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News: Ernüchternde Ergebnisse

Auch ein Negativ-Ergebnis ist ein Ergebnis, so frustrierend es für Wissenschaftler sein mag. Diese Erfahrung machten nun auch die Leiter einer groß angelegten Studie im Kampf gegen die Huntington-Krankheit: Nach dreijähriger Studiendauer kann weder für das getestete Medikament Remacemid noch für das Coenzym Q10 eine Empfehlung ausgesprochen werden, auch wenn die Einnahme des Coenzyms zumindest eine tendenzielle Verbesserung der Symptome zeigt.
Die Huntington-Krankheit ist eine degenerative Erkrankung und führt durch den unwiderruflichen Abbau vitaler Gehirnzellen bereits im frühen bis mittleren Erwachsenenalter zu den ersten Symptomen wie unkontrollierten Bewegungen, Koordinationsproblemen und motorischen und kognitiven Schwierigkeiten. Die fortschreitende Erkrankung führt durchschnittlich 15 bis 20 Jahre nach der Diagnose zum Tode. Auslöser ist eine dominant vererbbare Punktmutation auf Chromosom 4 – identifiziert erstmals im Jahre 1993.

Vor drei Jahren startete die bislang größte Studie zu möglichen Therapieformen gegen die Erkrankung, die Coenzyme Q10 and Remacemide Evaluation in Huntington's Disease oder abgekürzt CARE-HD. Insgesamt nahmen 347 Patienten im Anfangsstadium der Krankheit aus 23 verschiedenen Regionen Amerikas und Kanadas an der Studie teil. Getestet wurde einerseits ein neues Medikament, das den Neurotransmitter Glutamat – einen Botenstoff im Gehirn – hemmen sollte, und andererseits das vitaminähnliche Coenzym Q10, das als Elektronenüberträger in der Atmungskette vorkommt und außerdem schädliche freie Radikale im Körper abfängt.

Die Probanden unterteilten sich in vier Gruppen: Während die ersten das neue Medikament einnahmen, bekam das zweite Viertel eine tägliche Dosierung von 600 Milligramm Coenzym Q10, die dritten eine Kombination beider Mittel und das letzte Viertel ein Placebo. Je nach Zustand bekamen die Probanden keinen bis 13 mögliche Punkte auf der funktionalen Kapazitätsskala.

Die Ergebnisse waren wenig erfreulich. Der Zustand der mit Remacemid behandelten Patienten verschlechterte sich genauso wie bei unbehandelten Patienten um 2,7 Punkte auf der Skala. Einen kleinen positiven Effekt schien das Medikament allerdings auf die unwillkürlichen Bewegungen auszuüben, der statistisch jedoch nicht signifikant war. Verhalten positiv reagierten die Teilnehmer auf Coenzym Q10. So verlangsamte das Präparat im ersten Studienjahr die Verschlechterung um immerhin 13 Prozent.

Doch zu einer Empfehlung lassen sich die Studienleiter durch diese Ergebnisse nicht hinreißen. Neben den bescheidenen Erfolgen geben sie zu bedenken, dass das Coenzym bisher nicht als Medikament, sondern als Nahrungsergänzung über den Ladentisch wandert und damit geringeren Kontrollen unterliegt. Eine gleichbleibende Dosierung ist somit nicht garantiert. Auch müssten die Patienten etwa 20 Tabletten täglich einnehmen, um die in der Studie eingesetzte Dosierung von 600 Milligramm zu erreichen. Und das ginge ins Geld: Mindestens 150 Dollar würde die Eigentherapie in Amerika kosten. Ob dies bei unbescheinigtem Effekt sinnvoll sei, müsse allerdings jeder Betroffene selbst entscheiden. Zumindest schade Coenzym Q10 offensichtlich nicht – außer geringfügigen Magenbeschwerden waren keine Nebenwirkungen aufgetreten.

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