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Erforschung des Sonnensystems: Eine neue Phase der Merkurerkundung

Der große metallische Kern von Merkur, seine an flüchtigen Stoffen reiche Oberfläche und die extremen Bedingungen im Weltraum machen den innersten Planeten zu einem wichtigen Referenzpunkt, um die Entstehung und die Entwicklung terrestrischer Planeten besser zu verstehen. Mit dem Eintritt der europäischen Mission BepiColombo in eine Umlaufbahn im November 2026 beginnt eine bahnbrechende Erkundungsphase.
BepiColombo
Die europäische Mission BepiColombo besteht aus zwei Teilsonden, die in unterschiedliche Bahnen um den sonnennächsten Planeten einschwenken werden, und soll im November 2026 Merkur erreichen. Oben ist der europäische Mercury Planetary Orbiter (MPO) zu sehen, unten der japanische Magnetfeldorbiter Mio (Illustration).

Bereits Anfang der 1970er-Jahre lieferten Beobachtungen von der Erde aus bemerkenswert genaue Erkenntnisse über die physikalischen und dynamischen Eigenschaften von Merkur. Dabei war die eigentümliche 3:2-Resonanz zwischen Rotationsdauer und Umlaufperiode besonders bemerkenswert, denn Merkur rotiert dreimal um seine Achse, während er zweimal die Sonne umrundet. Erst die Weltraumforschung veränderte jedoch unseren Eindruck von diesem Planeten grundlegend.

Die NASA-Raumsonde Mariner 10, die in den Jahren 1974 und 1975 dreimal dicht an Merkur vorbeiflog, lieferte die ersten Nahaufnahmen des Planeten. Fast die Hälfte der Oberfläche konnte kartiert werden. Dabei wurde eine stark kraterübersäte Welt mit Gebirgskämmen und glatten Ebenen sichtbar. Mariner 10 wies ein schwaches inneres Magnetfeld nach, und Schwerefeldmessungen untermauerten die Theorie eines Planeten, der von einem großen metallischen Kern dominiert wird. Spätere Radarmessungen der Merkurrotation von der Erde aus zeigten, dass dieser große Kern zumindest teilweise geschmolzen ist, was die Vorstellung untermauerte, dass das Magnetfeld des Planeten von einem internen Dynamo stammt (siehe »Das Innere von Merkur«).

Das Innere von Merkur |

Die Illustration verdeutlicht die innere Struktur des Planeten, die von einem eisenreichen Kern dominiert wird, bestehend aus einem festen inneren Teil und einer geschmolzenen äußeren Hülle. Die Konvektion im äußeren flüssigen Kernbereich erzeugt ein schwaches Magnetfeld, das durch eine noch ungeklärte Verschiebung des magnetischen Äquators entlang der Drehachse nach Norden um etwa 20 Prozent des Planetenradius gekennzeichnet ist. Die Wechselwirkung zwischen dem Magnetfeld und dem intensiven Sonnenwind erzeugt eine kleine, aber außergewöhnlich aktive Magnetosphäre, welche die Verwitterung an der Oberfläche beeinflusst. Zudem wirkt sie auf die Zusammensetzung sowie die Dynamik der dünnen Exosphäre des Merkur ein, wo Natriumatome ausgestoßen werden und einen zeitlich variablen Schweif bilden.

MESSENGER setzt die Arbeit fort

Die NASA-Mission MESSENGER – die Abkürzung steht für MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry, and Ranging – markierte den zweiten grundlegenden Schritt in der Merkurerkundung durch Raumsonden. Sie war die erste Sonde, die den Planeten umrundete. In den Jahren 2011 bis 2015 wurden mithilfe von MESSENGER umfassende Daten über Merkur gesammelt; damit konnte der Grundstein für mehr als ein Jahrzehnt detaillierter Forschung gelegt werden.

Trotz der Sonnennähe von Merkur enthüllten die geochemischen Beobachtungen mit MESSENGER eine Oberfläche, die reich an flüchtigen Stoffen wie Schwefel, Chlor, Natrium und Kalium ist. Dabei deuten die geringen Mengen von Eisen und Sauerstoff darauf hin, dass sich der Planet unter stark reduzierenden Bedingungen gebildet hat. Neutronenspektrometrie und Laserhöhenvermessung bestätigten frühere, von der Erde aus durchgeführte Radarmessungen, die auf Wassereisvorkommen in den permanent im Schatten liegenden Regionen des Merkur an den Polen hindeuteten. Sie befinden sich entweder an der Oberfläche oder unter Material, das reich an organischen Stoffen ist. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Bausteine für Leben im Sonnensystem möglicherweise weiter verbreitet sind als bislang angenommen.

Messdaten aus Spektrometrie, Bildern und Höhenmessung zeigten zudem, dass die geologische Geschichte von Merkur stark durch Vulkanismus, Tektonik und die Bildung von Einschlagkratern geprägt war (siehe »Die Oberfläche von Merkur«). Weite, glatte Ebenen, die ein Drittel der Oberfläche bedecken, entstanden durch flutartige Ausbrüche von Lava, während noch ältere Ebenen zwischen den Kratern wohl ebenfalls vulkanischen Ursprungs sind. Dieser weitverbreitete Vulkanismus fand trotz einer erheblichen globalen Kontraktion durch Überschiebungsbrüche statt, da durch Einschläge verursachte Risse in der Kruste wahrscheinlich Wege für den Magmenaufstieg bildeten. Trotz seines stark verkraterten Erscheinungsbilds deutet die im Vergleich zum Mond geringere Kraterdichte des Merkur auf eine vergleichsweise junge Kruste hin (siehe »Der Einschlagkrater Vivaldi«). Dabei ist älteres Gelände durch vulkanische Überdeckung und intensives frühes Bombardement durch Asteroiden und Kometen bedeckt. Hochauflösende Bilder enthüllten zudem Mulden und unregelmäßige Vertiefungen, die als Überreste von Sublimation oder Weltraumverwitterung interpretiert werden. Sie weisen auf Prozesse hin, welche die Merkuroberfläche bis heute kontinuierlich verändern.

Die Oberfläche von Merkur |

Aus den Bilddaten der NASA-Raumsonde MESSENGER wurde diese globale Karte der Merkuroberfläche erstellt. Sie ist in Falschfarben wiedergegeben, um Unterschiede in der Oberflächenzusammensetzung und Mineralogie hervorzuheben. Am äußersten rechten Bildrand lässt sich das Einschlagbecken Caloris erkennen, die einzige große Impaktstruktur auf Merkur. Ansonsten ist der Planet von einer Vielzahl kleinerer Krater bedeckt, sodass er an den Erdmond erinnert.

Magnetometermessungen zeigten außerdem, dass das dipolare und achsensymmetrische Magnetfeld des Merkur zwar eng der Rotationsachse folgt, jedoch eine ungeklärte Verschiebung seines Äquators nach Norden aufweist. Die kleine Merkurmagnetosphäre reagiert innerhalb von Minuten dynamisch auf die sich ändernden Eigenschaften des Sonnenwinds.

Die Beobachtungen mit MESSENGER veränderten unser Verständnis des Merkur grundlegend und offenbarten einen unerwartet komplexen Planeten, der durch eine an flüchtigen Stoffen reiche Chemie, geologische Prozesse und Wechselwirkungen mit der nahen Weltraumumgebung geprägt ist. Diese Entdeckungen warfen jedoch auch neue grundlegende Fragen über den Ursprung, die Entwicklung und den gegenwärtigen Zustand des sonnennächsten Planeten auf.

Die nächste Erkundungsphase

Die europäisch-japanische Mission BepiColombo, die im November 2026 in eine Umlaufbahn um Merkur eintreten soll, ist der nächste große Schritt bei der Erforschung des Planeten. Aufbauend auf den Erkenntnissen von MESSENGER werden mit zwei Raumfahrzeugen und einer fortschrittlichen Instrumentierung beispiellose Einblicke in das Innere, die Oberfläche und die dynamische Umgebung des Merkur gelingen. Die derzeitige Forschung konzentriert sich in erster Linie auf die Vorbereitung der Ankunft von BepiColombo. Somit stehen die Klärung offener Fragen und die Entwicklung von Methoden zur Maximierung des wissenschaftlichen Ertrags der Mission im Vordergrund.

Der Einschlagkrater Vivaldi |

Bevor die europäische Merkursonde BepiColombo in eine Umlaufbahn um Merkur eintreten wird, nutzte sie dessen Schwerefeld bereits sechsmal für Bahnkorrektur- und Abbremsmanöver. Während ihres vierten Vorbeiflugs am 4. September 2024 nahm die Sonde dieses Bild des Einschlagkraters Vivaldi auf. Der Krater hat einen Durchmesser von 210 Kilometern und wurde aus einer Entfernung von nur 355 Kilometern aufgenommen. Deutlich lässt sich die Doppelringstruktur von Vivaldi erkennen; der innere Ring hat etwa den halben Durchmesser des Kraters. Alle Krater auf Merkur werden nach Beschluss der Internationalen Astronomischen Union (IAU) nach Komponisten und Künstlern benannt.

Zu den wichtigsten Zielen von BepiColombo gehört die genaue Charakterisierung des Merkurkerns im Hinblick auf Zustand, Größe und Zusammensetzung. In Ermangelung seismischer Daten wird das Innenleben eines Himmelskörpers in erster Linie aus geodätischen Beobachtungen abgeleitet, insbesondere aus Masse, Radius und Trägheitsmomenten, die sich aus Messungen des Gravitationsfelds und des Rotationszustands ergeben. Zusätzliche Details liefern Messungen der Gezeitenverformung, da das Verhalten des Planeten von seiner Dichte, seiner Steifigkeit und der Viskosität des Materials im Inneren abhängt. Die Abschätzungen beziehen auch Annahmen zur Zusammensetzung aus der Oberflächengeochemie ein, und zwar über Zustandsgleichungen, welche die Eigenschaften des Inneren beschreiben.

Aktuelle Modelle deuten darauf hin, dass der Merkurkern etwa 80 Prozent des Planetenradius einnimmt und überwiegend aus metallischem Eisen besteht, das mit leichten Elementen wie Silizium und Schwefel legiert ist. Das tiefste Innere besteht wahrscheinlich aus einem festen inneren Kern, der von einer flüssigen äußeren Hülle umgeben ist. Bei diesen Annahmen bestehen erhebliche Unsicherheiten, speziell hinsichtlich des Radius des inneren Kerns. Jüngste Analysen deuten zudem auf Diskrepanzen bei den abgeleiteten Trägheitsmomenten und dem Gezeitenverhalten hin. Daraus lassen sich unterschiedliche Modelle des Planeteninneren ableiten, beispielsweise solche, die mit den durch die Existenz eines Dynamos auferlegten Einschränkungen oder mit geochemischen Erwartungen an die Mantelzusammensetzung nicht zusammenpassen. Darüber hinaus liefern gravitations- und altimetriebasierte Messungen des Rotationszustands des Merkur inkonsistente Ergebnisse, was möglicherweise auf eine Fehlausrichtung zwischen der Ausrichtung des Gravitationsfelds und der äußeren festen Schichten hindeutet.

Die Kombination der Daten aus Radiomessungen, Altimetrie und Magnetometrie von BepiColombo ist entscheidend, um diese Diskrepanzen zu klären und so das Merkurinnere genauer zu bestimmen. Daraus ergeben sich Erkenntnisse über die thermische Entwicklung des Planeten, die Entstehung seines Magnetfelds und die geologische Geschichte seiner Oberfläche. Vielleicht lässt sich dann auch klären, wie es zu der eigentümlichen 3:2-Rotations-Orbit-Resonanz kam.

Die Zusammensetzung der Merkurkruste

BepiColombo wird die Oberflächenzusammensetzung mit einer höheren spektralen Auflösung als MESSENGER erfassen und so die Chemie und die Mineralogie der Merkurkruste genauer bestimmen. Röntgen-, Gamma- und Neutronenspektrometer verfeinern die Messungen der Elementhäufigkeiten. Zudem wird mithilfe der Bildspektrometrie im visuellen und nahen Infrarot sowie der Radiometrie und der thermischen Infrarotspektrometrie die Verteilung von Mineralen in der Merkurkruste, darunter Silikatminerale wie Pyroxene, Olivine und Feldspäte, im Detail kartiert.

Diese Beobachtungen sind unerlässlich, um die Natur und Rolle flüchtiger Stoffe in den Prozessen zu klären, welche die Merkuroberfläche prägen. Zu diesen Prozessen zählen explosiver Vulkanismus, Tektonik, Mulden und polare Ablagerungen in permanent im Schatten liegenden Regionen. Es gibt morphologische und spektrale Hinweise auf explosiven Vulkanismus. Sie stammen von hellen Materialien, die mit pyroklastischen Ablagerungen und umgebenden Vulkanschloten in Verbindung stehen. Als Kandidaten gelten Sulfide und flüchtige Chloride.

Möglicher Gasüberdruck in flachwinkligen Verwerfungen und tektonisch bedingte vulkanische Prozesse deuten zudem darauf hin, dass die flüchtigen Stoffe auch das tektonische Verhalten beeinflussen könnten. Es wird vermutet, dass die Vertiefungen durch den Verlust flüchtiger Stoffe aus der oberflächennahen Kruste oder aus etwas tieferen Schichten mit hohen Gehalten an flüchtigen Stoffen entstehen – ein Prozess, der wahrscheinlich auch heute noch aktiv ist und durch Einschläge oder vulkanische und tektonische Aktivität weiter geprägt wird (siehe »Sublimationseffekte auf Merkur«).

Sublimationseffekte auf Merkur |

Eine der wichtigsten Entdeckungen der Mission MESSENGER sind diese seltsamen Gruben auf der Merkuroberfläche, die durch die Verdampfung flüchtiger Stoffe im Gestein infolge der enormen Sonneneinstrahlung auf dem innersten Planeten entstehen. Mit der Raumsonde BepiColombo sollen diese Vorgänge im Detail untersucht werden.

Es bleibt jedoch unklar, ob die mit pyroklastischen Ablagerungen assoziierten Stoffe zur Hohlraumbildung beitragen und wie die beiden Prozesse miteinander verbunden sind. Auch Graphit oder andere kohlenstoffhaltige Spezies wurden in diesem Zusammenhang als potenzielle Ursachen vorgeschlagen. Als mögliche Quellen für polares Wassereis gelten unter anderem der Transport durch Kometen oder Asteroiden, vulkanische Entgasung und die Implantation durch den Sonnenwind (siehe »Mögliche Eisablagerungen am Merkurnordpol«).

Durch hochauflösende Bilder zusammen mit spektroskopischen und thermischen Infrarotbeobachtungen wird BepiColombo die Oberflächenmineralogie des Merkur, die Verteilung von Sulfidarten und das Inventar flüchtiger Stoffe weiter verfeinern. So lassen sich die Modelle zur Entwicklung von Kruste und Mantel, zur geologischen Geschichte der flüchtigen Stoffe und zur Beschaffenheit der polaren Ablagerungen auf Merkur präzisieren.

Externe Beeinflussung der Merkurmagnetosphäre und Exosphäre

Unmittelbar über der Merkuroberfläche befindet sich eine dynamische Umgebung, die durch extreme Wechselwirkungen zwischen dem Magnetfeld des Planeten, dem Sonnenwind und den von der Oberfläche freigesetzten Partikeln geprägt ist.

Das Zusammenspiel zwischen dem schwachen inneren Merkurmagnetfeld und dem intensiven Sonnenwind in Sonnennähe erzeugt eine kleine, aber außergewöhnlich aktive Magnetosphäre. In-situ-Messungen zeigten, dass die Grenze der Magnetosphäre bemerkenswert nahe an der Planetenoberfläche liegen kann, wenn starke Sonnenwinde das Magnetfeld zusammendrücken und so die Oberfläche möglicherweise dem direkten Beschuss durch dessen Partikel aussetzen.

Das Fehlen einer Ionosphäre zwingt die elektrischen Ströme dazu, durch das elektrisch leitfähige Innere des Planeten zu fließen, was dazu führt, dass sich das Magnetfeld vorübergehend verstärkt und die Oberfläche besser abgeschirmt wird. Um die Einschränkungen der bisherigen Daten von MESSENGER zu überwinden, ermöglicht die Mission BepiColombo mit zwei Raumsonden gleichzeitige Beobachtungen von verschiedenen Orten aus. So kann ermittelt werden, welcher dieser beiden konkurrierenden Prozesse dominiert.

Die hochdynamische Magnetosphäre des Merkur wirkt sich auch auf die dünne Exosphäre aus, die durch den Ausstoß von Teilchen aus der Oberfläche aufgrund externer Prozesse entsteht, etwa beim Auftreffen des Sonnenwinds, beim Beschuss durch Sonnenphotonen und bei Einschlägen von Mikrometeoriten. Spektroskopische Untersuchungen von Mariner 10 und MESSENGER sowie von der Erde aus offenbarten eine dynamische Exosphäre, die durch einen zeitlich variablen Natriumschweif gekennzeichnet ist. Die Sonden lieferten auch Hinweise auf die Oberflächenzusammensetzung und das Verhalten flüchtiger Stoffe unter extremen Einflüssen.

Mögliche Eisablagerungen am Merkurnordpol |

Mittels Radarbeobachtungen von der Erde aus gelang es, in Kratern nahe den Polen des sonnennächsten Planeten mögliche Ablagerungen von Wassereis nachzuweisen. Diese befinden sich in Kratern, in die nie ein Sonnenstrahl hineinfällt, da die Rotationsachse des Merkurs annähernd senkrecht auf seiner Umlaufbahn steht. Die gelben Flecken sind die Radardaten, die mit dem heute verfallenen 300-Meter-Radioteleskop von Arecibo aufgenommen wurden. Das Schwarz-Weiß-Bild im Hintergrund wurde aus Bilddaten der NASA-Raumsonde MESSENGER erstellt.

Die umfassende Instrumentenausstattung von BepiColombo wird dazu beitragen, die Lücken in der Erfassung und die Mängel bei der Instrumentierung für bestimmte Partikelspezies zu schließen und so unser Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Gas und Oberfläche sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklung der Exosphäre zu verbessern.

Das nahe Umfeld von Merkur bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Wechselwirkung der Sonne mit dem Planeten zu untersuchen. Daraus ergeben sich Einblicke in die Dynamik der Magnetosphäre und den Verlust flüchtiger Stoffe. Des Weiteren sind Rückschlüsse auf die Oberflächenverwitterung anderer luftleerer Körper im Sonnensystem möglich, was sich auch auf Exoplaneten in der Nähe ihrer Zentralgestirne übertragen lässt.

Die weiteren Perspektiven

Mit wachsendem Wissen über Merkur lassen sich sein Inneres, seine Oberfläche und seine nahe Weltraumumgebung zunehmend als eng miteinander verbundenes System erkennen, in dem Beobachtungen in einem Bereich entscheidende Einblicke in die anderen Bereiche liefern. Die Oberflächengeochemie spielt eine zentrale Rolle bei der Ermittlung der Zusammensetzung, Entstehung und Entwicklung des Inneren, während Messungen des schwachen Magnetfelds enge Grenzen für den Eisenkern setzen, der für den Dynamomechanismus verantwortlich ist.

Die Erforschung des Merkurinneren und seiner thermischen Entwicklung ist wiederum von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der tektonischen und vulkanischen Aktivität, welche die Oberfläche umgestaltet hat. Beobachtungen der Exosphäre und Magnetosphäre zeigen, wie extern angeregte Prozesse – beispielsweise das Auftreffen des Sonnenwinds – die Weltraumverwitterung und die Freisetzung flüchtiger Stoffe steuern.

Die genaue Charakterisierung dieser Zusammenhänge erfordert ein intensives Zusammenwirken zwischen den wissenschaftlichen Instrumenten und den innovativen analytischen Rahmenwerken, mit denen sich die gewonnenen Datensätze zusammenführen lassen. BepiColombo ermöglicht dies mit zwei Raumsonden gleichzeitig und einer komplementären Nutzlast, die für diese anspruchsvollen interdisziplinären Untersuchungen konzipiert wurde.

BepiColombo wird ein wichtiger Meilenstein in der Merkurforschung werden, doch die Mission wird nicht deren Endpunkt sein. Die seit Langem bestehenden Rätsel zur mineralogischen Beschaffenheit der flüchtigen Stoffe auf der Merkuroberfläche, die Art und Weise, wie sich sein Magnetfeld und die Magnetisierung der alten Kruste an der Oberfläche manifestieren, sowie der Materieaustausch zwischen Oberfläche und Exosphäre erfordern weitere In-situ-Messungen, um lokale Rahmenbedingungen zu liefern und orbitale Datensätze zu bestätigen. Diese offenen Fragen und die neuen, die BepiColombo unweigerlich in den Fokus rücken wird, werden die nächste Generation von Merkurmissionen prägen.

Die Entschlüsselung der Rätsel des Merkur hat außerdem Auswirkungen, die weit über den Planeten selbst hinausreichen: Sein großer metallischer Kern, seine luftleere Oberfläche, die gut erhaltenen Krater, die extremen Temperaturen und die Exposition gegenüber dem Sonnenwind machen Merkur zu einem zentralen Untersuchungsobjekt unter den terrestrischen Planeten. Die sonnennächste Welt wird so zu einem natürlichen Labor für vergleichende Planetologie im gesamten Sonnensystem und unter den nahen Exoplaneten. Die Klärung der Frage, ob der aktuelle Zustand von Merkur deterministische Prozesse oder stochastische Ereignisse widerspiegelt, wird Aufschluss darüber geben, wie häufig erdähnliche Welten tatsächlich sind. Somit stellt sie die Geschichte der Erde in einen Kontext und ermöglicht es, die Faktoren zu bewerten, die begünstigen oder verhindern, dass sich lebensfreundliche Bedingungen auf anderen Welten entwickeln und aufrechterhalten werden.

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  • Quellen

Anderson, B. et al., Science 10.1126/science.1211001, 2011

Blewett, D. et al., Science 10.1126/science.1211681, 2011

Del Vecchio, E. et al., Nature Communications 10.1038/s41467–026–72074–8, 2026

Slade, M. A. et al., Science 10.1126/science.258.5082.635, 1992

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