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Und jetzt zum Wetter: Es blitzt und donnert

Makellos ist der Frühling gerade nicht: Gewitter drohen - manche können sich sogar zu richtigen Unwettern auswachsen. Schuld daran ist unsere Lage zwischen zwei kräftigen Wettersystemen.
Gewitter mit Blitzen in Tucson, Arizona

Das Wetter: Wärme mit Makel

Nach den teils turbulenten Osterfeiertagen mit ihrem nachwinterlichem Gruß in Teilen Süddeutschlands und der anschließenden raschen Wiedererwärmung, präsentiert sich das Wetter wieder von seiner angenehmen Seite – allerdings nicht ohne den einen oder anderen Makel. Denn mit der Wärme kommt aus dem Südosten vom östlichen Mittelmeer auch feuchte Luft zu uns und beschert Deutschland regional Gewitter. Wo sie genau auftreten, lässt sich schwer und nur kurzfristig vorhersagen, doch sollen sie schwerpunktmäßig den Westen und Südwesten sowie den Osten Deutschlands treffen, während ein breiter Streifen in der Mitte zwischen Schleswig-Holstein und Oberbayern weit gehend trocken bleibt.

Gewitter | Deutschland liegt im Moment zwischen zwei Wettersystemen. Deshalb trifft mitten über uns feuchtwarme auf kalte Luft und beschert uns teils heftige Gewitter.

Die Ursache: Zwischen zwei Blöcken

Seit Karfreitag hat sich die Großwetterlage umgestellt: Nun dominiert ein Hoch über Skandinavien und ein Tief über der Adria. Zusammen sorgen sie für eine östliche Luftströmung, die aber wider Erwarten nicht trocken, sondern relativ feucht ist. Denn sie stammt nicht aus den kontinentalen Weiten Eurasiens, sondern kommt aus dem Mittelmeerraum zu uns (dort sorgt das Tief selbst immer wieder für heftige Gewitter mit lokalen Überflutungen; vor der italienischen Küste wurden sogar so genannte Wasserhosen beobachtet). Diese feuchtwarme Luft trifft über Deutschland in höheren Atmosphärenschichten auf kühle Luftpakete – es kommt zur turbulenten Vermischung und dem Aufbau lokaler Gewitterzellen mit Unwetterpotenzial.

Schuld daran sind aber weniger die Sturmböen, die im Sommer gerne im Umfeld der Gewitter entstehen, sondern im Gegenteil die generell schwache Luftströmung, die momentan vorherrscht: Die Gewitter verweilen lange vor Ort und entladen sich standorttreu. Dadurch prasseln größere Regenmengen auf diese Gebiete nieder. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) vermeldete, sorgten diese Niederschläge beispielsweise in Bad Schwartau an Ostern für eine Regenmenge von 62 Millimetern in 12 Stunden – zum Vergleich: Normalerweise regnet es hier im ganzen Monat durchschnittlich nur 50 Millimeter pro Quadratmeter. Dazu kommt, dass die 0-Grad-Celsius-Grenze in der Atmosphäre schon in 2000 Metern Höhe erreicht wird, weshalb sich leicht Hagel bilden kann. Im Allgäu lag er laut DWD örtlich am Ostermontag 20 Zentimeter hoch, weshalb die Räumdienste ausrücken mussten.

Gewitter sind also längst kein Phänomen, das nur im Sommer auftritt – auch wenn sie sich dann am häufigsten bilden. Selbst im Winter entwickeln sie sich, wenn die Bedingungen stimmen. Ausschlaggebend ist ein steiler Temperaturgradient mit der Höhe und eine labil geschichtete Atmospäre. Entscheidend ist das Vorhandensein einer sehr kalten Luftschicht in der Höhe. Denn die Einstrahlung der Sonne am Boden reicht nicht aus, um die Luft so aufzuheizen, dass sie aufsteigt, wie es im Sommer gewittertreibend der Fall ist. Wenn es am Erdboden gefriert, müssen in vier bis acht Kilometern Höhe minus 35 Grad Celsius herrschen, damit sich eine Gewitterzelle entwickeln kann – sofern die Luft zugleich ausreichend feucht ist. Das passiert im Winter natürlich relativ selten und am ehesten an der Küste, wo das relative warme Meer auf das eher kalte Land trifft. Wenn sie sich aber entwickeln, liefern sie ein Naturschauspiel mit heftigen Graupelschauern oder Schneetreiben.

Die Folgen: Die Trockenheit lässt nach

Die Pflanzenwelt und die Landwirte benötigen dringend Wasser. Deshalb kamen die Niederschläge seit Karfreitag sehr recht. Dennoch herrscht flächendeckend noch ein Defizit im Boden, zumal im März und April normalerweise Niederschläge die Bodenfeuchte erhöhen – Vorräte, die in den Sommermonaten durch Verdunstung verbraucht werden. Nach Angabe der Agrarmeteorologischen Forschungsstelle des Deutschen Wetterdienstes lag jedoch die Bodenfeuchte letzte Woche auf 75 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland auf dem niedrigsten Aprilstand seit 1962. Gerade für die Aussaat von Kulturen wie Mais wird dies langsam problematisch.

Die Aussichten: Wird eine sommerliche Hitzewelle wahrscheinlicher?

Wer erinnert sich nicht noch an den Jahrtausendsommer 2003? Wochenlang brütete Westeuropa unter rekordverdächtigen Temperaturen. Regen fiel wochenlang nicht. 2010 wiederholte sich dieses Muster in Russland. Begünstigt wurden diese ausgedehnten Hitzewellen wahrscheinlich durch besonders intensive Rückkopplungseffekte zwischen ausgetrockneten Böden und der Luft darüber, wie gerade Diego Miralles von der Universität im belgischen Gent und seine Kollegen veröffentlicht haben. Lange und frühzeitige Schönwetterperioden hatten damals die Feuchtigkeit aus den Böden gesaugt. Als sich dann im Sommer erneut Hochdruckgebiete über den betroffenen Regionen etablierten, konnten sie keinen Wasserdampf mehr nachliefern. Die kühlende Verdunstung fiel praktisch aus, und die eingestrahlte Sonnenenergie wandelte sich in reine Wärme um, die die Luft weiter aufheizte.

Russische Hitze | Der Sommer 2010 war der heißeste für Russland seit mindestens 500 Jahren. Diese Satellitenaufnahme der NASA zeigt die Temperaturabweichungen in Europa und Asien verglichen mit den Vorjahren: Während West- und Südosteuropa einen eher kühlen Sommer erlebten, brach die Hitzewelle in Osteuropa.

Diese Hitze stieg dann auf bis zur so genannten atmosphärischen Grenzschicht – der Schicht zwischen der Erdoberfläche und der freien Atmosphäre – und drückte diese in die Höhe. Darunter staute sich die Wärme wie unter einer Glocke an; es entwich vergleichsweise wenig langwellige Strahlung ins Weltall: Selbst nachts sanken die Temperaturen kaum. Da sich diese Hitze über Tage ansammelte, stiegen die Temperaturen auf bis dahin nicht registrierte Extremwerte: Mehrfach durchbrachen sie in Deutschland die 40 Grad-Celsius-Grenze. Warum die Hochdruckgebiete damals sehr lange ortsfest verharrten, sagen Miralles und seine Kollegen nicht. Wahrscheinlich hing dies mit dem Jetstream zusammen, jenem wellenförmigen Höhenwindband, in dem die Druckgebiete eingelagert über die mittleren Breiten wandern. Bisweilen schlagen die Wellen aber extrem stark aus und schnüren sich ab: Es kommt zu einer Blockade, die sich über Tage oder Wochen nicht auflöst – mit entsprechendem Dauerregen oder -sonnenschein über den betroffenen Gebieten. Zumindest der trockene Boden wäre also in Deutschland momentan schon bereit für einen neuen Supersommer.

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