Direkt zum Inhalt

News: Es steht im Urin

Die Wirkung von Giftstoffen, die der Mensch aus der Umwelt oder mit Medikamenten aufnimmt, beruht auf der Freisetzung von chemischen Verbindungen, die ziemlich schnell mit körpereigenem Gewebe eine Reaktion eingehen können. Die dadurch verursachten Schädigungen waren bisher im Frühstadium kaum nachweisbar. Die Untersuchung von Urin kann jetzt ein solches Frühwarnsystem darstellen.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Technologiestichting STW, die der Nederlandse Organisatie voor Wetenschappelijk Onderzoek (NWO) angeschlossenen ist, haben Toxikologen der Vrieje Universiteit Amsterdam eine frühzeitige Nachweismöglichkeit entdeckt. Bei der Reaktion der freigesetzten Radikale mit dem menschlichen Gewebe bilden sich nämlich Substanzen, die bereits nach wenigen Tagen mit dem Urin ausgeschieden werden. Aufgrund dieser Entdeckung lassen sich zum Beispiel bei Krebspatienten die durch eine Chemotherapie hervorgerufenen Schädigungen besser und eher feststellen.

Anhand von Versuchen mit Ratten wurde untersucht, ob im Urin das Vorhandensein von unter anderem Aceton und Aldehyden für Schädigungen durch freie Radikale charakteristisch ist. Diese Stoffe entstehen bekanntlich, wenn freie Radikale mit den Lipiden in der Zellmembran reagieren. Für den Körper stellen die Substanzen Abfallstoffe dar, die mit dem Urin ausgeschieden werden. Den Ratten wurden toxische Chemikalien verabreicht, die zur Freisetzung freier Radikale in den Nieren oder in der Leber führten. Bei höheren Dosen der toxischen Substanzen nimmt die Ausscheidung von Aceton und Aldehyden zu. Die Konzentration dieser Stoffe im Urin zeigen die durch freie Radikale hervorgerufenen Schädigungen, noch bevor diese auf anderem Wege sichtbar gemacht werden können.

Im Anschluß daran prüften die Wissenschaftler, inwiefern sich anhand von Aceton und Aldehyden auch die durch eine Chemotherapie verursachten körperlichen Schädigungen bei Krebspatienten erkennen lassen. Bei der Chemotherapie werden dem Körper unter anderem Zytostatika verabreicht, welche zur Produktion freier Radikale führen können. Je nach Art der Chemotherapie war die Konzentration von Aceton und Aldehyden in den ersten drei Tagen nach der Behandlung zwei- bis zwölfmal so hoch wie im Normalfall. Durch Verabreichung von Antioxidantien konnte die Ausscheidung dieser Produkte eingeschränkt werden. Die Antioxidantien verbinden sich mit den freien Radikalen und machen diese für den Körper unschädlich.

Die Medizin vermutet, daß Atherosklerose, Krebs, Alzheimer und chronische Entzündungen mir durch freie Radikale hervorgerufenen Schädigungen in Verbindung stehen. Ob dafür aber die freien Radikale die Ursache sind oder ob deren Auftreten nur eine Folgeerscheinung ist, ist noch ungeklärt.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.