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Mutterschaft und Körperbild: Essstörungen verschwinden nicht während der Schwangerschaft

Frühere Essstörungen beeinflussen, wie Schwangere ihren Körper sehen. Doch oft bessert sich das Verhältnis zur Nahrung im Verlauf der Schwangerschaft.
Eine schwangere Person steht in einem Schlafzimmer vor einem Spiegel und betrachtet ihren Bauch. Sie trägt ein graues Oberteil und eine graue Hose. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Selbstreflexion. Im Hintergrund sind ein Bett und ein Kissen zu sehen.
Auch wenn das Zunehmen einen guten Grund hat, kann es alte Ängste wecken.

Eine Schwangerschaft verändert den Körper tiefgreifend – nicht jede werdende Mutter sieht dem gelassen entgegen. Forscherinnen der kanadischen Universität in Sherbrooke haben untersucht, wie es Frauen mit einer Neigung zu Essstörungen während dieser Lebensphase ergeht.

Die Psychologin Marie-Michelle Blouin und ihre Kolleginnen befragten insgesamt mehr als 500 Schwangere aus der Provinz Quebec in jedem Trimester. Die Frauen gaben jeweils an, wie wohl sie sich mit ihrem Körper fühlten und ob ihr Essverhalten unauffällig war. In der ersten Befragung machten sie außerdem Angaben zu eventuellen früheren psychischen Problemen wie Depressionen oder Essstörungen.

Frauen mit einer entsprechenden Vorgeschichte waren zu Beginn der Schwangerschaft häufiger unzufrieden mit ihrem Aussehen und versuchten, weniger zu essen – beides Symptome einer Essstörung. Ab dem zweiten Drittel gingen die Symptome zwar merklich zurück, die Betroffenen blieben jedoch weiterhin stärker belastet als Frauen ohne frühere Depression oder Essstörung.

Die Autorinnen führen die Verbesserung bei den Risiko-Teilnehmerinnen darauf zurück, dass diese sich zunehmend mit ihrer Mutterrolle identifizierten und dem ungeborenen Kind etwas Gutes tun wollten. Die Neigung zu Essstörungen verschwindet demnach nicht einfach während der Schwangerschaft, aber die Symptome bessern sich im Verlauf. Diese Phase könne man vielleicht nutzen, um einen positiveren Umgang mit dem eigenen Körper zu entwickeln, meinen die Forscherinnen. Um gezielt Hilfe anbieten zu können, wäre es ihnen zufolge sinnvoll, bei Vorsorgeuntersuchungen nach früheren psychischen Erkrankungen oder auffälligem Essverhalten zu fragen.

  • Quellen
Blouin, M. et al., Appetite 10.1016/j.appet.2025.108343, 2026

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