Direkt zum Inhalt

Elementarteilchen: Erste Antineutrino-Karte der Erde zeigt Kernkraftwerke

Bei der technischen Kernspaltung entstehen viele Antineutrinos - doch der Sinn der Karte ist eigentlich ein ganz anderer.
Antineutrino-Karte von Europa

Eine globale Karte der Kernreaktionen hat ein Team um William McDonough von der University of Maryland veröffentlicht. Anhand der Daten zweier Detektoren in Italien und Japan vermaß die Arbeitsgruppe die bei natürlichen und technischen Kernreaktionen entstehenden Antineutrinos. Diese Elementarteilchen sind etwas leichter zu identifizieren als Neutrinos, weil sie den so genannten inversen Betazerfall auslösen. Mit Daten der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA identifizierte das Forscherteam dabei die menschengemachten Quellen – Kernreaktoren. Zweck der Übung ist allerdings eigentlich ein anderer: Die Reaktordaten sollen von den Gesamtemissionen abgezogen werden, so dass die Karte Aufschlüsse über die Wärmeentstehung im Erdinneren gibt.

Weltkarte der Antineutrino-Emissionen
Antineutrinos weltweit | Die Karte zeigt neben den punktförmigen Kernreaktoren – zu erkennen sind unter anderem Brunsbüttel nahe Hamburg oder Buschehr im Iran – eine Reihe geologischer Eigentümlichkeiten, zum Beispiel Splitter kontinentaler Kruste am Boden des Indischen Ozeans. Island dagegen besteht komplett aus Meeresboden.

Obwohl die menschlichen Kernreaktoren so deutlich zu sehen sind, machen sie nur etwa ein Prozent der gesamten Antineutrinostrahlung der Erde aus. Der Rest kommt aus natürlichen Kernreaktionen in Erdkruste, Mantel und Kern. Die von ihnen freigesetzte Energie spielt vermutlich eine große Rolle für Umwälzströme des Erdinneren und damit für das Erdmagnetfeld ebenso wie für Vulkane und die driftenden Erdplatten. Die Antineutrinos sollen einerseits die umstrittene Frage klären, wie viel Energie insgesamt tatsächlich frei wird. Andererseits aber zeigt schon die erste Karte – neben dem Umstand, dass die kontinentale Kruste mehr radioaktive Elemente enthält als die ozeanische – interessante geologische Strukturen und Regionen stärkerer oder schwächerer Emissionen, die bisher kaum erklärt sind.

Lesermeinung

9 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos