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Entscheidungen: Nachdenken macht Ängstliche unsicherer

Wer zu Ängstlichkeit neigt, sollte nach einer Entscheidung nicht lange darüber sinnieren – sonst sinkt das Vertrauen in die eigene Urteilskraft.
Eine Person mit langen, roten Haaren lehnt ihren Kopf sanft gegen einen Spiegel, wodurch ihr Gesicht und ihre Haare doppelt reflektiert werden. Die Szene vermittelt eine ruhige und nachdenkliche Stimmung. Der Hintergrund ist schlicht und grau, was den Fokus auf die Person und ihre Spiegelung lenkt.
War das jetzt schlau? Wer stärker zu Ängsten neigt, zweifelt häufiger an der eigenen Entscheidung – besonders nach etwas Nachdenken.

Wie sicher sind sich Menschen nach einer Entscheidung, die richtige Wahl getroffen zu haben – und wovon hängt ihre Einschätzung ab? Das haben die Psychologen Sucharit Katyal und Stephen Fleming vom University College London in einer neuen Studie untersucht.

Die Forscher analysierten die Daten aus vier bereits veröffentlichten Online-Experimenten mit insgesamt 1447 Teilnehmenden. In allen Untersuchungen sollten die Versuchspersonen einfache Entscheidungen treffen. Beispielsweise mussten sie nach einem kurzen Blick angeben, welche von zwei Farben stärker auf einem Bild vertreten war oder welches von zwei Objekten sie zuvor schon einmal gesehen hatten. Direkt im Anschluss sollten die Testpersonen beurteilen, wie sicher sie sich mit ihrer Entscheidung fühlten. Dabei wurde auch erfasst, wie viel Zeit zwischen der Reaktion und der anschließenden Selbsteinschätzung lag. Zudem wurden auch allgemeine psychische Symptome wie Ängstlichkeit und Depressivität erhoben.

Höhere Angstsymptome gingen mit einem geringeren Vertrauen in die eigene Urteilskraft einher. Außerdem hatten weibliche Teilnehmende im Durchschnitt weniger Zuversicht in ihre Antworten als Männer – unabhängig von ihrer objektiven Leistung. Beide Gruppen zeigten den Auswertungen zufolge einen gesteigerten Anspruch daran, sich wirklich sicher zu sein, bevor sie Vertrauen in ihr Urteil ausdrückten.

Bedenkzeit verändert die Bewertung

Neu an der Studie war vor allem eine Analyse dessen, wie sich diese Bewertung mit einigen Sekunden mehr oder weniger Bedenkzeit entwickelt. Bei Personen mit stärkerer Angstsymptomatik nahm das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ab, je länger sie mit ihrer Bewertung warteten. Demzufolge verstärkte bei diesen Teilnehmenden mehr Zeit zur Selbstreflexion die Abwertung der eigenen Urteilskraft vermutlich eher. Bei den Frauen hingegen war das Selbstvertrauen unmittelbar nach der Entscheidung am niedrigsten ausgeprägt und nahm danach wieder zu. Offenbar konnte etwas längere Bedenkzeit bei ihnen dafür sorgen, dass automatische Denkmuster verändert wurden.

Die Autoren folgern daraus, dass geringes Vertrauen in eine eigene Entscheidung mehrere Gründe haben kann. Bei ausgeprägten Ängsten scheint zusätzliche Grübelei nach dem Entschluss vorhandene Selbstzweifel noch zu verstärken. Für diese Menschen könne es demnach sinnvoll sein, sich auf die erste, direkte Selbsteinschätzung nach einer vollendeten Aufgabe zu verlassen. Das geringere Selbstvertrauen der weiblichen Probanden dagegen deutet wohl mehr auf gewohnheitsmäßiges anfängliches »Tiefstapeln« hin, das sich mit etwas mehr Zeit korrigieren lässt. Frauen könne es folglich helfen, sich bewusst mehr Zeit für die Selbsteinschätzung zu lassen, so die Forscher.

  • Quellen

Katyal, S., Fleming, S., Psychological Medicine 10.1017/S0033291725102808, 2026

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