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Unterbewusstsein: Erster Eindruck sagt Wahlsieger gut voraus

Hillary Clinton
Innerhalb von Sekundenbruchteilen können sich offensichtlich Wahlen entscheiden: In dieser kurzen Zeitspanne vermerken die Wähler, wer anhand seines äußeren Eindrucks einen kompetenteren Eindruck macht und deshalb wählbar ist.

Getestet haben dies Psychologen um Alexander Todorov von der Universität Princeton. Sie zeigten ihren Versuchsteilnehmern vor der letzten Wahlrunde unter anderem die Bilder konkurrierender Kandidaten für den Senat und Gouverneursposten für jeweils sehr kurze Zeit und fragten sie anschließend, wen sie aus dem Bauch heraus für kompetenter hielten. Erkannten die Probanden einen der Politiker, wurde dessen Ergebnis aus dem Datensatz ausgeschlossen. Nach dem Entscheid verglichen die Wissenschaftler dann ihre Ergebnisse mit dem tatsächlichen Wahlresultat: Rund siebzig Prozent der von den Teilnehmern als kompetenter eingestuften Kandidaten gewannen anschließend tatsächlich ihr Mandat – je weniger die Teilnehmer über ihre Entscheidung nachdachten, desto eher wählten sie den späteren Sieger aus.

Damit bestätigten sich frühere Forschungsresultate von Todorov, nach denen sich innerhalb einer Zehntelsekunde unterbewusst entscheidet, ob Menschen eine ihnen unbekannte Person als kompetent einstufen oder nicht. Umgekehrt könnte dies aber bedeuten, dass die Wähler bereits vom optischen Eindruck stark beeindruckt werden und somit Sachargumenten nur schwer zugänglich sind. Das erkläre vielleicht auch Beobachtungen von Politologen, die während der letzten fünfzig Jahren nur schwache Einflüsse der Berichterstattung auf das Wahlverhalten notieren konnten, ergänzt Chappell Lawson, der Politikwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology lehrt. Das Kompetenz-Bauchgefühl ist anscheinend eine kulturübergreifende Fähigkeit, mit der beispielsweise US-Amerikaner mexikanische Wahlausgänge vorhersagen können, wie Lawson in eigenen Studien erkannte. Und dies, obwohl Mexikaner auf andere Gesichtsmerkmale Wert legten als US-Amerikaner – etwa Bartwuchs, den US-amerikanische Kandidaten tunlichst meiden.

In Kriegszeiten kann ein kompetentes Antlitz jedoch schaden, wie Todorov am Präsidentschaftsrennen zwischen George W. Bush und seinem Herausforderer John Kerry konstatierten: In dieser Ausnahmesituation präferierten die Wähler das "männlichere und dominante, aber weniger intelligent und gütig wirkende Gesicht Bushs". (dl)

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