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News: Explosionen um ein Schwarzes Loch in unserer Galaxie

Im Sternbild Adler befindet sich ein Schwarzes Loch, das seinem Begleitstern nach und nach Materie entreißt. Kurz bevor diese auf Nimmerwiedersehen im Schwarzen Loch verschwindet, sendet sie Röntgenstrahlen aus. Mit einem Netzwerk von Radioteleskopen haben Wissenschaftler einen geradezu explosionsartigen Ausbruch beobachtet.
Wissenschaftler der Nuffield Radio Astronomy Laboratories haben eine Reihe von Bildern aufgenommen, die detailliert eine Folge von Explosionen um ein Schwarzes Loch in unserer Milchstraße zeigen. Etwas derartiges war zuvor noch nie so dicht an einem Schwarzen Loch gesehen worden. Die Bilder helfen Astronomen dabei, die Vorgänge an den energiereichsten Objekten der Galaxie zu verstehen.

Die Explosionen ereigneten sich beim „Mikroquasar” GRS1915, der sich im Sternbild Adler, ca. 40000 Lichtjahre von uns entfernt auf der anderen Seite der Milchstraße befindet.

Am 29. Oktober dieses Jahres wurden Astronomen auf der ganzen Welt durch das Ryle-Radioteleskop in Cambridge aufgeschreckt: GRS1915 war aufgeflackert. Die Radioteleskope des MERLIN-Antennensystems begannen sofort ihre Tätigkeit und konnten den Ablauf des Ausbruchs verfolgen. Schon nach zwei Wochen war GRS1915 zu lichtschwach, um noch wahrgenommen zu werden. Es war der einzigartigen Kombination von Auflösung und Empfindlichkeit von MERLIN zu verdanken, daß die Astronomen einen detaillierten Zeitrafferfilm des flüchtigen Ereignis anfertigen konnten.

GRS1915 wurde 1992 von einem Röntgenteleskop des russischen Satelliten GRANAT entdeckt. Rob Fender aus Brighton, der gegenwärtig an der Universiteit van Amsterdam arbeitet, erklärte: „Man nimmt an, daß GRS1915 aus einem Schwarzen Loch besteht, das mehrere Sonnenmassen schwer ist und von einem normalen Stern umlaufen wird. Materie wird auf enorm hohe Temperaturen erhitzt und strahlt Röntgenstrahlen aus, während sie sich spiralförmig auf das Schwarze Loch zubewegt. Das Gros der Materie wird dabei eingesaugt und ist für immer verloren. Dieser Prozeß läuft so heftig ab, daß es zu unvorhersehbaren Explosionen kommt, die dann diese spektakulären Jets produzieren.”

MERLIN ist weltweit das einzige Instrument, das den Ausbruch von Radiowellen, welche die Röntgensignale begleiten, dermaßen detailgetreu beobachten kann. Der Radioastronom Ralph Spencer sagt hierzu: „Da GRS1915 so weit von uns entfernt ist, brauchen wir ein Instrument, dessen Auflösung sogar noch besser sein muß als die des Hubble-Weltraumteleskops, jedoch im Radiowellenbereich. Nur so können wir sehen, was in der Nähe des Schwarzen Loches passiert. Und genau dies ermöglicht uns MERLIN.”

MERLIN (Multi Element Radio Linked Interferometer Network) wird von der University of Manchester im Auftrag des Particle Physics and Astronomy Research Council betrieben. Es besteht aus sechs einzelnen Radioteleskopen, die über ganz England verteilt und miteinander verbunden sind. Damit erreichen sie die gleiche Auflösung wie eine einzige gewaltige Schüssel von ca. 217 Metern Durchmesser. MERLINs hohe Auflösungsfähigkeit gestattet es ihm, ein Pfennig-großes Objekt in 80 km Entfernung wahrzunehmen.

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