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Urbanität: Es gibt nur vier Sorten von Städten

Ein mathematischer Blick auf Straßenpläne belegt, dass man alle Städte der Welt in wenige Schubladen stecken kann: Fast keine hält sich nicht an globale Trends.
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Städtereisende kennen das Gefühl: Neben typischen Eigenheiten fallen einem vor allem oft andere Städte ein, die dem Reiseziel auf eine schwer bestimmbare Weise ähneln. Diesem unbestimmten Gefühl sind Mathematiker nun in einem Versuch nachgegangen, es mit harten Fakten möglichst exakt definieren. Mit Erfolg: Vielleicht sämtliche Städte der Welt, zumindest aber alle der 131 von den Forschern analysierten europäischen und US-amerikanischen Städte, fallen in eine von insgesamt nur vier Schubladen.

Als Grundlage zogen die Forscher – selbst übrigens aus Paris – die Struktur der charakteristischen Straßennetzwerke anhand von frei verfügbarem Kartenmaterial und destillierten durch eine hierarchischer Clusteranalyse insgesamt vier urbane Archetypen. Aufgeschrieben klingen diese profaner als die dahinter steckende Mathematik: Es gibt demnach Städte vom Typ 1 mit einem Netzgitter aus mittelgroßen bis großen rechteckigen Blöcken, solche (Typ 2) mit vielen kleinen Einzelarealen unterschiedlichster Form, zudem Typ-3-Städte mit mittelgroßen, unterschiedlichen Blöcken und jene mit vielen kleinen, aber regelmäßig rechteckigen Karrees (Typ 4). Typ 3 ist dabei übrigens wohl, vermuten die Forscher mit einem vorsichtigen Hinweis auf ihre nicht umfassende Auswahl, der global häufigste.

Anschaulich wird das für Nichtmathematiker und ohne Blick auf das herausgerechnete Raster anhand von Beispielen: Eine methodische Typ-1-Stadt sei Buenos Aires, zu Typ 2 zähle Athen, Städte wie Mogadishu fallen unter den Typ 4. Die allermeisten Städte – und fast alle in den USA und Europa – fallen allerdings in die Gruppe 3, in der zudem mehrere Untergruppen deutlich auszumachen sind: In einer finden sich fast alle europäischen Städte sowie US-amerikanische mit empfundenen "europäischen Flair", wie etwa Portland, Cincinatti oder Boston. In der anderen Untergruppe stecken dagegen eher klassische US-Rastersiedlungen wie Detroit. Diese feinen Unterschiede möchten die Forscher nun weiter herausarbeiten, um dem Typischen von typisch europäischen oder US-Städten auf den Grund zu gehen. Spannend wird auch ihre weitere Analyse von einzelnen Stadtteilen: Gerade Millionenstädte wie New York bestehen oft aus einem Mix von Stadtteilen, die ihrerseits bestimmten Typen zugerechnet werden können.

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