Taș-Tepeler-Kulturlandschaft: Der Leopardenreiter von Karahantepe

Vor etwa 12 000 Jahren veränderten Jäger und Sammler allmählich ihre Lebensweise und begannen, als Bauern zu leben. Was dabei geschah, verraten Ausgrabungsstätten im Südosten der Türkei. Dort, im Umfeld der Stadt Şanlıurfa, haben Archäologen mehrere Rundanlagen aus T-förmigen Steinpfeilern freigelegt. Am bekanntesten ist der Fundplatz Göbeklitepe, dessen Monumentalbauten lange als die ältesten Tempel der Welt gedeutet wurden. Der benachbarte Ort Karahantepe sorgt jedoch ebenfalls für aussagekräftige Funde.
So berichtet das türkische Kulturministerium, dass bei den diesjährigen Grabungen eine ungefähr 70 Zentimeter hohe Skulptur gefunden wurde. Die etwa 11 000 Jahre alte Figur stelle einen Menschen dar, der auf dem Rücken eines Leoparden sitzt. Schon zuvor haben Fachleute an Stätten in der sogenannten Taș-Tepeler-Kulturlandschaft Statuen ausgegraben. Über deren genaue Bedeutung rätseln sie aber noch.
Seit 2019 gräbt ein Team um Necmi Karul von der Universität Istanbul in Karahantepe. Auf einer Steinbank an der Innenwand eines drei Meter weiten Rundbaus entdeckten die Archäologen dort den Leopardenreiter. Einen ähnlichen Fund machten Forschende 2023 in Göbeklitepe. Damals handelte es sich um die lebensgroße Statue eines Keilers, an der noch Spuren weißer, schwarzer und roter Farbe hafteten. Im selben Jahr kam auch in Karahantepe eine kolossale Skulptur zum Vorschein: Etwa 2,4 Meter hoch, zeigt sie einen nackten Mann, der womöglich sitzend dargestellt ist und mit beiden Händen seinen Penis umgreift. Denkbar sei, dass hier eine Art Schöpfergott dargestellt ist.
Laut den Angaben des türkischen Kulturministeriums zeigt die Skulptur einen Menschen auf einem Leoparden. Sie sei etwa 11 000 Jahre alt.
Auch zahlreiche T-Pfeiler in den Anlagen der Taș-Tepeler-Kulturlandschaft sind übersät mit Bildern von wilden Tieren wie Füchsen, Keilern oder Schlangen. In Karahantepe fand sich zudem 2025 eine T-Säule mit menschlichem Gesicht – womöglich sollten die großen Monolithe stilisierte Menschen darstellen. Ob es sich bei den Strukturen im engeren Sinn um Tempel handelte, ist noch unklar. Denn ihre Erbauer, Gemeinschaften von Jägern und Sammlern vor etwa 11 000 Jahren, wohnten auch an diesen Orten in Häusern. Fachleute sehen hier die Frühphase der Sesshaftigkeit, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit einer voll ausgeprägten bäuerlichen Lebensweise einherging.
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