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Erde in Sonnennähe: Eine Supersonne macht noch keinen Sommer

Am 3. Januar 2026 erreicht die Erde auf ihrer Bahn ihren sonnennächsten Punkt. Obwohl sie mehr Strahlung erhält, bleibt es auf der Nordhalbkugel winterlich kalt. Die Jahreszeiten werden von der Achsneigung bestimmt, nicht von der Entfernung zur Sonne.
Sonnenuntergang über dem Meer mit einer großen, leuchtend orangefarbenen Sonne am Horizont. Der Himmel ist in warmen Rottönen gefärbt, und die Wasseroberfläche reflektiert das Licht der untergehenden Sonne. Ein paar Wolken ziehen vor der Sonne vorbei.
Im Januar steht die Erde der Sonne so nah wie zu keinem anderen Zeitpunkt des Jahres. Dadurch erscheint die Sonnenscheibe minimal größer – ein Effekt, der anders als beim Sonnenauf- oder -untergang, jedoch kaum mit bloßem Auge wahrnehmbar ist.

Heute um 18:15 Uhr ist es wieder so weit: Die Erde erreicht auf ihrer leicht ellipsenförmigen Umlaufbahn um unser Tagesgestirn den Minimalabstand zur Sonne, das sogenannte Perihel. Zwar ist die Exzentrizität der Erdbahn fast null (e = 0,0167), aber nicht exakt wie bei einem Kreis (e = 0). Deshalb variiert der Abstand Erde–Sonne geringfügig: Mit rund 147 Millionen Kilometern ist unser Planet der Sonne derzeit Anfang Januar näher als zu jedem anderen Zeitpunkt des Jahres. Im Juli folgt das Aphel, der sonnenfernste Punkt – dort trennen uns etwa 152 Millionen Kilometer von unserem Stern. Der Unterschied von etwa 5 Millionen Kilometern (drei Prozent) klingt gering, macht sich aber durchaus bemerkbar – allerdings nicht in den Jahreszeiten.

Kein Effekt auf die Jahreszeiten

Dass der Winter auf der Nordhalbkugel mit dem sonnennächsten Punkt der Erdumlaufbahn zusammenfällt, klingt paradox. Entgegen der noch verbreiteten Fehlvorstellung hat der Wechsel der Jahreszeiten nichts mit dem Abstand der Erde zur Sonne zu tun. Vielmehr ist allein die Schrägstellung der Erdachse zur Ebene ihrer Umlaufbahn von etwa 23,5 Grad dafür verantwortlich.

Das wirkt zunächst umso erstaunlicher, da die Erde während des »nördlichen Winters« durch die relative Nähe zur Sonne eine zusätzliche Strahlungsleistung von etwa sieben Prozent erhält. Raumsonden wie das Solar and Heliospheric Observatory (SOHO) oder das Solar Dynamics Observatory (SDO) messen eine leicht erhöhte Solarkonstante und sogar einen minimal stärkeren Strahlungsdruck des Sonnenlichts. Diese Änderung ist deutlich größer als die intrinsische Variation der Sonnenleistung während des rund elfjährigen Sonnenzyklus – sie beträgt nur etwa 0,1 Prozent.

Doch im Winter auf der jeweiligen Halbkugel steht die Sonne deutlich tiefer am Himmel. Die zusätzliche Energie wird durch den flachen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen auf der »Winterhalbkugel« mehr als ausgeglichen. Trotz der größeren Sonnennähe erreicht so deutlich weniger Sonnenenergie pro Fläche den Boden – und das auch noch für eine insgesamt kürzere Zeit, da im Winter die Tage deutlich kürzer sind. Das bedeutet noch einmal zusätzliche Zeit, in der die Erde ihre ohnehin wenige aufgenommene Energie wieder abstrahlt.

Ein Blick auf unsere Nachbarplaneten verdeutlicht die Wirkung der Achsenneigung. Merkur besitzt mit einer Exzentrizität von e = 0,2 die »elliptischste« Umlaufbahn aller Planeten, zeigt jedoch kaum Jahreszeiten. Seine Rotationsachse ist nur um etwa zwei Grad geneigt. Uranus hingegen hat mit rund 98 Grad Achsenneigung extreme Jahreszeiten.

Schematische Darstellung der Umlaufbahn der Erde um die Sonne | Die Jahreszeiten entstehen durch die wechselnden Positionen der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne und die dadurch veränderten Beleuchtungsverhältnisse der Erdhalbkugeln. Entscheidend ist dabei die Neigung der Erdachse, nicht der Abstand zur Sonne.

Immerhin, auf der Erde sind die Wintertage insgesamt weniger zahlreich als die Sommertage. Das liegt an der höheren Bahngeschwindigkeit der Erde in der Nähe der Sonne, gemäß dem zweiten keplerschen Gesetz. Angetrieben von der etwas stärkeren Anziehungskraft rast sie mit rund 30,3 Kilometer pro Sekunde (109 000 Kilometer pro Stunde) durchs All, im Vergleich zu etwa 29,3 Kilometer pro Sekunde (105 000 Kilometer pro Stunde) im Aphel. Die Folge: Der Winter auf der Nordhalbkugel ist um einige Tage kürzer als der Sommer, und Raumfahrtagenturen müssen die Bahnen ihrer Satelliten entsprechend anpassen.

Die mittlere Entfernung der Erde zur Sonne ist übrigens eine wichtige Größe in der Astronomie und charakterisiert Abstände in Planetensystemen. Sie heißt »Astronomische Einheit«, wird mit AE abgekürzt und beträgt: 1 AE = 149 597 870 Kilometer.

Wirkungslose Supersonne

Durch die Annäherung erscheint die Sonne zudem minimal größer: Der Durchmesser wächst um rund drei Prozent gegenüber im Juli, die sichtbare Fläche um etwa sechs Prozent. Die vermeintliche »Supersonne« mit dem bloßen Auge als solche wahrzunehmen, ist damit jedoch kaum möglich. Der »Supermond« erscheint an seinem erdnächsten Punkt (Perigäum) immerhin bis zu 14 Prozent größer als am weitest entfernten Punkt seiner Bahn (Apogäum). Ein netter Nebeneffekt: Im Sommer auf der Nordhalbkugel dauern etwaige totale Sonnenfinsternisse minimal länger, da der Mond die kleinere Sonnenscheibe dann besser vollständig bedecken kann.

Wie fast alles im Sonnensystem ist auch das Perihel der Erde im stetigen Wandel. Durch gravitative Störungen, insbesondere durch Jupiter und Saturn, wandert es langsam durch das Jahr. Diese sogenannte apsidale Präzession verschiebt den Termin etwa alle 58 Jahre um einen Kalendertag. Für eine »Umrundung« relativ zum Sternenhimmel benötigt das Perihel rund 110 000 Jahre. Bereits im Jahr 6430 wird das Perihel auf den Tag der Tagundnachtgleiche im März fallen. Kurzfristig kann es von Jahr zu Jahr aber auch mal um ein bis zwei Tage schwanken.

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