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News: Erfolgreiche Zusammenarbeit

So mancher Vogel musste schon die bittere Erfahrung machen: Der vermeintliche Leckerbissen erweist sich als ungenießbar. Viele Schmetterlinge schmecken einfach scheußlich - und sie teilen das ihrer Umwelt durch eine kräftige Warnfarbe mit. Der deutsche Naturforscher Fritz Müller vermutete bereits im 19. Jahrhundert, dass zwei Arten voneinander profitieren können, wenn sie sich die gleiche Warnfarbe teilen, konnte dies aber experimentell nicht nachweisen. Dieser Nachweis der Müller'schen Mimikry wurde jetzt nachgeholt.
Im Jahr 1862 entdeckte Henry Walter Bates ein Phänomen, das sich zu einer wesentlichen Stütze der Evolutionstheorie von Charles Darwin entwickeln sollte: Er beschrieb Schmetterlingsarten, welche die Warnfarbe von ungenießbaren oder giftigen Arten nachahmen und dadurch von Vögeln verschont werden, obwohl sie durchaus essbar sind. Offensichtlich fördert der Selektionsdruck den Betrug. Heute sind zahlreiche Beispiele dieser Bates'schen Mimikry bekannt.

In der Natur gibt es jedoch nicht nur Betrug, sondern auch Kooperation. 1879 vermutete Fritz Müller, dass auch eine gegenseitige Mimikry unter ungenießbaren Arten vorkommen kann. Bei der Müller'schen Mimikry gibt es kein Modell-Nachahmer-Paar, sondern verschiedene ungenießbare Arten besitzen eine gemeinsame Warntracht. Die potenziellen Räuber müssen erst lernen, welche Warnfarben sie meiden sollten. Durch die gemeinsame Warntracht teilen sich die Mimikry-Arten dieses "Lehrgeld" und profitieren daher gegenseitig voneinander.

Der experimentelle Beleg dieser Theorie blieb jedoch für 122 Jahre aus. Durrell Kapan von der University of British Columbia in Vancouver und der University of Texas in Austin holte den fehlenden Nachweis jetzt nach. Der südamerikanische Schmetterling Heliconius cydno aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) existiert in zwei Farbvarianten: weiß und gelb. Kapan fing die Schmetterlinge ein und ließ sie an Orten wieder frei, in denen jeweils eine ähnlich gefärbte verwandte Art lebte: entweder der weiße Heliconius sapho oder der gelbe Heliconius eleuchia. Durch die Wiederfangrate konnte er die Überlebensfähigkeit der ausgesetzten Tiere abschätzen.

Wie von Müller vorausgesagt, überlebten die Schmetterlinge am besten, wenn sie ihr Areal mit gleich gefärbten Verwandten teilten. Gelben H. cydno im Gebiet der weißen H. sapho ging es dagegen deutlich schlechter: Sie wurden von Vögeln häufig verspeist. Das gleiche Schicksal ereilte weiße H. cydno im Lebensraum der gelben H. eleuchia (Nature vom 18. Dezember 2001).

Durch die verschiedenen Farbvarianten kann H. cydno offensichtlich von einer im gleichen Gebiet lebenden Schmetterlingsart, die von Räubern verschmäht wird, profitieren. Zu beiderseitigem Nutzen – denn auch der Mimikrypartner wird seltener das Opfer eines hungrigen Vogels, wenn dieser mit einem ähnlich gefärbten H. cydno schlechte Erfahrung gesammelt hat. "Dieses Phänomen", so Kapan, "könnte besonders wichtig sein – nicht nur für die Entstehung und Erhaltung neuer Warnfarben, sondern auch für die adaptive Radiation neuer mimetischer Arten."

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