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ExoMars: Detailbilder von Schiaparellis Absturzstelle

Die ESA veröffentlichte erste Detailbilder vom Aufsetzpunkt ihres Landers Schiaparelli, der am 19. Oktober 2016 bei seinem Landeversuch abstürzte, mit hoher Geschwindigkeit aufschlug und explodierte.
Schiaparelli hängt am FallschirmLaden...
Am Abend des 27. Oktober 2016 veröffentlichte die Europäische Weltraumorganisation ESA Aufnahmen des Aufsetzorts ihrer Landesonde Schiaparelli, welche die US-Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) mit ihrer Teleskopkamera HiRISE aufgenommen hatte. Aus den scharfen Bildern, die Details ab 30 Zentimeter Durchmesser enthüllen, lässt sich entnehmen, dass Schiaparelli, wie bereits kurz nach der Landung und dem Ausbleiben von Funksignalen befürchtet, beim Landeversuch mit hoher Geschwindigkeit auf der Marsoberfläche aufschlug und dabei explodierte.
Aufschlagort der ESA-Landesonde SchiaparelliLaden...
Das Schicksal von Schiaparelli | Die US-Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) nahm mit ihrer Teleskopkamera HiRISE am 25. Oktober 2016 den Landeplatz der europäischen Landesonde Schiaparelli auf, die dort am 19. Oktober weich landen sollte. Die Bilder von MRO zeigen nun im Detail, dass Schiaparelli hart auf der Marsoberfläche aufschlug und dabei explodierte. Um den Aufschlagort ist ein diffuser dunkler Fleck zu sehen, der sich über eine 40 Meter lange und 15 Meter breite Fläche erstreckt. Der zentrale schwarze Fleck darin ist 2,4 Meter groß. Er passt zu einem Einschlagkrater eines rund 300 Kilogramm schweren Geräts, das die Marsoberfläche mit mindestens 300 Kilometer pro Stunde erreichte. Dabei explodierten die noch praktisch vollen Treibstofftanks beim Aufschlag. 1,4 Kilometer südlich des Aufschlagorts wurden der Fallschirm der Landesonde mitsamt dem hinteren Hitzeschild gefunden. Auch der Aufschlagort des beim Anflug planmäßig abgeworfenen vorderen Hitzeschilds wurde identifiziert.

Am eigentlichen Landeort ist ein diffuser, dunkler Fleck sichtbar, der sich über eine 40 Meter lange und 15 Meter breite Fläche erstreckt. An ihrem rechten Rand zeigt sich ein etwa 2,4 Meter großer schwarzer Fleck; bei ihm handelt es sich um einen Einschlagkrater. Er entstand, als die 300 Kilogramm schwere Landesonde mit einer Geschwindigkeit von mindestens 300 Kilometern pro Stunde auf den Marsboden traf. Sie explodierte dabei, da ihre Treibstofftanks noch fast voll waren. Die ungewöhnliche längliche Struktur rechts oberhalb des Flecks lässt sich bislang noch nicht erklären. Zusätzlich wurde auf den Bildern von MRO auch der Aufschlagort des vorderen Hitzeschilds gefunden, dessen Abwurf planmäßig erfolgt war. Zudem stießen die Bildauswerter auch auf den zwölf Meter großen Fallschirm von Schiaparelli, der noch wie erwartet mit dem hinteren Hitzeschild verbunden war. Letztere sind die einzigen Elemente der ESA-Landesonde, die den Marsboden intakt erreicht haben.

Nach wie vor ist unklar, was zum Absturz von Schiaparelli geführt hat. Die ESA wird in der ersten Novemberhälfte 2016 einen ersten Untersuchungsbericht veröffentlichen. Er baut auf der Auswertung der rund 600 Megabyte Telemetriedaten auf, welche die Landesonde bei ihrem Abstieg zur Marsoberfläche an ihre Muttersonde Trace Gas Orbiter übermittelte. Letztere hat wie geplant ihre vorgesehene Marsumlaufbahn erreicht.

Derzeit ist bereits bekannt, dass die Trennung von Fallschirm und hinterem Hitzeschild gegenüber Schiaparellis Flugplan zu früh erfolgte und dass die Bremstriebwerke für den Endanflug zur Marsoberfläche viel zu kurz in Betrieb waren. Statt wie vorgesehen zwischen 30 und 60 Sekunden lang zu feuern, waren sie nur drei bis vier Sekunden aktiv. Dadurch stürzte der Lander praktisch ungebremst aus einer Höhe zwischen zwei und vier Kilometern ab und schlug mit mehr als 300 Kilometer pro Stunde auf.

Zu den Ursachen für die Abweichungen äußerte Rolf Densing, ESA-Direktor für Missionsbetrieb am Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt, schon Vermutungen, darunter, dass ein Softwarefehler dafür sorgte, dass die Datenkommunikation zwischen dem Landeradar und dem eigentlichen Bordcomputer nicht richtig funktionierte. Somit wurde der Fallschirm mitsamt hinterem Hitzeschild zu früh abgeworfen, und der Bordcomputer wähnte die Sonde bereits auf der Oberfläche, so dass er die Bordtriebwerke schon nach drei bis vier Sekunden abschaltete. Außerdem gibt es offenbar Hinweise auf einen ungewöhnlichen Ausschlag des Fallschirms, als er noch mit Schiaparelli verbunden war. Dieser könnte die fatale Ereigniskette ausgelöst haben, die zum Ende des Marslanders führte.

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