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Sinne: Europäer schmecken Süßes besser

Dank einer bestimmten Genvariante können Europäer offenbar Süßes besser schmecken als Menschen aus Asien oder Afrika. Das entdeckten jetzt Forscher um Alexey Fushan und Dennis Drayna vom National Institute of Health im US-amerikanischen Bethesda. Die Mutation soll dafür sorgen, dass ihre Träger mehr Rezeptoren für süße Kohlenhydrate ausbilden.

Die Wissenschaftler konnten sich dazu auf Geschmackstests und Genanalysen von 144 Freiwilligen stützen, die unterschiedlich konzentrierte Saccharoselösungen nach dem Grad ihrer Süße anordnen sollten. Dabei war die Fähigkeit gefordert, auch noch kleine Abstufungen zuverlässig auseinanderhalten zu können.

Im Schnitt gelang das denjenigen Probanden am besten, die an zwei Stellen in ihrem TAS1R3-Gen jeweils die Base Cytosin (C) hatten. Wer hingegen an einer oder sogar beiden Stellen Thymin (T) trug, schnitt im Vergleich schlechter ab. Weitere Untersuchungen des Teams ergaben, dass die jeweiligen Kombinationen bestimmen, wie gut die Bauanleitung für den Rezeptor abgelesen wird.

In einer internationalen Gendatenbank forschten Fushan und Kollegen anschließend nach der weltweiten Verteilung der drei Varianten. Dabei zeigte sich, dass die unvorteilhafteren Varianten C/T und T/T insbesondere in Afrika verbreitet sind, während kaum ein Europäer diese Kombination trägt. Die Variante C/C, die für den empfindlichsten Geschmackssinn sorgt, findet sich dagegen überall auf der Welt – mit Ausnahme von Afrika –, allerdings unterschiedlich häufig. Je weiter man von Europa aus nach Asien gelangt, desto häufiger tragen Menschen die für geringere Empfindlichkeit verantwortliche T/T-Variante.

Warum in manchen Gegenden der Welt die Varianten unterschiedlich oft vertreten sind, könnte evolutionäre Ursachen haben, so die Forscher: Während den Menschen in wärmeren Gegenden ohnehin eine Vielzahl süßer – und damit energiereicher – Pflanzen wie beispielsweise Zuckerrohr zur Verfügung standen, mussten die Bewohner kälterer Regionen einen verfeinerten Geschmackssinn entwickeln, um trotz der geringen Süße der einheimischen Nahrung die zuckerhaltigen zu bevorzugen und eine ausreichende Versorgung mit Zucker sicherzustellen. (jd)
32. Woche 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 32. Woche 2009

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