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Klimawandel: Erderwärmung befeuchtet Sahelzone, trocknet Südafrika aus

Das einstige Synonym für Dürre und Hungerkatastrophen – die Sahelzone zwischen der Sahara im Norden und den Regenwäldern und Feuchtsavannen im Süden – könnte zukünftig wesentlich feuchter und grüner sein als in den letzten Jahrzehnten. Dagegen stehen dem Süden Afrikas weitere schwere Dürren bevor.

Dies zeigt eine neue Analyse von sechzig Computersimulationen aus fünf verschiedenen Klimamodellen eines Wissenschaftlerteams um James Hurrell vom staatlichen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA. Danach besteht eine enge Verbindung zwischen der seit 1950 beobachteten Erwärmung des Indischen Ozeans um etwa ein Grad Celsius und den Dürreperioden im südlichen Afrika. Dagegen hängen Trockenheit oder Feuchte in der Sahelzone nicht, wie vormals gedacht, mit dem Indischen, sondern mit dem Atlantischen Ozean zusammen: Liegen die Temperaturen im Nordatlantik unter dem langjährigen Durchschnitt, folgt Dürre im Sahel. Erwärmt sich dagegen das Meer, so kann die Region stärkere Monsunregen erwarten.

Die wiederholten Dürren in Südafrika, Angola, Simbabwe und Mosambik entstehen durch absinkende, trockene Luftmassen über dem südlichen Teil des Kontinents. Sie wirken als Ausgleich zu den aufsteigenden feuchten Luftmassen über dem Indik, die über dem offenen Meer zu Schauern und Gewittern führen – die Wahrscheinlichkeit für diese großräumigen Wetterlagen steigt dabei mit der zunehmenden Aufheizung des Indischen Ozeans. Die Wissenschaftler prognostizieren daher für das Jahr 2049 auch eine Verringerung der Niederschläge im südlichen Afrika um bis zu zwanzig Prozent.

Umgekehrt ist dagegen die Situation im Sahel: Die Niederschläge dort hängen von der Temperaturverteilung im Atlantik zusammen. Ist sein südlicher Teil wärmer als der nördliche, werden auch die Monsunwinde weiter nach Süden verlagert, und sie erreichen dann nur abgeschwächt den Nordwesten Afrikas. Dies galt etwa für die klimatische Situation in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit ihren langen Dürreperioden, wobei die Forscher die damalige Abkühlung des Nordatlantiks als natürlichen Zyklus betrachten, der den Treibhauseffekt zeitweilig maskiert hat.

Seit etwa 1980 kehrt sich dieser Trend um, und der Nordatlantik erwärmt sich wesentlich stärker und schneller als sein südliches Gegenstück, was der Sahelzone mittlerweile auch schon wieder mehr Regen bringt. Setzt sich diese Entwicklung bis 2049 fort, dann würden die Niederschläge im Sahel nach den Berechnungen um bis zu dreißig Prozent stärker ausfallen als in der Messperiode von 1950 bis 1999.

Hurrell führt vor allem die massive Aufheizung des Indischen Ozeans auf den Klimawandel zurück, da sie jetzt schon ein Ausmaß erreicht, das natürliche Gründe allein ausschließt. Die natürliche Wechselhaftigkeit des Atlantiks erschwert dort seiner Meinung nach dagegen derartige Prognosen.
25.05.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25.05.2005

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