Direkt zum Inhalt

Partnerwahl: Erdbeerfrösche nehmen den Nächstbesten

ErdbeerfroschLaden...

Wenn es um Paarung geht, sind weibliche Erdbeerfrösche (Oophaga pumilio; ehemals Dendrobates pumilio) nicht wählerisch: Ob die Männchen einen anziehenden Gesang oder eine prächtige Färbung haben, scheint den Weibchen gar nicht wichtig – sie nehmen einfach den Nächstbesten. Soweit zumindest das Zwischenfazit von Froschforschern, die die Tiere jahrelang im Freiland von Costa Rica beobachtet haben.

Die Giftfrösche machen ihrem Namen mit ihrer erdbeerroten Färbung alle Ehre, es existieren daneben aber viele weitere Farbvariationen.Laden...
Erdbeerfrosch | Dieser Erdbeerfrosch macht seinem Namen durch die erdbeerrote Färbung alle Ehre, es existieren daneben aber viele weitere Farbvariationen.

Das Team um Yvonne Meuche von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover erforschte die farbenprächtigen Winzlinge an verschiedenen Stellen des Naturreservats Hitoy-Cerere. Zusätzlich zu reinen Verhaltensbeobachtungen spielten die Wissenschaftler den Weibchen die Rufe verschiedener Männchen per Tonband vor, um die Damen zur Partnersuche zu animieren. Von den Froschmännchen hatten die Forscher zuvor Fitnessparameter wie die Größe oder das Gewicht erfasst. Der Einfluss der Farbe wurde hier nicht weiter untersucht, da frühere Studien bereits gezeigt hatten, dass Erdbeerfroschweibchen beim Partner eine ihnen ähnliche Farbe bevorzugen.

Eindeutig wurde der räumlich nähere Frosch-Sänger von den Weibchen favorisiert. Andere Auswahlkriterien wie die Fitness der Männer schienen im Experiment keine Rolle zu spielen. Diese Strategie der "Nächstbestenliebe" wirkt auf den ersten Blick wenig sinnvoll: Möglicherweise sitzt ein paar Laubblätter entfernt ein Männchen, das fitter ist und ein Territorium mit besseren Eiablageplätzen bieten kann. Doch es gebe bei dieser Verhaltensweise wichtige evolutionäre Vorteile, erläutern die Wissenschaftler. So sparen die weiblichen Frösche Zeit und suchen nicht, bis schlimmstenfalls kein potenzieller Partner mehr übrig ist. Denn Froscheier sind nur eine begrenzte Zeit befruchtungsfähig. Können sich die Damen in dieser Zeit nicht festlegen, so die Forscher, würden die Eier nicht befruchtet, und es schlüpfe kein Nachwuchs.

Nun scheint es merkwürdig, dass sich die Männchen dem Stress und der Gefahr des Singens aussetzen, obwohl die Erdbeerfroschweibchen sich nicht darum scheren. Doch der männliche Gesang ist trotzdem nicht zu unterschätzen. Mit ihm machen die Frösche auf sich aufmerksam und verteidigen ihr Territorium.

21. KW 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21. KW 2013

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos