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Grippe: Erstmals Mensch in Europa mit H9N2-Vogelgrippe infiziert

In Italien hat sich ein Mensch mit dem ungewöhnlichen Vogelgrippe-Subtyp H9N2 angesteckt. Einige dieser Viren zeigen Anpassungen an Säugetiere. Die Gefahr für die Bevölkerung gilt jedoch als gering.
Eine Frau hält sich den Ellenbogen vors Gesicht und hat gerade Fieber gemessen
Einige Vogelgrippeviren infizieren gelegentlich auch Menschen. Manche von ihnen passen sich gut genug an, um Epidemien zu verursachen.

Eine Person aus der Lombardei hat sich mit dem bei Menschen seltenen Vogelgrippe-Subtyp A(H9N2) infiziert, berichten italienische Behörden. Es ist die erste derartige Erkrankung innerhalb Europas; die Infektion selbst fand allerdings auf einer Auslandsreise statt. Nach Angaben der Behörden wird die betroffene Person derzeit in einem Krankenhaus isoliert behandelt, um zu verhindern, dass sich der Erreger weiterverbreitet. Die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung sei jedoch zurzeit sehr gering, schreibt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

Viren des Subtyps A(H9N2) zirkulieren normalerweise unter Vögeln. Das jetzt in Italien identifizierte Virus gehöre zu einer Viruslinie, die erstmals in den 1990er Jahren in China auftrat und sich rasant vor allem bei Hühnern verbreitet, erklärt Timm Harder vom Friedrich-Löffler-Institut, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Aviäre Influenza. »Mittlerweile sind sie im gesamten asiatischen sowie im nord- und westafrikanischen Raum verbreitet.« Anders als zum Beispiel H5N1 verursachen H9N2-Viren keine verheerenden Epidemien bei den Tieren und erregen dadurch wenig Aufmerksamkeit. Wenn Menschen Kontakt zu infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen haben, können sie sich ebenfalls anstecken.

»Um die Jahrtausendwende evolvierten in dieser Linie Mutationen im Hämagglutinin, die mit einer erhöhten zoonotischen Tendenz korrelieren«, erklärt Harder. »Unter anderem binden diese Mutanten besser an humane Rezeptoren (Alpha-2-6 Sialinsäure).« Menschen infizieren sich fast ausschließlich im Zusammenhang mit Geflügelhandel; in den meisten Fällen verläuft die Krankheit harmlos. Seit 1998 gab es weltweit laut ECDC 195 gemeldete Infektionen mit A(H9N2) bei Menschen, lediglich zwei von ihnen sind gestorben. Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Vogelgrippeviren des Subtyps A(H9N2) gibt es laut Harder auch in Europa. »Diese gehören aber einer anderen Linie an (›europäische Wildvogellinie‹), die bislang noch nie mit humanen Infektionen aufgefallen ist. Gleiches gilt für Nordamerika, wo eine ›amerikanische‹, nicht zoonotische H9N2 Linie zirkuliert.«

Laut Behördenangaben ist die derzeit mit A(H9N2) infizierte Person vorerkrankt und hat sich während einer Reise in ein außereuropäisches, laut einigen Medienberichten afrikanisches Land angesteckt. Nach der Rückkehr wurde sie demnach in Mailand untersucht und anschließend in einer Klinik isoliert. Während von dem aktuellen Fall keine größere Gefahr für andere Menschen ausgeht, stellen die verschiedenen bei Vögeln zirkulierenden Grippeviren eine erhebliche Bedrohung dar. Immer wieder sterben Menschen an solchen Viren, und welche der vielen Subtypen eine Pandemie auslösen können, ist unklar

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