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Quantencomputing: Experten zweifeln an Microsofts topologischem Qubit

Das Unternehmen hat seine Behauptung wiederholt, es habe einen lang ersehnten Materiezustand erzeugt. Doch Fachkollegen entgegnen, dass es womöglich nur Rauschen ist.
Nahaufnahme eines Computerchips, eingebettet in eine goldene Halterung. Der Chip zeigt feine, goldene Leiterbahnen und ein zentrales quadratisches Element. Im Hintergrund sind Teile einer blauen Platine mit goldenen Schrauben sichtbar. Oben links ist ein kleines Logo mit dem Text "Microsoft" zu erkennen.
Microsoft rechnet damit, bis 2029 einen skalierbaren Quantencomputer auf Basis von topologischen Qubits zu realisieren.

Ein führender Experte für Quantencomputing hat schwere Vorwürfe gegen Microsoft erhoben: Das Unternehmen habe bislang nicht überzeugend nachgewiesen, dass es tatsächlich über ein topologisches Qubit verfügt. Der Physiker Henry Legg von der University of St Andrews argumentiert, das von Microsoft propagierte topologische Qubit – ein Speicherelement für Quanteninformation, das theoretisch deutlich stabiler und fehlerresistenter sein soll als bisherige Ansätze – sei in Wirklichkeit lediglich Rauschen. Seine Kritik ist in der Rubrik »Matters Arising« der Fachzeitschrift »Nature« erschienen, die als Forum für formale Einwände gegen veröffentlichte Studien dient.

Leggs Kommentar richtet sich gegen die im Februar 2025 bei »Nature« publizierte Arbeit von Microsoft – ist jedoch keineswegs ein Einzelfall: In der Fachcommunity mehren sich seit Längerem kritische Stimmen gegenüber der Quantenforschung des Konzerns. Tatsächlich sah sich Microsoft bereits in der Vergangenheit gezwungen, einzelne begutachtete Arbeiten zurückzuziehen. In seiner aktuellen Stellungnahme argumentiert Legg nun, dass auch die jüngste »Nature«-Veröffentlichung ähnlich fehlerhaft sein könnte. In einer daraufhin erschienenen Erwiderung hält ein Mitglied von Microsofts Quantenteam dagegen: Die vorgelegten Messdaten rechtfertigten sehr wohl die Schlussfolgerung, dass ein topologisches Qubit realisiert worden sei.

Gegenüber »Scientific American« betonte Chetan Nayak, Technical Fellow und Corporate Vice President für Quantum Hardware bei Microsoft: »Wir stehen zu unseren Ergebnissen und unserer Roadmap. Letztlich misst sich der Erfolg daran, einen skalierbaren Quantencomputer zu liefern. Wir sind zuversichtlich, unsere Roadmap umzusetzen, und stolz auf die fortgesetzte Zusammenarbeit mit der DARPA.« Die DARPA ist eine dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium zugeordnete Behörde und hat den Auftrag, innovative Technologien für die nationale Sicherheit zu entwickeln. Diese habe Microsoft nach einer unabhängigen Prüfung – sowohl öffentlich zugänglicher als auch urheberrechtlich geschützter Daten – in die finale Phase ihrer »Quantum Benchmarking Initiative« aufgenommen. »Skepsis und Strenge sind zentrale Elemente des wissenschaftlichen Prozesses«, so Nayak weiter. »Wir schätzen diese und haben sie stets unterstützt. Wir haben den Dialog gesucht, und unsere ausführliche Erwiderung wurde von ›Nature‹ akzeptiert und publiziert.«

Die Kritik, von der Microsoft bereits seit einiger Zeit wusste, erscheint zu einem heiklen Zeitpunkt: Erst im Juni 2026 stellte das Unternehmen seinen neuen »Majorana‑2«-Chip vor und präsentierte einen aktualisierten Zeitplan, der den Weg zu »skalierbaren, praktischen Quantencomputern« noch vor Ende des Jahrzehnts skizzieren soll. Zum gleichen Zeitpunkt stellte das Team eine noch nicht unabhängig begutachtete Arbeit auf dem Preprint-Server »arXiv« hoch, die den Claim wissenschaftlich stützen soll. »Doch solange die zugrunde liegende Physik nicht trägt, lässt sich eine Roadmap bis 2029 gegenüber der Öffentlichkeit schlicht nicht glaubwürdig verkaufen«, sagt Legg.

Auch andere Fachleute äußern sich deutlich. »Der Beitrag in ›Matters Arising‹ macht schmerzhaft klar, dass die ›Nature‹-Publikation keinen wissenschaftlichen Wert besitzt«, sagt etwa Sergey Frolov, Physiker an der University of Pittsburgh, der an keiner der Arbeiten beteiligt war. »Mit großer Wahrscheinlichkeit muss die Arbeit zurückgezogen werden, genau wie frühere ›Nature‹-Artikel aus dem Umfeld von Microsoft.«

  • Quellen

Microsoft Azure Quantum, Nature 10.1038/s41586–024–08445–2, 2025

Legg, H.F., Nature10.1038/s41586–026–10567–8, 2026

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