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Archäologie: Erste Amerikaner aßen Algen

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Der steinzeitliche Lagerplatz Monte Verde in Südchile zählt zu den frühesten Besiedlungsspuren Amerikas. Sein hohes Alter – es ist allerdings umstritten und liegt wohl zwischen 12500 und 14600 Jahren – wirft die Frage auf, wie die ersten Amerikaner, die nach gängiger Meinung gegen Ende der letzten Eiszeit über die damals trocken gefallene Beringstraße aus Sibirien in den Kontinent einwanderten, so schnell so weit nach Süden vordringen konnten. Eine Theorie besagt, dass sie sich – auch mit Booten – an der Küste entlang bewegten, wo sie kaum auf Hindernisse stießen.

Tom Dillehay von der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee), der 1977 die ersten Ausgrabungen in Monte Verde durchführte, hat nun einen weiteren Beleg für diese These aufgetrieben. Er und seine Mitarbeiter entdeckten in der Fundstätte Überreste verschiedener Makroalgen: neben essbarem Seetang wie Porphyra und Durvillaea antarctica auch Meerespflanzen, die noch heute von der örtlichen Bevölkerung als Heilmittel verwendet werden. In einer Hütte fanden sich zudem zerkaute Überreste vom Beerentang Sargassum und anderen ungenießbaren Arten, die offenbar eine rein medizinische Funktion hatten.

Diese Funde sind umso erstaunlicher, als der Siedlungsplatz etwa 15 Kilometer von einer Inlandsbucht entfernt lag; einige der Pflanzen kamen sogar von der damals mindestens hundert Kilometer entfernten Pazifikküste. Das belegt eine enge Beziehung der Bewohner zum Meer, die sich aus einer jahrhundertelangen Wanderung entlang der Küste erklären würde.

Lars Fischer

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