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Sicher helfen: Wie hilft man einem Bewusstlosen?

Steht der Atem still, bloß nicht zögern! Wer die Herzdruckmassage wagt, rettet sehr wahrscheinlich ein Leben. Wann diese Erste Hilfe nötig und was dabei zu beachten ist, kurz erklärt.
Ein Mann liegt bewusstlos auf der Straße.

Achtung: Dieser Text bietet lediglich einen Überblick über Erste-Hilfe-Maßnahmen. Er ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Kursangebote bieten unter anderem das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter und der Arbeiter-Samariter-Bund.

Ein paar Meter vor Ihnen auf dem Gehweg liegt ein älterer Mann. Rasch nähern Sie sich und sprechen ihn laut an, aber er antwortet nicht. Selbst als Sie ihn an seinem Arm anfassen, bleibt eine Reaktion aus.

Was ist los?

Der Mann ist bewusstlos. In diesem Zustand reagieren Menschen weder auf Ansprache noch auf Berührungen oder Schmerzreize. Die Bewusstlosigkeit kann vorübergehend sein, etwa im Fall einer Ohnmacht, oder länger anhalten. Die Ursachen sind vielfältig. Eine verringerte Durchblutung des Gehirns, bedingt durch einen Schlaganfall, kann verantwortlich sein, denkbar sind zudem Blutdruckprobleme oder Herzerkrankungen. Auch Blutzuckerentgleisungen bei Menschen mit Diabetes können bewusstlos machen. Weiterhin kommen Schädel-Hirn-Verletzungen, Krampfanfälle, die Einnahme von Drogen oder Kohlenmonoxidvergiftungen in Betracht.

Warum ist das gefährlich?

Wer bewusstlos ist, kann schnell ersticken: Weil Schluck- und Hustenreflexe ausgeschaltet sind, gelangen Blut oder Erbrochenes leichter in die Atemwege. Außerdem kann eine erschlaffte Zunge im Hals nach hinten rutschen und den Eingang zur Luftröhre verschließen. Andererseits besteht die Gefahr eines Kreislaufstillstands: Mindestens 60 000 Menschen sind pro Jahr außerhalb des Krankenhauses betroffen, nur rund zehn Prozent von ihnen überleben. Hauptauslöser sind Herzerkrankungen. Damit zählt der Herz-Kreislauf-Stillstand in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen.

Wie kann man helfen?

Helferinnen und Helfer sollten zunächst überprüfen, ob die betroffene Person tatsächlich bewusstlos ist: sie laut ansprechen und zum Beispiel vorsichtig an den Schultern rütteln. Außerdem ist der Notruf 112 anzurufen – bitten Sie, sofern anwesend, Personen in der Nähe dafür konkret um Hilfe. Als nächstes gilt es zu kontrollieren, ob die Atemwege des oder der Bewusstlosen frei sind und er oder sie richtig atmet. Dazu hebt die helfende Person mit einer Hand das Kinn des Betroffenen an und neigt den Kopf nach hinten. Dann hält sie ihr Ohr über Mund und Nase des Betroffenen und kontrolliert über zehn Sekunden lang, ob sich der Brustkorb hebt und senkt, Atemgeräusche zu hören sind oder ein Luftstrom an ihrer Wange fühlbar ist. Bei regelmäßiger Atmung kann die betroffene Person in eine stabile Seitenlage gebracht werden, um die Atemwege frei zu halten.

Sicher helfen

Erste Hilfe rettet Leben. Wenn jemand in eine medizinische Notsituation gerät, sind wir deshalb alle verpflichtet, zu helfen. Trotzdem zögern viele Menschen im Ernstfall, oft aus Angst vor Fehlern. Diese Unsicherheit muss aber nicht bleiben. In unserer Serie »Sicher helfen« erklären wir, was im Notfall zu tun ist: Wie erkennt man einen Schlaganfall? Welche Informationen braucht der Notruf? Und wann muss man reanimieren?

Wie funktioniert die Herzdruckmassage?

Wenn der bewusstlose Mensch nicht atmet, ist davon auszugehen, dass sein Herz nicht mehr richtig schlägt. Er sollte schnellstmöglich durch eine Herzdruckmassage wiederbelebt werden. In dieser Situation sollten Laien nicht zögern, sondern unbedingt aktiv werden, da die Maßnahme die Überlebenschance der Betroffenen verdoppelt oder sogar verdreifacht.

Die Massage funktioniert am besten auf einem harten Untergrund. Dazu kniet man seitlich neben der bewusstlosen Person, auf Höhe des Brustkorbs. Mit einer Hand tastet man am entkleideten Oberkörper nach dem knöchernen Brustbein in der Mitte des Brustkorbs und legt den Handballen auf das untere Drittel des Knochens. Die zweite Hand greift in die erste Hand hinein. Nun wird der Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt. Die eigenen Arme bleiben dabei durchgestreckt: Die Kraft kommt aus dem Oberkörper, der sich von oben herunterbeugt.

Wiederbelebung bei Kindern und Babys

Auch bewusstlose Kinder und Säuglinge, die nicht mehr normal atmen, müssen reanimiert werden. Die Wiederbelebung verläuft in einigen Punkten aber anders als bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Häufig steht der kindliche Kreislauf still, weil ein Atemproblem vorliegt. Deshalb ist es in der Regel sinnvoll, den Säuglingen und Kindern vor der ersten Herzdruckmassage fünf Atemspenden zu geben. Dazu setzt man den eigenen Mund über Mund und Nase des Kindes und bläst äußerst behutsam und gleichmäßig über eine Sekunde lang Luft ein, so dass sich der Brustkorb sichtbar hebt und senkt. Atmet das Kind danach weiterhin nicht selbstständig, folgt die Herzdruckmassage wie bei Erwachsenen. Bei Babys nimmt man dazu statt der gesamten Hand zwei Finger, mit denen man das untere Brustbein etwa vier Zentimeter tief eindrückt. Die Wiederbelebungsmaßnahmen werden dann im Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen im schnellen Wechsel kontinuierlich fortführen.

Ist eine Atemspende nicht möglich, erfolgt ausschließlich die Herzdruckmassage. Falls der Helfer alleine ist und der Notarzt noch nicht (von einem zweiten Helfer) verständigt wurde, sollte man die Wiederbelebungsmaßnahmen nach circa einer Minute kurz unterbrechen und den Notruf wählen.

Bei dem Drück-Tempo kann man sich am bekannten Hit »Stayin' alive« der Bee Gees orientieren; angepeilt werden sollte eine Geschwindigkeit von 100 bis 120 Drückern pro Minute. Nach 30 Herzdruckmassagen können zwei Atemspenden folgen: Dazu hält man die Nase des Empfängers zu, umschließt seinen Mund mit den eigenen Lippen und atmet rund eine Sekunde lang vorsichtig aus. Die Atemspende funktioniert, wenn der Brustkorb sich leicht anhebt. Fühlen sich Helfende zu einer Mund-zu-Mund-Beatmung nicht in der Lage und/oder sind nicht ausreichend geübt darin, sollte einfach ohne Unterbrechung die Herzdruckmassage fortgeführt werden. Ein falsch ausgeführte Beatmung kann nämlich mehr schaden als nützen.

Fängt der Betroffene von selbst an zu atmen, zu husten oder zu schlucken, ist das ein Zeichen dafür, dass sein Kreislauf wieder allein arbeitet. Dann kann die Reanimation beendet werden. Ansonsten wird die Herzdruckmassage fortgesetzt bis ein Notfallteam eingetroffen ist. Von einer Atemspende sollte in der Regel abgesehen werden.

Falls mehrere Helfende anwesend sind, können sich diese alle paar Minuten bei der Herzdruckmassage abwechseln. Ist ein automatisierter Defibrillator (AED) in der Nähe (erkennbar an einem grünen Hinweisschild mit Herz-Symbol), kann eine zweite Person das Gerät dazu holen. Die Reanimation soll aber nicht unterbrochen werden. Vor der Bedienung braucht man nicht zurückzuscheuen: Der AED erklärt über Zeichnungen und Sprachkommandos, was wann zu tun ist.

Wie geht es weiter?

Die eintreffenden Rettungskräfte fahren zunächst mit den Wiederbelebungsmaßnahmen fort, um den Kreislauf zu reaktivieren. Ist der oder die Betroffene stabil genug, bringen sie ihn zügig ins Krankenhaus. Nach erfolgreicher Reanimation wird der oder die Patientin intensivmedizinisch überwacht. Dann begeben sich die Mediziner auf Ursachensuche, um eine spezifische Weiterbehandlung starten zu können.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Artikels wurde stets zur Mund-zu-Mund-Beatmung geraten. Da in Fachkreisen jedoch teilweise davon abgeraten wird, haben wir die Passage entsprechend angepasst.

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