die Auswirkungen sofort: indem nämlich die Preise für Benzin, Strom und Heizen steigen. Mit einer Angriffswelle auf die Entsalzungsanlagen könnte ein Gegner jedoch die ganze Region – samt Ölproduktion – weitgehend lahmlegen und zusätzlich eine humanitäre Krise auslösen.

Das US-amerikanische Außenministerium hat diese Gefahr bereits 2008 am Beispiel der größten Wasseraufbereitungsanlage der saudischen Hauptstadt Riad beschrieben, die am Roten Meer liegt und von der dicke Rohrleitungen ins Landesinnere führen. »Riad müsste innerhalb von einer Woche evakuiert werden, wenn die Anlage, ihre Pipelines oder ihre Energieversorgung erheblich beschädigt oder zerstört würden«, heißt es in der CIA-Analyse, die auf früheren Warnungen aus den 1980er Jahren aufbaut. Das saudische Königreich hat seit 2008 seine Vorsorge verbessert, indem es weitere Anlagen bauen und das Tausende Kilometer lange Pipelinenetz sowie seine Wasservorräte vergrößern ließ. Doch die gesamte Golfregion bleibt existenziell von den Entsalzungsanlagen abhängig.

Ohne Entsalzung kaum Trinkwasser

Nur der energieaufwändigen Entsalzung von Meerwasser ist es zu verdanken, dass in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Städte und luxuriöse Urlaubsresorts am Golf entstehen konnten. Der Historiker und Nahostforscher Michael Christopher Low von der University of Utah nennt die Golfstaaten »Salzwasser-Königreiche«, weil dort 60 Prozent der weltweiten Entsalzungskapazität installiert sind und fast das gesamte Leben auf verarbeitetem Salzwasser beruht. Er hatte zwei Tage vor dem ersten derartigen Angriff bereits vor einem solchen Szenario gewarnt.

Schon die alten Römer nutzten einfache Verdunstungstechniken, um aus dem nahezu unbegrenzt verfügbaren, aber ungenießbaren Meerwasser trinkbares Wasser zu gewinnen. Die industrielle Entsalzung schließlich kam nach dem Zweiten Weltkrieg in Schwung. Es blieb zunächst bei thermischen Verfahren. Erst in den 1960er Jahren machten Ingenieure die sogenannte Umkehr-Osmose einsatzfähig. Dabei wird das Meerwasser durch eine Reihe immer feinerer Filter geschickt. Am Anfang des Verfahrens werden Meeresorganismen herausgesiebt und mithilfe hohen Drucks und extrem feiner Membranen die letzten Reste unerwünschter Salze beseitigt. Der Prozess ist sehr energieintensiv, was in Petrostaaten aber eine deutlich kleinere Hürde darstellt als anderswo.

Etwa seit dem Jahr 2000 erlebt die industrielle Entsalzung von Meerwasser einen regelrechten Boom, auch in Ländern wie China und den USA. In manchen Jahren wurden Studien zufolge täglich mehrere Millionen Kubikmeter Kapazitäten zugebaut. Treiber dieser Entwicklung ist unter anderem die Sorge davor, dass infolge des Klimawandels häufiger Dürren auftreten und eine wasserintensive Landwirtschaft die Reservoirs aufbraucht – sodass in vielen Regionen weltweit die Grundwasserspiegel sinken, während die Bevölkerung weiter wächst. Inzwischen gibt es rund 21 000 Entsalzungsanlagen, doppelt so viele wie noch zu Beginn des Jahrhunderts.

Meerwasserentsalzung durch Umkehrosmose | In diesen Röhren wird Meerwasser unter Druck durch eine Membran gepresst, die für Salze undurchlässig ist. Dabei muss einerseits der osmotische Druck, andererseits der Widerstand der Membran überwunden werden. Das macht die Technik relativ energieaufwändig.

Die mit Abstand größte Bedeutung aber hat die Meerwasserentsalzung in der wüstenreichen Golfregion. Dort schlummern im Untergrund zwar riesige Mengen Erdöl und Erdgas, aber im Verhältnis zum Bedarf viel zu wenig Grundwasser. Während die durchschnittliche jährliche Regenmenge pro Quadratmeter nur 100 Millimeter beträgt, liegt die Verdunstungsrate um ein Vielfaches darüber. Den Vereinten Nationen zufolge verfügen die Golfstaaten über jeweils weniger als 100 Kubikmeter natürlich erneuerbarer Wasserreserven pro Einwohner, während es beispielsweise in der Europäischen Union 3000 Kubikmeter sind.

Natürliche Aquifere, also tief liegende Wasseradern, die unter den Wüstenstaaten für den Wasserverbrauch angezapft werden, sind sehr alt und nicht mit der Oberfläche verbunden. Sie erneuern sich also nicht. Das World Resources Institute zählt die Golfregion zu den Weltgegenden mit dem stärksten Wasserstress. Das hält Regierungen und Einwohner dort aber – im Vertrauen auf die Entsalzungstechnologie – nicht von einem sehr hohen Wasserverbrauch ab, der ein Vielfaches über dem globalen Durchschnitt liegt.

Der massive, mit Einnahmen aus dem Fossilgeschäft finanzierte Ausbau der Entsalzungsanlagen hat den Aufstieg der Golfregion zu einer glitzernden Luxuswelt erst möglich gemacht

Der massive, mit Einnahmen aus dem Fossilgeschäft finanzierte Ausbau der Entsalzungsanlagen hat den Aufstieg der Golfregion zu einer glitzernden Luxuswelt mit bewässerten Golfplätzen und künstlichen Skipisten erst möglich gemacht. Insgesamt sind dort knapp 400 größere und Tausende kleinere Entsalzungsanlagen in Betrieb.

Allerdings gibt es unterschiedliche Angaben über den Anteil entsalzten Wassers am Verbrauch. Viele aktuelle Medienberichte zitieren Zahlen, denen zufolge die Vereinigten Arabischen Emirate in ihrer Trinkwasserversorgung zu 42 Prozent von Entsalzungsanlagen abhängen, Kuwait zu 90 Prozent, der Oman zu 86 Prozent und Saudi-Arabien zu 70 Prozent. Die Zahlen entstammen einem Report aus dem Jahr 2022 von IFRI, einem führenden französischen Thinktank für Außenpolitik, der allerdings keine Quelle nennt. Der Autor des Reports, Marc-Antoine Eyl-Mazzega, sagt auf Anfrage, die Zahlen seien seiner Erinnerung nach von den Vereinten Nationen gekommen oder von der IDRA, der Internationalen Vereinigung für Entsalzung und Aufbereitung.

Im Statistischen Jahrbuch von GCC, der Vereinigung der Golfstaaten, heißt es wiederum, dass das Wasser in der Region zu 71 Prozent aus Grundwasser und nur zu 25 Prozent aus Entsalzung stamme. Mohamed Abdelraouf, Direktor des Forschungsprogramms für Umweltsicherheit und Nachhaltigkeit am Gulf Research Center im saudi-arabischen Dschidda, sagte auf Anfrage, Grundwasser spiele weiter eine große Rolle, Entsalzung stehe an zweiter Stelle. Nur bei reinem Trinkwasser für Haushalte könne der Anteil der Entsalzungsanlagen so hoch sein, wie er nun in Medienberichten angegeben werde.

Die Abhängigkeit von Wasserentsalzung ist in jedem Fall groß – und eine gefährliche Schwachstelle in Kriegszeiten: Im Gegensatz zu Grundwasserreserven sind Entsalzungsanlagen leichte Ziele für terroristische oder kriegerische Attacken. Der Nahost-Historiker Michael Christopher Low erinnerte anlässlich der aktuellen Angriffe daran, dass es bereits im ersten Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre große Sorgen um die Wasserversorgung von Kuwait gegeben habe. Zudem habe damals das Risiko bestanden, dass Erdöl aus versenkten Tankschiffen auslaufe und die Anlagen unbenutzbar mache. Damals seien künstliche Barrieren an den Küsten errichtet worden, um die Wasserversorgung vor Ölteppichen zu schützen.

Angriffe auf Wasserversorgung sind völkerrechtlich untersagt

Das Völkerrecht untersagt Angriffe auf die Wasserversorgung der Bevölkerung streng. Im Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen aus dem Jahr 1977 heißt es in Artikel 54, dass es verboten ist, »für die Zivilbevölkerung lebensnotwendige Objekte wie (…) Trinkwasserversorgungsanlagen und ‑vorräte sowie Bewässerungsanlagen anzugreifen, zu zerstören, zu entfernen oder unbrauchbar zu machen«. Zuvor hatten in den 1950er und 1960er Jahren vor allem die USA im Korea- und im Vietnamkrieg immer wieder auch Staudämme bombardiert. Zuletzt gab es im Jahr 2023 einen gezielten Angriff auf die Wasserinfrastruktur in der Ukraine, als der Kachowka-Staudamm am Grenzfluss Dnipro bei einer gezielt ausgelösten Explosion zerstört wurde und sich ein riesiges Reservoir für Trink- und landwirtschaftliches Nutzwasser entleerte. Die Ukraine machte damals Russland für die Explosion verantwortlich.

»Gewaltanwendung im Umgang mit Wasser ist strategisch nicht rational, hydrographisch nicht effektiv und wirtschaftlich nicht tragfähig«Aaron T. Wolf, Geograf

Trotz solcher Vorfälle hat die Menschheit es aber bisher meist verstanden, Verteilungskonflikte um Wasser mit friedlichen Mitteln zu lösen. Der Geograf Aaron T. Wolf von der Oregon State University, ein führender Experte für Wasserkonflikte, hob 2009 in einer Studie hervor, dass es zwar seit 1950 rund 500 Streitigkeiten zwischen Nationen um Wasser gegeben habe, gleichzeitig aber mehr als 1200 Kooperationsabkommen abgeschlossen worden seien. »Gewaltanwendung im Umgang mit Wasser ist strategisch nicht rational, hydrografisch nicht effektiv und wirtschaftlich nicht tragfähig«, schrieb Wolf. So sei es zum Beispiel unklug, wenn ein Land am Unterlauf eines Flusses einen Staudamm am Oberlauf bombardiere – »das würde eine Wasserwand zum Angreifer schicken«.

Ähnliche Sorgen könnten nun auch die Kriegsparteien am Persischen Golf von weiteren Attacken auf Wasseranlagen abhalten. Der Iran ist zwar deutlich weniger von Meerwasserentsalzung abhängig als die arabischen Golfstaaten. Doch das Land wird seit einigen Jahren von einer schweren Dürre heimgesucht. Die Reservoirs, aus denen üblicherweise die Hauptstadt Teheran versorgt wird, sind nur in geringem Umfang gefüllt. Schon länger ist von einer »akuten Wasserkrise« die Rede.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian warnte Ende 2025 öffentlich davor, dass die Hauptstadt Teheran wegen Wassermangels unbewohnbar werden könnte. Die dort lebenden zehn Millionen Menschen müssten eventuell evakuiert und der Regierungssitz perspektivisch ans Meer verlegt werden, wenn sich die Lage nicht ändere. Im Iran kursierten zudem Gerüchte, feindliche Mächte würden Wolken zum Abregnen bringen, bevor sie das Land erreichen, um es politisch und wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Dabei sind die Gründe nach Ansicht von Fachleuten banalerer Natur. In einer Studie, die 2023 im Journal »Nature Communications« erschien, machten iranische Wissenschaftler neben Klimaveränderungen vor allem einen übermäßigen Wasserverbrauch als Ursache dafür aus, dass der Grundwasserspiegel so stark sinkt – und warnten vor »verheerenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen«.

Bisher ist es bei den Attacken auf Entsalzungsanlagen vom 7. und 8. März geblieben. US-Präsident Donald Trump spricht von einem »baldigen Ende« des Irankriegs. Doch die Zwischenfälle im Königreich Bahrain zeigen, dass nicht nur Erdöl und Erdgas ein gewaltiges Eskalationspotenzial bergen, sondern auch die Versorgung mit Wasser.

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  • Quellen

Low, M.C., The Conversation 10.64628/AAI.hv7yatyuh, 2026

Eke, J. et al., Desalination 10.1016/j.desal.2020.114633, 2020

Noori, R. et al., Nat Commun 10.1038/s41467–023–42411–2, 2023

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