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Paläontologie: Erstes Brachiopodenfossil mit Weichteilen gefunden

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Erstmals wurde nun die Versteinerung eines muschelähnlichen Brachipodiums entdeckt, von dem nicht nur die harten Schalen erhalten geblieben sind, sondern auch die Weichteile.

Ausgegraben wurde das Tier von Paläontologen um Mark Sutton vom Imperial College in London in einer Fossilienlagerstätte im englischen Herfordshire, die vor 425 Millionen Jahren entstand, als komplette ozeanische Tiergemeinschaften unter Vulkanasche begraben wurden. In Folge des plötzlichen Todes unter Sauerstoff-Abschluss blieben in vielen Fällen offensichtlich auch die inneren Organe und das Gewebe der Arten während des Versteinerungsprozesses erhalten.

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Brachipodium | Erstes 3-D-Modell eines versteinerten Brachipodiums, dessen Weichteile erkennbar sind. Das Tier klammert sich mit seinem Stiel an das ehemalige Kalkgerüst einer Seelilie, während kleinere Artgenossen auf der Schale des Tiers Halt machen.
Deshalb konnten die Forscher nun auch den Stiel – mit dem sich die Tiere auf einem Trägermaterial verwurzeln – und die zur Nahrungsaufnahme dienenden Kiemenarme des so genannten Armfüßers nachweisen, den Sutton in Anlehnung an den Namen seiner Frau Bethia wissenschaftlich als Bethia serraticulma bezeichnete. Im Gegensatz zu den sechzig Arten, die heute noch leben, war Bethia serraticulma rein physisch über den Stiel mit festem Untergrund verbunden, während moderne Spezies sich entweder in weichem Untergrund ansiedeln oder sich chemisch mit harten Gegenständen "verkleben".

Die Wissenschaftler fertigten sogar eine dreidimensionale Abbildung des Fossils und seines Innenlebens an, in dem sie Schicht für Schicht die umhüllenden Gesteinsschichten abtrugen und diese einzeln fotografierten. Auf dem entstandenen Modell sind zudem Nachwuchs-Brachiopoden zu erkennen, die sich an das Gehäuse des ausgewachsenen Tiers klammern.

Brachiopoden gehören zu den häufigsten Fossilien aus dem Paläozoikum und lebten vor etwa 542 bis 251 Millionen Jahren.
19.08.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.08.2005

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