Große Ernährungsstudie: Demenzprävention gehört auf den Teller

Dass gesunde Ernährung positiv aufs Gehirn wirkt und sogar Demenz vorbeugen könnte, vermuten Fachleute schon seit einigen Jahren. Aber was bedeutet eigentlich: »gesund essen«? Den Antworten ist ein internationales Forschungsteam nach der Analyse der Daten von rund 160 000 Frauen und Männern jetzt ein Stück nähergekommen. In drei Langzeiterhebungen in den USA hatte man über viele Jahre hinweg wiederholt die Essgewohnheiten sowie die geistige Leistungsfähigkeit der Teilnehmer erfasst.
Den individuellen Ernährungsstil hatten die Wissenschaftler alle vier Jahre auf sechs verschiedenen Skalen bewertet. Diese messen, wie gut die Essgewohnheiten bestimmten Empfehlungen entsprechen, etwa wenn die Ziele lauten, den Blutzucker zu regulieren, Entzündungen zu hemmen oder den Blutdruck zu senken. Die Schnittmenge der jeweiligen Diätformen ist allerdings groß: Gemüse und Vollkorn stehen bei allen hoch im Kurs, rotes Fleisch bei keiner.
DASH zur Demenzprävention
Tatsächlich ergab sich für alle propagierten Ernährungsweisen ein günstiger Zusammenhang mit bleibender kognitiver Fitness. Positiv stach die sogenannte DASH-Ernährung (Dietary Approaches to Stop Hypertension) hervor. Die Diät wurde ursprünglich zur Senkung von Blutdruck und Cholesterin entwickelt. Sie setzt auf viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse und fettarme Milchprodukte – sowie wenig Salz, Zucker, rotes Fleisch und gesättigte Fette. Personen, die insbesondere im Alter von 45 bis 54 Jahren auf den Skalen dieser Ernährungsempfehlung hoch punkteten, litten in älteren Jahren auch nach eigenem Empfinden seltener an kognitiven Einbußen. Damit ist DASH den anderen fünf Diätformen nicht automatisch überlegen – wenn es etwa um gesundes Altern allgemein geht, scheint eine andere die Nase vorn zu haben.
Einmal mehr bestätigte die Auswertung das Gesundheitsrisiko durch zu viel rotes und verarbeitetes Fleisch, Pommes und zuckerhaltige Getränke. Alle drei Lebensmittelgruppen waren mit einer schlechteren kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert. Bei Krebs und vielen anderen Erkrankungen werden die negativen Effekte von hohem Zuckerkonsum schon länger beklagt. Deshalb haben in Deutschland mehr als 40 Gesundheitsverbände die Politik in einem offenen Brief (erfolglos) dazu aufgerufen, einer »Limo-Steuer« zuzustimmen.
Die Tücken von Ernährungsstudien
Kritiker betonen die begrenzte Aussagekraft von Ernährungsstudien, die wie in diesem Fall zwar statistische Zusammenhänge, aber keine ursächliche Wirkung nachweisen können. Die neue Analyse basiert auf den Daten von rund 132 000 Krankenschwestern und 52 000 Männern aus Gesundheitsberufen. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, dafür sind die Teilnehmenden untereinander besser vergleichbar.
Natürlich drängt sich die Frage auf, ob jene, die sich gesünder ernähren, nicht aus irgendeinem Grund auch wohlhabender sind, mehr Sport treiben oder insgesamt gesünder leben. Die Teilnehmer hatten alle zwei Jahre Fragen zu ihrem sozioökonomischen Status, dem sonstigen Lebensstil, ihren Erkrankungen und weiteren gesundheitsrelevanten Faktoren beantwortet. Solche Einflüsse wurden in den Berechnungen berücksichtigt – nicht perfekt, aber bestmöglich.
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