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Computerfehler

Eurasisches Gen-Erbe der Afrikaner drastisch überschätzt

Unlängst diagnostizierten Wissenschaftler einen unerwartet hohen Anteil eurasischer DNA in der afrikanischen Bevölkerung. Nun zeigt sich: Das ist nur teilweise richtig.
Kinder aus Äthiopien

Populationsgenetiker um Andrea Manica von der University of Cambridge machen einen Fehler öffentlich, der ihnen kürzlich in einer aufmerksamkeitsstarken Veröffentlichung unterlaufen ist. Wie auch "Spektrum.de" berichtete, hieß es darin, dass frühe Ackerbauern aus dem Nahen Osten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent ihre genetischen Spuren hinterlassen haben sollen. Tatsächlich beschränkte sich diese Wanderungsbewegung jedoch allein auf den östlichen Teil des Kontinents. Eine entsprechende Korrektur ist nun im Netz verfügbar.

Das Forscherteam hatte für die Ursprungsstudie die DNA eines vor 4500 Jahren in Äthiopien gestorbenen Mannes analysiert. Das Erbgut dieses nach seinem Fundort als Motu bezeichneten Mannes diente ihnen als Ausgangspunkt, um den späteren Genfluss zu berechnen. Es schien zu belegen, dass bis zu sieben Prozent des Genmaterials zentral- und westafrikanischer Populationen auf die Bauern aus dem Nahen Osten zurückgehen.

Dieses Ergebnis kam für viele Experten überraschend. Während eine Wanderung nach Ostafrika auch aus archäologischen Untersuchungen bekannt ist, gab es zuvor keinerlei Anzeichen für einen Vorstoß in Regionen südlich der Sahara. Die Genetiker Pontus Skoglund und David Reich von der Harvard University baten darum Manica und Kollegen um die Herausgabe der Originaldaten und führten dieselben Berechnungen durch. Als sie keinerlei Hinweise auf einen genetischen Einfluss außerhalb Ostafrikas fanden, machten sie die Autoren der ursprünglichen Veröffentlichung darauf aufmerksam.

Wie sich nun herausstellte, waren die Wissenschaftler einem simplen Softwarefehler aufgesessen. Manica und Team verwendeten genetische Datensätze, die in zwei nicht kompatiblen Programmen vorlagen. Um sie vergleichen zu können, hätten die Daten mittels eines Übertragungsskripts harmonisiert werden müssen. Das aber sei einfach vergessen worden, erklärt Manica gegenüber "Nature News". Dadurch seien Gemeinsamkeiten im Erbgut zwischen Motu und heutigen Eurasiern unter den Tisch gefallen – und infolgedessen Gemeinsamkeiten zwischen Eurasiern und heutigen West- beziehungsweise Zentralafrikanern überbewertet worden.

05/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05/2016

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