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News: Erst lachen, dann denken

Während dieser Tage Forscher für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen mit dem Nobelpreis geehrt werden, konnten am Donnerstag einige ihrer Kollegen eine Auszeichnung entgegennehmen, die auf den ersten Blick wenig schmeichelhaft erscheint: die Ig-Nobelpreise für Forschung, die nicht wiederholt werden kann oder sollte.
Nun, allzu bierernst darf man Forschung eben nicht nehmen. Das dachte sich wahrscheinlich auch Arnd Leike von der Universität München, als er darüber grübelte, wie man anderen den exponentiellen Zerfall nahe bringen könnte. Mathematisch eher trocken und radioaktiv eher zu heiß kam er auf eine alltägliche Lösung: Bierschaum – auch er gehorcht dem mathematischen Gesetz. Dabei lässt sich sogar eine spezifische Zerfallskonstante je nach Biersorte bestimmen und zur Unterscheidung heranziehen – welch Erleichterung für all jene, die trotz zahlreicher Versuche keinen Unterschied zwischen Kölsch und Alt schmecken. Diese Bereicherung des didaktischen Materials brachte Leike den Ig-Nobelpreis für Physik.

Der lange Probeabend endet mit zahlreichen leeren Gläsern und gegebenfalls auch leeren Taschen. Letzteres Problem lässt sich jedoch leicht lösen, wie uns derzeit einige Firmen, darunter Xerox, WorldCom, Merck oder Maxwell Communication: Sie haben sich einfach das Konzept der imaginären Zahlen aus der Mathematik zu Eigen gemacht. Nun kann sich niemand mehr beschweren, aus nichts oder gar negativen Einnahmen könne man beeindruckende Bilanzen erstellen. Denn dass imaginäre Zahlen gar nicht so imaginär, sondern sehr wohl existent sind, wird Ihnen jeder Mathematiker bestätigen. Der Ig-Nobelpreis für Wirtschaft ging dafür an die jeweiligen Vorstandsetagen.

Vielleicht hatten die Verantwortlichen aber auch einfach Verständnisprobleme während ihrer Studienzeit – hatte doch so ein kurzdenkender Kommilitone das halbe Lehrbuch mit Leuchtmarker verziert! Solche Farbenpracht lenkt aber eindeutig vom Inhalt ab, zumal wenn dadurch Nebensächlichkeiten ins Auge springen, der zentrale Lehrsatz aber untergeht – oder nicht? Eine Frage, der sich Vicki Silvers von der University of Nevada-Reno und David Kreiner von der Central Missouri State University vertieft widmeten. Ihren Beitrag für die Bibliotheksregale würdigt das Komitee mit dem Ig-Nobelpreis für Literatur.

Nicht mit dem Verschwinden, sondern mit dem unerklärlichen Auftauchen von Dingen beschäftigte sich Karl Kruszelnicki von der University of Sydney. Auslöser war die ganz banale Frage, die ein Hörer während eines bekannten Wissenschaftsmagazins an den Forscher stellte: Wo kommen eigentlich die Fussel in meinem Bauchnabel her? Und warum sind sie blau? Sofort leitete Kruszelnicki eine umfassende Untersuchung, für die sich zahlreiche Freiwillige rund um den Bauchnabel rasierten. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Wahrscheinlichkeit für Bauchnabelfussel steigt, wenn man männlich, älteren Jahrgangs, behaart und natürlich mit der richtigen Nabelform dienen kann – nämlich einwärts gerichtet. Hinter diesen Erkenntnissen stecken Fragebögen, Rasierexperimente und eine fundierte statistische Auswertung. Diesem wichtigen Beitrag zu einem verbreiteten alltäglichen Phänomen gebührt der Ig-Nobelpreis für interdisziplinäre Forschung.

Den Blick ein bisschen tiefer richtete Chris McManus vom University College London – bei antiken Statuen. Er machte sich darüber Gedanken, in welcher Form sich die bei Männern zu beobachtende Asymmetrie der Hoden in den Kunstwerken wiederfindet. Diese ausgewogene Arbeit wurde mit dem Ig-Nobelpreis für Medizin belohnt.

Womit wir bei einem beliebten Thema unter Biologen wären: der Fortpflanzung. Wie das bei Bienchen, Menschen und Straußen normalerweise abläuft, ist längst geklärt. Auch welchen Einfluss Rivalen auf das innerartliche Balzverhalten haben, ist gut untersucht. Doch sollte man immer über den Tellerrand schauen: Strauße in Farmen kümmern sich nicht nur um den konkurrierenden Artgenossen – schaut ein menschlicher Zweibeiner zu, bemühen sie sich ebenfalls rührender um die Angebetete. Der Mensch als Rivale? Vielleicht eher ein Problem mit den Augen… Aber auf jeden Fall den Ig-Nobelpreis für Biologie wert, der damit an Norma Bubier vom Durrell Institute of Conservation and Ecology und ihre Kollegen in dieser Studie geht – darunter Charles Paxton von der University of St. Andrews, der sich nebenher auch mit der Auftrittswahrscheinlichkeit von Seemonstern beschäftigt.

Sollten sich Strauß und Mensch tatsächlich einmal näher kommen, dürften allerdings einige Verständigungsschwierigkeiten auftreten. Mit anderen Begleitern haben wir dafür weniger Probleme: Hundehalter verstehen ihre Schützlinge meist aufs Wort (umgekehrt besteht da bekanntlich häufig noch Lernbedarf). Für diejenigen, die ihre Kommunikation mit den Vierbeinern gerade erst starten oder an Dialektproblemen scheitern, haben Keita Sato von Takaro, Matsumi Suzuki vom Japan Acoustic Lab und Norio Kogure vom Kogure Veterinary Hospital nun das entscheidende Hilfsmittel entwickelt: Bow-Lingual, ein Übersetzungscomputer für Hundesprache. Damit Sie sich sicher sein können, dass "Wau" "Zeit für Spaziergang!" bedeutet, während "Wau" für "Her mit der Wurst"steht. Etwa 120 Euro muss man für die gespeicherten 200 Emotionen berappen – neben den Gewinnen tragen die Entwickler nun für ihre Bemühungen zum Verständnis zwischen den Arten auch den Ig-Nobelpreis für Frieden nach Hause.

Zu den Dingen, bei denen häufig Uneinigkeit zwischen Herrchen oder Frauchen und Haustier herrscht, gehört das Wasch- und Pflegeprogramm. Ein Hund, der sich gerade genüsslich im Schlamm gewälzt hat, bringt wenig Verständnis mit für das nasse Handtuch, dass ihn an der Haustür erwartet – oder gar die Dusche mit Shampoo, das in die Augen läuft. Glaubt man den Bildern auf der Homepage von Lavakan de Aste, dann hat Eduardo Segura nun die richtigen Waschanlage für Haustiere erfunden, der Mensch und Tier gleichermaßen erfreut. Eine saubere Sache – der Ig-Nobelpreis für Hygiene geht dafür an ihn.

Für Elefanten allerdings ist das Gerät zu klein – obwohl diese nun wirklich reichlich Oberfläche zum Schrubben bieten würden. Damit Tierpfleger wissen, welche Arbeit sie da regelmäßig leisten, haben sich K.P. Sreekumar und G. Nirmalan von der Kerala Agricultural University die Mühe gemacht, die Quadratmeter Elefantenhaut einmal auszumessen. Ihre theoretische Analyse mit Praxisbezug brachte ihnen den Ig-Nobelpreis für Mathematik.

Als elefantensicher könnte sich auch das Periodensystem von Theo Gray erweisen. Er nahm den Begriff "Tafel" wörtlich – und schuf einen massiven Holztisch, gespickt mit kleinen Fächern, in denen er Proben zahlreicher Elemente aufbewahrt. Zwar gibt es keinen Ig-Nobelpreis für Kunst – was aber läge näher, als ihm den Ig-Nobelpreis für Chemie zu verleihen? Und auch wenn das beeindruckenden Kunstwerk wohl eher als Spieltisch denn als Esstisch dient – ein Glas Bier darf man sicher getrost mit Untersetzer darauf abstellen. Und wenn man alle Kästchen aufgedeckt hat, dürfte der Bierschaum wieder verschwunden sein…

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