Direkt zum Inhalt

News: Entstand die Sprache aus einer Drohgebärde?

Von allen Primaten besitzt nur der Mensch die Fähigkeit, deutlich unterschiedene Sprachlaute zu artikulieren. Evolutionsbiologen haben nun im übrigen Tierreich einen ähnlichen anatomischen Bau des Kehlkopfs entdeckt, der Wortsprache überhaupt erst ermöglicht. Aus ihrem Analogievergleich ziehen sie den Schluss, dass sich der Kehlkopf des Menschen entwickelte, um das Imponierverhalten der Männer zu unterstützen.
Der Kehlbereich eines Neugeborenen ähnelt dem anderer Säugetiere. Wie ein Schnorchel erstreckt er sich bis zum Ausgang der Nasenhöhle, damit Säuglinge gleichzeitig trinken und atmen können. Erst im Alter von drei Monaten senkt sich der Kehlkopf, so dass die Stimmorgane im Rachenraum hinter der Zunge Platz finden. Seit etwa 200 000 Jahren verfügen Menschen über diese anatomische Besonderheit. Doch warum sollte sich die Fähigkeit zur Lautsprache herausgebildet haben?

Tecumseh Fitch von der Harvard University und sein französischer Kollege David Reby vom Institut de recherche sur les grands mammifères in Castanet haben nach Analogien im Tierreich gesucht. Sie entdeckten, dass sowohl der Rothirsch (Cervus elaphus) wie das Damwild (Dama dama) über einen abgesenkten Kehlkopf verfügen [1]. Fitch und Reby vermuten, dass eine größere Stimmhöhle einen deutlichen Evolutionsvorteil bot: Auch kleinere Männchen konnten durch eine tiefere und vollere Stimme über ihre Größe hinwegtäuschen und Rivalen verdrängen.

David Reby ist deshalb überzeugt, dass "die dauerhafte Absenkung des Kehlkopfs unabhängig von der Entwicklung der Lautsprache geschah". Der enge Zusammenhang zwischen der Ausbildung der Stimmorgane und dem Imponierverhalten zeige sich auch am Stimmbruch der jungen Männer in der Pubertät. Auch hier zeige sich, dass eine tiefere Stimme keinen unmittelbaren Vorteil für den Gebrauch der Sprache erbringt.

Steven Pinker vom Massachusetts Institute of Technology weist darauf hin, dass das Sozialverhalten von Großwild und Menschen zu verschieden ist, um Verallgemeinerungen daraus abzuleiten. Auch ist nicht geklärt, warum Frauen mit derselben anatomischen Besonderheit ausgestattet sind. Immerhin ist womöglich ein weiterer plausibler Grund gefunden, warum der Körper des Menschen die Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation besitzt.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte