Erdumgebung: NASA-Satellit beobachtet die Geokorona

Eine ungewöhnliche Ansicht unseres Planeten mitsamt Mond bietet das Carruthers Geocorona Observatory der NASA, das am 8. Januar 2026 an seinem endgültigen Einsatzort am Lagrange-Punkt L1 angekommen ist. Dieser befindet sich etwa anderthalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt in Richtung zur Sonne. Von dort kann die Sonde unseren Heimatplaneten mitsamt dem Mond als vollständig beleuchtete Scheiben erfassen. Im fernen Ultravioletten erscheinen beide Himmelskörper als scharf definierte Scheiben, da sie im reflektierten Sonnenlicht leuchten.
Völlig anders sieht es dagegen aus, wenn man beide Himmelskörper im Bereich der Lyman-Alpha-Strahlung bei einer Wellenlänge von 121,6 Nanometern beobachtet. Während der Mond unverändert erscheint, verändert sich der Anblick der Erde ganz beträchtlich. Sie erscheint diffus und ist von einer ausgedehnten Gaswolke umgeben. Diese sogenannte Geokorona besteht überwiegend aus ionisiertem Wasserstoff, der sich allmählich in den interplanetaren Raum verflüchtigt. Die irdische Schwerkraft reicht nicht aus, um das leichte Gas mit seinem geringen Atomgewicht dauerhaft an den Planeten zu binden. Rund drei Kilogramm Wasserstoff entweichen so pro Sekunde auf Nimmerwiedersehen ins All. Dasselbe gilt für Helium, von dem die Erde rund 50 Gramm pro Sekunde verliert.
Die ersten Bilder der Geokorona wurden im Jahr 1972 von den Astronauten der Mission Apollo 16 aufgenommen. Sie platzierten ein Weitwinkelteleskop mit Ultraviolett-Farbfilm auf der Mondoberfläche. Nach einer ganzen Reihe von Aufnahmen entnahmen die Astronauten die Filmkassette, deren Inhalt nach der Rückkehr zur Erde entwickelt wurde. Zur Überraschung des Wissenschaftlers George R. Carruthers (1939–2020) konnte mit dem Teleskop nicht die gesamte Geokorona überblickt werden – sie war viel größer als von ihm angenommen. Das neue Weltraumteleskop wurde zu seinen Ehren nach ihm benannt.
Die hier gezeigten Bilder entstanden etwa zwei Monate nach dem Start am 24. September 2025, als sich das Teleskop noch auf seinem Weg zum Lagrange-Punkt L1 befand. Daher erscheinen Erde und Mond nicht als kreisrunde Scheiben, sondern zeigen eine ausgeprägte Lichtphase.
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