Evolution: Höhle erlaubt Blick zurück in der Zeit

Heute existieren viele ursprüngliche Vogelarten nur noch in kleinen Refugien vor der neuseeländischen Küste oder in streng überwachten Reservaten auf den beiden Hauptinseln des Landes: Eingeschleppte Säugetiere machen ihnen das Überleben schwer. Vor einer Million Jahren sah die Situation dagegen ganz anders aus, denn damals beherrschten Vögel Neuseeland. Neu entdeckte Fossilien in einer Höhle erlauben jetzt einen ausführlichen Blick auf die damalige Zeit und darauf, wie sich manche der heutigen Spezies wie der berühmte Kakapo (Strigops habroptilus) entwickelt haben könnten. Die gefundenen Exemplare könnten sogar eine große Lücke in der Evolutionsgeschichte der Inseln schließen, schreibt die Arbeitsgruppe um Trevor Worthy von der australischen Flinders University.
Insgesamt zwölf Vogel- und vier Froscharten konnten die Forscher bislang identifizieren. Darunter befindet sich beispielsweise Strigops insulaborealis, ein ausgestorbener enger Verwandter des Kakapos, der aber noch fliegen konnte: Kakapos sind die schwersten Papageien der Erde und fast vollständig zu Fuß unterwegs. Die Analyse des Fossils zeigte dagegen schwächere Beine, was auch die Kletterfähigkeiten des Vogels eingeschränkt haben dürfte. Weitere Funde zeigen Vorfahren der Takahe (Porphyrio hochstetteri), eines bedrohten Rallenvogels, und eine ausgestorbene Taubenart, deren nächste Verwandtschaft heute in Australien lebt.
Die fossile Tierwelt Neuseelands aus der Zeit vor 20 bis 16 Millionen Jahren sei gut dokumentiert, schreiben die Wissenschaftler in einer Mitteilung. Dann klaffe jedoch eine große Lücke bis eine Million Jahre vor heute. Erst für die Zeit danach gebe es wieder bessere Daten. Die Höhlenfunde könnten den weitgehend unbekannten Zeitraum dazwischen füllen. Der Fund deute darauf hin, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der Vogelwelt ausgestorben sein könnte – oder aber es fehlen von diesen Arten schlicht weitere Fossilien, die noch nicht entdeckt wurden. Klimaveränderungen oder Naturkatastrophen wie starke Vulkanausbrüche dürften die Tierwelt der Inseln allerdings wiederkehrend stark verändert haben. Das zeigte sich bereits am Fundort: Die Fossilien lagen zwischen zwei dicken vulkanischen Ascheschichten, von denen die jüngere vor einer Million Jahren entstanden war: Große Teile der Nordinsel versanken damals unter meterhohen Ascheablagerungen, die viele Tiere und Pflanzen vernichteten. Einige Exemplare wurden in die Höhle eingeschwemmt und versteinerten dort.
Heute bedrohen vor allem eingeschleppte Säugetiere die verbliebenen einheimischen Tierarten, etwa Katzen und Marder oder Pflanzenfresser, welche die Ökosysteme belasten. Von den Kakapos leben nur rund 250 Exemplare auf raubtierfreien Inseln. Immerhin hoffen Ornithologen auf eine sehr erfolgreiche Brutsaison 2026.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.