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Bizarre Reparatur: Explodierende Blattläuse flicken ihr Nest

Eine sozial lebende Blattlausart schließt Löcher in ihren Behausungen, indem sie ihr Inneres nach außen kehrt und ihr Immunsystem den Rest machen lässt.
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Explodierende Insekten sind weit verbreitet – sie schützen ihre Kolonie vor Angreifern, indem sie platzen und ihre Kontrahenten mit giftigen, ätzenden oder klebrigen Körpersäften bespritzen. Eine besonders kuriose Abwandlung dieser Strategie verfolgt allerdings die japanische Blattlausart Nipponaphis monzeni: Bei ihr explodieren die Soldaten, damit ihr Immunsystem das Nest repariert. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Makayo Kutsukake vom National Institute of Advanced Science and Technology in Tsukuba. Wie das Team in »PNAS« schreibt, benutzen die Tiere dazu exakt den gleichen Mechanismus, mit denen sie Wunden in ihrem Körper verschließen: Ihre Immunzellen platzen und verteilen Fette über die verletzte Stelle, die sie vorläufig abdichten. Gleichzeitig geben sie das Enzym Phenoloxidase ab, der die Moleküle des Verschlusses vernetzt und den Schorf aushärtet.

Doch nicht jedes Tier wird zum explodierenden Heimwerker, sondern nur jugendliche Blattläuse. Der nicht ausgewachsene, als Nymphen bezeichneten Blattlausnachwuchs produziert enorme Mengen an Immunzellen und Enzym. Finden die Nymphen ein Loch im Nest, entleeren sie explosionsartig den größten Teil der Körperflüssigkeit über die Öffnung. Während sie sterben, härtet der Flicken binnen einer Stunde aus. Das ist auch nötig, berichtet die Arbeitsgruppe um Kutsukake, denn die Blattläuse wohnen in einer lebenden Behausung. Die nur einen halben Millimeter großen Insekten bringen Bäume dazu, hohle, kugelige Auswüchse namens Gallen zu bilden, in denen Hunderte der Tiere leben können.

Sind diese Gallen beschädigt, sterben sie ab, und die Kolonie verliert ihre Heimat. Und beschädigt werden die Gallen immer wieder: Eine Reihe von Mottenlarven ist darauf spezialisiert, die komplett von der Außenwelt abgeschlossenen Kolonien anzubohren und Blattläuse zu fressen. Um dieser Bedrohung zu begegnen, sind die Kolonien von Nipponaphis arbeitsteilig organisiert: Die unreifen Nymphen machen die Arbeit, während sich die ausgewachsenen Tiere fortpflanzen. Vor allem aber sind die jungen Nymphen die Soldaten der Gemeinschaft. Dringt eine Mottenlarve in die Galle ein, stechen die Soldaten sie zuerst mit ihren spitzen Saugrüsseln zu Tode. Anschließend positionieren sich Dutzende oder Hunderte der Soldaten rund um das von der Larve gebohrte Loch in der Wand – und verschließen es in einer kollektiven Körpersaftexplosion wieder.

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