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Extremwetter: Klimawandel macht Sturmfluten wahrscheinlicher

Seit dem Jahr 1900 hat sich das Überschwemmungsrisiko an Küsten stark erhöht. Die wichtigste Ursache dafür ist der menschengemachte Klimawandel.
Stürmische Meereswellen schlagen gegen einen Leuchtturm auf einer Mole. Der Himmel ist dunkel und bewölkt, während Gischt hoch in die Luft spritzt. Eine Möwe fliegt in der Nähe, während die Wellen tosen. Die Szene vermittelt die Kraft und Dynamik des Meeres bei rauem Wetter.
Hohe Wellen treffen auf die Küste Queenslands in Australien.

Der vom Menschen verursachte Meeresspiegelanstieg trägt wesentlich dazu bei, dass extreme Küstenereignisse wie Sturmfluten deutlich häufiger auftreten. Sie kommen in vergleichbarer Stärke heute etwa 12-mal so oft vor wie noch im Jahr 1900. Das berichtet ein Forschungsteam um Sönke Dangendorf von der Tulane University in New Orleans. Nach Ansicht der Fachleute ist es nötig, das erhöhte Überschwemmungsrisiko in Klimaanpassungsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Extreme Küstenereignisse können auftreten, wenn eine ausgeprägte Gezeit mit starkem Windstau und niedrigem Luftdruck zusammenfällt. Es kann dann zu Sturmfluten mit Überschwemmungen kommen, die Infrastruktur und Ökosysteme schädigen. Weltweit leben mehr als 680 Millionen Menschen in tief liegenden Küstenregionen. Dort beeinflussen selbst geringe Veränderungen des Meeresspiegels das Überschwemmungsrisiko mitunter erheblich. Obwohl es langfristige Datenreihen zum Anstieg des Meeresspiegels gibt, die viele Jahrzehnte überspannen, ist schwer zu beziffern, wie sehr der menschengemachte Klimawandel die Häufigkeit extremer Küstenereignisse bereits beeinflusst hat.

Dangendorf und sein Team haben Gezeitenpegelmessungen mit Klimamodellen kombiniert, um zu analysieren, wie sich die Häufigkeit extremer Küstenereignisse weltweit zwischen 1900 und 2005 verändert hat – und aus welchen Gründen. Ihre Untersuchung zeigt: Ein Ereignis, das am Anfang des Untersuchungszeitraums statistisch einmal in 100 Jahren auftrat, kam am Ende dieses Zeitraums statistisch einmal in 8 Jahren vor. Die Häufigkeit hat also auf das 12-Fache zugenommen.

Mehrere Faktoren tragen zu der Steigerung bei. Laut der Studie ist der menschliche Einfluss seit den 1960er-Jahren der dominierende Treiber dafür, dass sich Sturmfluten häufen. Die dadurch verursachte Änderung des Strahlungsantriebs – der Energiebilanz der Erde infolge von Treibhausgasemissionen und Landnutzung – habe das Risiko extremer Küstenereignisse etwa vervierfacht. Hinzu kommen natürliche Schwankungen, darunter El-Niño-Ereignisse, lokale Landhebungen oder -senkungen oder die Freisetzung vulkanischer Aerosole, die Sonnenlicht reflektieren und somit eine kühlende Wirkung haben.

Selbst ein relativ kleiner Anstieg des mittleren Meeresspiegels kann laut der Studie erhebliche Folgen haben. Seit 1900 hat sich der Meeresspiegel global gemittelt um etwa 20 Zentimeter erhöht. Sturmfluten gehen deshalb von einer höheren Ausgangsbasis aus. »Viele Menschen unterschätzen, was ein Anstieg des Meeresspiegels um 20 Zentimeter bedeutet«, erklärt der Geowissenschaftler Ben Marzeion von der Uni Bremen; er hat an der Studie mitgewirkt. Eine Erhöhung des Pegels wirke sich stark nichtlinear aus, wie Marzeion erläutert. »Für ein extremes Küstenereignis, das vormals einmal in 100 Jahren vorkam, müssen viele Faktoren perfekt zusammentreffen: hohe astronomische Gezeit, starker Wind aus der richtigen Richtung, vielleicht noch niedriger Luftdruck – und das alles zeitlich so abgestimmt, dass sich die Effekte maximal addieren. Das ist extrem selten. Wenn man dem Ozean aber 20 Zentimeter Vorsprung gibt, reicht es schon, wenn nicht mehr alles perfekt zusammenkommt – und diese Situation tritt viel häufiger ein. Deswegen wirkt sich der mittlere Meeresspiegel besonders stark auf die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen aus.«

Die Forschungsgruppe betont, angesichts der erhöhten Wahrscheinlichkeit extremer Küstenereignisse seien verstärkte Anpassungsmaßnahmen erforderlich, um das künftige Risiko katastrophaler Überschwemmungen zu begrenzen.

  • Quellen

Dangendorf, S. et al., Nature Climate Change 10.1038/s41558–026–02 659–0, 2026

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