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Kosmologie: Erste Dunkle Galaxie entdeckt?

Wissenschaftler um Robert Minchin von der Universität Cardiff haben offenbar erstmals eine Galaxie entdeckt, die fast ausschließlich aus Dunkler Materie besteht. Außerdem fehlen ihr jegliche Sterne.

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Lovell-Teleskop mit VIRGOHI21-Spektrum | Das Lovell-Teleskop des Jodrell-Bank-Observatoriums entdeckte die Dunkle Galaxie zuerst. Die Graphik zeigt die Messdaten mit dem charakteristischen Wasserstoff-Peak.
Bereits im Jahr 2000 hatten Forscher mit dem Lovell-Teleskop in Cheshire im fünfzig Millionen Lichtjahre entfernten Virgo-Cluster anhand von Radiowellen eine rotierende Wolke von Wasserstoffatomen aufgespürt. Messungen des Arecibo-Teleskops in Puerto Rico bestätigten das VIRGOHI21 genannte Objekt. Aus der Rotationsgeschwindigkeit errechneten die Astronomen, dass die Masse der Wasserstoffatome allerdings maximal ein Tausendstel der Gesamtmasse von VIRGOHI21 ausmachen konnte. Einzig Dunkle Materie könnte die Lücke schließen.

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Umgebung der Dunklen Galaxie | Die Ellipse umrahmt die Umgebung der Dunklen Galaxie. Selbst das Isaac-Newton-Teleskop auf La Palma entdeckte hier nicht den geringsten Lichtpunkt, der auf einen Stern hinweisen würde. Offenbar ist VIRGOHI21 sternenlos und überwiegend aus Dunkler Materie aufgebaut.
Bei bisherigen vermuteten Dunklen Galaxien hatte sich stets bei genauer Überprüfung doch noch ein lichtschwacher Stern gefunden oder aber die Überreste eines Zusammenstoßes zweier Galaxien. Eine normale Galaxie der Größenordnung von VIRGOHI21 wäre jedoch recht hell und sogar mit Amateurteleskopen zu erkennen. Aber selbst mit dem Isaac-Newton-Teleskop auf La Palma fanden die Forscher nicht den geringsten Lichtpunkt und auch keine Hinweise auf eine Kollision mit einem Nachbar – die Galaxie beherbergt offenbar wirklich keinen einzigen Stern.

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Zum Vergleich: NGC 7479 | Die Galaxie NGC 7479 eignet sich gut als Vergleich, welchen Anblick VIRGOHI21 bieten würde, wäre sie eine "normale" Galaxie. Doch ohne Sterne bleibt das Objekt dunkel, und nur die Wasserstoffwolke ist im Radiowellenbereich zu entdecken.
Dunkle Materie verrät sich allein durch ihre Schwerkraft, mit der sie beispielsweise Galaxien zusammenhält, die ohne ihren Einfluss auseinander driften würden. Astronomen schätzen, dass Dunkle Materie im Universum den Anteil der sichtbaren Materie um ein Vielfaches übertrifft, allein in unserer Milchstraße sollen bis zu neunzig Prozent aus diesen mysteriösen Teilchen aufgebaut sein.
25.02.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25.02.2005

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