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Exoplaneten: Ein System mit mindestens vier Planeten – Gliese 887

Um den nahen roten Zwergstern Gliese 887 kreisen mindestens vier Welten, eine davon in dessen lebensfreundlicher Zone. Es gibt zudem Hinweise auf einen fünften Planeten.
Exoplanetensystem Gliese 887
Sterrnsystem Gliese 887: Mindestens vier Planeten wurden im Umfeld um diesen roten Zwergstern gefunden, der nur 10,7 Lichtjahre von uns entfernt ist (Illustration).

Nur 10,7 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Südlicher Fisch befindet sich der rote Zwergstern Gliese 887 oder GJ 887. Er wird von mindestens vier Exoplaneten in geringem Abstand umrundet, wie eine Forschungsgruppe um Christian Hartogh von der Universität Göttingen feststellte. Zwei der vier Welten wurden schon im Jahr 2020 aufgespürt, mit Hinweisen auf einen dritten Begleiter. Nun setzte die Arbeitsgruppe ihre Arbeit fort und setzte die Präzisionsspektrografen HARPS und ESPRESSO der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile dafür ein. Sie hielt Ausschau nach geringen periodischen Schwankungen in der Bewegung des Sterns, da uns die Planeten von GJ 887 leider nicht den Gefallen tun, aus unserer Sicht vor ihrem Stern durchzuziehen. Damit wären sie ideale Kandidaten für eine Entdeckung mithilfe der Transit-Methode gewesen. Stattdessen wandte das Team die sogenannte Radialgeschwindigkeitsmethode an. Mit dieser lässt sich zwar die Existenz von Planeten um einen Stern feststellen und deren minimale Masse bestimmen, aber keine Aussage über deren Größe oder Zusammensetzung treffen.

Das Team um Hartogh konnte die beiden bereits bekannten Planeten von GJ 887 bestätigen. Es fand in den mehr als 870 eigenen Messungen und Archivdaten anderer Observatorien auch schnell den dritten, bislang nur vermuteten Planeten. Zudem zeigte sich in den Daten ein vierter, der sehr nahe um das Zentralgestirn kreist. Alle vier Planeten haben Mindestmassen, die größer sind als die der Erde. Der innerste Planet GJ 887 e umrundet seinen Stern in nur 4,42 Tagen und erhält das 21-Fache der solaren Einstrahlung unserer Erde, er ist also sehr heiß. Ihm folgen die Planeten b und c – die Planeten in einem Exoplanetensystem werden üblicherweise in der Reihenfolge ihrer Entdeckung bezeichnet, nicht nach ihrem Abstand zum Stern. GJ 887 b und c benötigen 9,26 und 21,8 Tage für eine Umrundung und erhalten die 7,8- und 2,5-fache solare Einstrahlung im Vergleich zur Erde.

Besonders interessant ist allerdings Planet d: Er benötigt 50,8 Tage für einen Umlauf und erhält 81 Prozent der irdischen solaren Einstrahlung. Er befindet sich somit in der habitablen Zone von GJ 887 in einem Abstand von 31,5 Millionen Kilometern oder 21 Prozent der Entfernung der Erde von der Sonne. Diese Welt könnte somit lebensfreundlich sein, denn bei Vorhandensein einer Atmosphäre könnte es auf ihr flüssiges Wasser geben, eine der Grundvoraussetzungen für Leben, wie wir es kennen. Allerdings wird die Masse von GJ 887 d auf mindestens das 6,1-Fache der Erde geschätzt. Möglicherweise handelt es sich also um einen Minineptun, eine gashaltige Welt ohne eine feste Oberfläche. Mehr über diesen Planeten lässt sich vielleicht eines Tages mit dem in Chile im Bau befindlichen Extremely Large Telescope oder mit Weltraumteleskopen der nächsten Generation herausfinden.

Womöglich gibt es im System von GJ 887 noch einen fünften Planeten mit einer Umlaufdauer von 2,2 Tagen. Hier spricht die Gruppe um Hartogh aber nur von einem Planetenkandidaten, dessen Nachweis noch sehr unsicher ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann das Team auch einen instrumentellen Effekt nicht völlig ausschließen, sodass es mit der Verkündung eines möglichen fünften Begleiters sehr vorsichtig ist.

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  • Quellen
Hartogh, C. et al., https://arxiv.org/abs/2602.08929, 2026

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