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Klimaschutz: Europa bei Moorzerstörung vorne dabei

Brennendes Moor in IndonesienLaden...
Im weltweiten Vergleich verursachen die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die zweithöchsten Emissionsraten von Treibhausgasen aus der Zerstörung von Moorgebieten. Nach Spitzenreiter Indonesien mit 500 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr folgt schon die EU mit 174 Millionen Tonnen noch vor Russland (160 Millionen Tonnen), das global gesehen die ausgedehntesten Moorflächen besitzt.

Moorzerstörung in WeißrusslandLaden...
Moorzerstörung in Weißrussland | Durch Entwässerung entweichen beträchtliche Kohlendioxidmengen aus Mooren – auch in der Europäischen Union.
Schuld habe daran vor allem die Entwässerung dieser Feuchtgebiete für die Landwirtschaft und der Abbau des Torfs für den Erwerbsgartenbau, sagt John Couwenberg der zusammen mit Hans Joosten von der Universität Greifswald und der Organisation Wetlands International den Ausstoß quantifiziert hat. "Ein nasses Moor ist klimaneutral, weil das organische Material teils über Jahrtausende nass und unter Luftabschluss gespeichert wird. Legt man es trocken, gelangt Luft an den Torf und oxidiert ihn. Das entstehende Kohlendioxid gast aus", so der Wissenschaftler.

Zwar entsteht im lebenden Moor Methan, das ebenfalls ein Treibhausgas ist, doch werde diese Menge durch den jährlich neu eingelagerten Kohlenstoff aus der Fotosynthese ausgeglichen, rechnet Couwenberg vor: "Jeder Hektar, der dagegen in Grünland für die Viehzucht oder einen Acker umgewandelt wird, setzt etwa 20 Tonnen Kohlendioxid zusätzlich frei." Von den ursprünglichen 1,6 Millionen Hektar, die es ursprünglich in Deutschland gegeben hat, müssen heute etwa 80 Prozent als entwässert oder völlig zerstört gelten. Zusätzliches CO2 gelangt dabei noch lange nach der Umwandlung aus den teils mehrere Meter mächtigen Torflagen in die Atmosphäre – nebst beträchtlichen Mengen an Lachgas (N2O), das ebenfalls ein sehr starkes Treibhausgas ist.

Zerstörter Moorwald auf BorneoLaden...
Zerstörter Moorwald auf Borneo | Indonesien ist der größte Zerstörer von Moorwäldern weltweit: Große Flächen werden brandgerodet, um dort Ölpalmen anzupflanzen für den Agrarenergiemarkt – Klimaschutz konterkariert.
Obwohl in Deutschland nur noch wenige Moorgebiete vorhanden sind und die unberührten Areale nicht mehr angetastet werden dürfen, liegt die Bundesrepublik nach Finnland auf dem zweiten Platz innerhalb der EU, was die Emissionen aus dem Feuchtgebiet angeht: Mehr als 30 Millionen Tonnen CO2 gelangen jährlich in die Atmosphäre, obwohl Finnland deutlich größere Moorgebiete besitzt. Deutschland importiert zudem im gleichen Zeitraum 1,3 Millionen Kubikmeter Torf vornehmlich aus dem Baltikum. Verwendet wird das Material vor allem im gewerblichen Gartenbau – etwa bei der Gemüsezucht –, wo es den Boden auflockern soll, aber auch Hobbygärtner setzen Torf gerne ein. Auf den entwässerten Flächen wird wiederum häufig Mais für die Energiegewinnung gepflanzt, was für Couwenberg widersinnig ist: "Bioenergie aus trocken gelegten Mooren spart weniger Kohlendioxid ein, als aus dem Torf austritt." Die Bilanz für den Klimaschutz ist also negativ.

Ein Teil dieser Verluste kann allerdings vermieden werden, wenn die Moore wieder vernässt würden. "Dadurch entsteht zwar mittelfristig etwas mehr Methan aus verfaulenden Pflanzen, die nicht moortypisch sind und sich nach der Trockenlegung angesiedelt haben. Langfristig wäre das Feuchtgebiet aber wieder klimaneutral", sagt der Greifswalder Forscher. Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen will Wetlands International deshalb erreichen, dass Moore nicht nur besser geschützt, sondern Wiedervernässungen auch als Klimaschutzmaßnahme international anerkannt werden. (dl)

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