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Sinnesphysiologie: Eulen hören horizontal besser

Schleiereulen (Tyto alba) können Tonquellen, die sich in der Horizontale räumlich verändern, besser orten als Geräusche, deren Position sich vertikal verschiebt.

Für ihre Untersuchungen machten sich der Neurologe Avinash Bala von der Universität von Oregon in Eugene und seine Kollegen einen tierischen Reflex zunutze, den bereits der russische Verhaltensforscher Iwan Pawlow um 1920 entdeckt hatte. Demnach antworten Tiere auf äußere Reize wie plötzliche Bewegungen oder neue Geräusche mit automatischen Körperreaktionen wie erhöhter Muskelspannung oder erweiterten Pupillen.

Für ihre Studien spielten die Forscher deshalb den Eulen Geräusche vor, deren sie Standort sie horizontal wie vertikal verändern konnten, und beobachteten die Pupillenbewegungen mit Infrarotsensoren. Verschob sich die Lärmquelle horizontal, konnten die nachtaktiven Vögel selbst Lageänderungen von nur drei Grad nachvollziehen, während in der Vertikalen 7,5 Grad die maximale Untergrenze bildeten.

Zugleich maßen sie die Hirnaktivität der Vögel, um festzustellen, wo die Neuronen im Denkapparat beim Aufspüren der Geräuschquelle besonders aktiv sind: Kamen die Töne räumlich von oben, feuerten auch die Nervenzellen im oberen Abschnitt des Hörzentrums besonders, während Klänge von unten eine entsprechende Reaktion am unteren Ende dieses Gehirnbereichs auslösten.

Die Eulen haben demnach eine Art topografischer Karte im Gehirn. Direkte Rückschlüsse auf ihr Jagdverhalten lassen sich daraus allerdings nicht ziehen, warnen die Forscher. Zwar würde ihre potenzielle Beute eher in horizontaler Richtung fliehen, doch ändern sich diese Dimensionen für die Vögel, wenn sie mit dem Gesicht nach unten schauend fliegen.

Von ihren Ergebnissen erhoffen sich Bala und sein Team jedenfalls Nutzen für Patienten, die im Wachkoma liegen, gelähmt sind oder einen Gehirnschaden haben. Da auch menschliche Augen reflexartig auf Umweltveränderungen antworten, könnten Mediziner auf diese Weise vielleicht herausfinden, welche für Sinnesreaktionen verantwortlichen Hirnareale besonders von vorherigen Unfällen oder Krankheiten betroffen sind. (dl)

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