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News: Es wird eng

Die Klimaveränderung durch den Menschen ist in aller Munde. Doch selbst wenn wir das Klimaproblem in der nächsten Zeit in den Griff kriegen sollten, könnte es für uns eng werden. Allein durch den zunehmenden Bedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche wird die Erde - so die Berechnungen amerikanischer Wissenschaftler - in den nächsten 50 Jahren eine Milliarde Hektar natürlicher Ökosysteme verlieren - mit entsprechenden Folgen auch für das Weltklima.
In den letzten 100 000 Jahren hat sich Homo sapiens häuslich auf dem Planeten Erde eingerichtet und vermehrt sich prächtig. Inzwischen teilen sich über sechs Milliarden Artgenossen das Zuhause; bis zum Jahr 2050 könnten es über neun Milliarden sein. Alle wollen täglich essen und trinken – die Ernährung der Weltbevölkerung gehört zu den größten Herausforderungen der Menschheit.

Auch wenn Berichte über Hungerkatastrophen regelmäßig in unsere Nachrichten gelangen, ist die globale Ernährungslage noch nicht kritisch. Möglich wurde dies mit der so genannten Grünen Revolution der letzten 35 Jahre. Durch Bewässerungsmaßnahmen und massiven Düngemittel- und Pestizideinsatz konnte bisher die landwirtschaftliche Produktion zumindest global mit dem Wachstum der Weltbevölkerung einigermaßen Schritt halten. Aber wie lange noch?

Unter der Leitung von David Tilman von der University of Minnesota versuchte eine Wissenschaftlergruppe einen Blick in die Zukunft unseres Planeten. Zunächst schauten sie hierfür in die Vergangenheit und analysierten den weltweiten Verbrauch an Stickstoff- und Phosphatdünger, Pestiziden, an Flächen für Acker- und Weideland sowie für Bewässerungsfeldbau.

Obwohl die Weltbevölkerung seit 1960 exponentiell zunahm, wuchs der Verbrauch der landwirtschaftlichen Faktoren in dieser Zeit nur linear. Mit diesem linearen Zuwachs konnten die Wissenschaftler die globale Entwicklung bis zum Jahr 2020 sowie 2050 hochrechnen.

Demnach wird sich der Stickstoffdüngerverbrauch sowie der Pestizideinsatz bis zum Jahr 2050 fast verdreifachen, der Einsatz von Phosphatdüngern wird sich mehr als verdoppeln. Der Anteil an bewässerter Agrarfläche wächst um fast das Doppelte. Insgesamt verliert der Planet in den nächsten 50 Jahren durch die Zunahme landwirtschaftlicher Nutzfläche etwa eine Milliarde Hektar natürlicher Ökosysteme – eine Fläche, so groß wie die USA.

"Die Umwelteinflüsse der Landwirtschaft werden so groß oder größer als die der Klimaveränderung", befürchtet Tilman. Bereits jetzt sind nitrat- und phosphatreiche Abwässer ein großes ökologisches Problem und belasten das Grundwasser sowie Flüsse, Seen und Meere. Bewässerung verbraucht nicht nur wertvolles Trinkwasser, sondern führt auch zur Versalzung von Böden.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die größte Zunahme an Acker- und Weideland in den Entwicklungsländern, insbesondere in Lateinamerika und in Afrika südlich der Sahara, stattfinden wird. Dadurch werden vermutlich etwa ein Drittel der hier gedeihenden tropischen Regenwälder und Savannen zerstört. Diese Ökosysteme spielen jedoch eine wichtige Rolle für das globale Klima, da sie Kohlenstoff fixieren und Sauerstoff sowie Wasser abgeben. Damit werden – unabhängig von der bereits jetzt durch den Menschen verursachten Klimaveränderung – die klimatischen Probleme weiter verschärft.

Die Voraussagen der Wissenschaftler beruhen auf aktuellen landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden. Zukünftige Verbesserungen haben sie nicht berücksichtigt, sind jedoch möglich. So könnten Düngemittel und Pestizide effektiver eingesetzt werden, ein erhöhter Wasserabfluss lässt sich beispielsweise durch Vegetationsstreifen zwischen den Feldern verhindern, der Flächenverbrauch könnte durch die Nutzung von Brachland gemindert werden. Die zukünftigen Veränderungen sind nach Ansicht der Forscher jedoch so groß, dass diese Maßnahmen allein nicht ausreichen, nur eine internationale Zusammenarbeit könne Schlimmeres verhindern. "Landwirtschaft ist die letzte unregulierte Quelle für Umweltverschmutzung, und sie wird sich in den nächsten 50 Jahren verdoppeln oder verdreifachen", betont Tilman. "Wenn diese Zunahme genauso wie in den vergangenen 50 Jahren abläuft, werden wir irreversible Umweltschäden erhalten. Doch wenn wir jetzt eingreifen, können wir die Kurve noch kriegen."

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  • Quellen
University of Minnesota
Science 292: 281–284 (2001)

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