Direkt zum Inhalt

Analgetika: Erster Test für Opioid ohne Suchtgefahr

Gängige verschreibungspflichtige Opioide haben teils schwere Nebenwirkungen. Ein neues Schmerzmittel könnte einer körperlichen Abhängigkeit entgegenwirken.
Spritze und Medikamentenfläschchen liegen auf einem Schmerzfragebogen

Opioide gehören zu den wirksamsten Mitteln bei starken Schmerzen. Dabei können allerdings Nebenwirkungen auftreten, einschließlich übermäßiger Schmerzempfindlichkeit, Atemdepression und körperlicher Abhängigkeit. In den USA hat dies zusammen mit einer laxen Verschreibungspraxis zu einer Opioid-Krise geführt. Jetzt sind Mediziner und Pharmakologen aus den USA und Japan einer Alternative für Schmerzpatienten vielleicht einen Schritt näher gekommen: Wie sie in der Zeitschrift »Science Translational Medicine« schildern, hatte ein kürzlich entdecktes Opioid namens AT-121 in ihrem Tierversuch an Primaten keine der genannten drei Nebenwirkungen. »Es mindert das Missbrauchspotenzial, ähnlich wie Buprenorphin bei Heroin«, so Mei-Chuan Ko, Professor für Physiologie und Pharmakologie an der Wake Forest School of Medicine in North Carolina.

Die neue chemische Verbindung lindere Schmerzen bei Makaken ähnlich wie Morphium und unterdrücke zugleich die Suchtwirkung von Opioiden. Hauptangriffspunkt verschreibungspflichtiger Schmerzmittel sei der Mu-Opioid-Rezeptor: Wird er aktiviert, schwindet der Schmerz, jedoch mit den genannten Risiken. AT-121 spreche zugleich den Nociceptin-Rezeptor an, der diese Nebenwirkungen blockiert, erläutern die Autoren. Aktuelle Opioid-Schmerzmedikamente wie das häufig missbrauchte Oxycodon wirkten nur auf den Mu-Opioid-Rezeptor; AT-121 hingegen blockiere sogar dessen süchtig machende Wirkung.

Die Forscher geben an, dass AT-121 mit einer 100-mal niedrigeren Dosis auskomme als etwa Morphium. Auch Atemdepressionen und der typische Juckreiz blieben im Tierexperiment aus. Ob die Verbindung bei menschlichen Patienten ebenso wirkt, ist aber unsicher. Zunächst stehen weitere präklinische Studien an, bevor die Zulassung für klinische Studien am Menschen beantragt werden kann.

Auch hier zu Lande verschreiben Ärzte zunehmend hochpotente Schmerzmittel wie Oxycodon, Fentanyl oder Codein; der Pro-Kopf-Verbrauch ist in den vergangenen Jahren gestiegen und Experten zufolge fast so hoch wie in den USA. Bei Tumorpatienten gelten diese Schmerzmittel als angemessen, seltener jedoch bei nichttumorbedingten Schmerzen, etwa chronischen Rücken- oder Gelenkschmerzen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos