Direkt zum Inhalt

Fäkalphysik: Wattwürmer offenbaren Gravitationsgesetz der Kothaufen

Anders als in der Tierwelt üblich, stoßen Wattwürmer ihre Ausscheidungen von unten nach oben aus. Untersuchungen dazu, wie sich die schnurförmigen Kotstränge in Schlingen legen, erlauben neue Einblicke in die Physik von Häufchenstrukturen.
Ein ausgeschiedener Haufen eines Wattwurms auf einem sandigen Strand, im Vordergrund des Bildes. Der Hintergrund zeigt verschwommen das Meer mit sanften Wellen unter einem blauen Himmel. Der Haufen legt sich in mehreren Schlingen zu einem kleinen Türmchen.
Die verbotenen Spaghetti des Watts: Würmer, die unter der Oberfläche leben, verspeisen den nährstoffreichen Sand und scheiden die Reste nach oben hin aus.

Was seine Form angeht, erinnert der prototypische Kothaufen an Softeis: Auf einer breiten Basis der braunen Substanz schlängelt sich eine immer dünnere Spitze empor. Das liegt daran, dass die weiche Masse von oben herabfällt. Wird sie stattdessen von unten nach oben gepresst, türmt sie sich in gleichmäßig weiten Schlingen auf. Wie ein Forscherteam bei eingehenden Untersuchungen von Wurmkot und einer Ersatzmasse aus Erbsenbrei herausgefunden hat, lässt sich die Entstehung dieser Struktur durch ein einfaches, allgemeines Gesetz beschreiben. Ihre Erkenntnisse publizierten die Wissenschaftler im April 2026 im Fachjournal »Nature Communications«.

Die drei Physiker Mehdi Habibi, Neil Ribe und Daniel Bonn untersuchen seit mehr als 20 Jahren, wie sich elastische Fäden auf- und abwickeln. Das Trio von der niederländischen Universität Wageningen, der Université Paris-Saclay und der Universiteit van Amsterdam hat in der Zeit unterschiedlichste zähflüssige Fluide analysiert und beispielsweise erklärt, warum fließender Honig sich in Schlaufen aufs Brot legt.

In ihrer neuen Arbeit nahmen sich die Forscher eines Themas an, dem bereits Charles Darwin ein ganzes Buch – das letzte vor seinem Tod – gewidmet hat: den Exkrementen von Würmern. Schon Darwin stellte fasziniert fest, dass sich die Ausscheidungen als gleichbleibend breite Türmchen aufstapeln. Habibi, Ribe und Bonn fanden eine mathematische Beschreibung, mit der sich diese Erscheinung allein anhand materialtypischer Parameter herleiten lässt.

Im Labor mischten sie Erbsenmehl mit Wasser und erzeugten so eine Masse, die sich physikalisch genauso verhält wie Wurmkot. Mit einer Düse nach oben gespritzt, legte sie sich in Schlaufen. Mithilfe eines theoretischen Modells ermittelten sie, dass deren Größe vom Gleichgewicht zwischen der Schwerkraft und den elastischen Kräften in der Kotmasse abhängt. Wie die Forscher schreiben, hoffen sie, damit »ein Werkzeug zur Vorhersage und zum Verständnis der Morphologie von Exkrementen über verschiedene Arten und Größenskalen hinweg« geschaffen zu haben.

  • Quellen

Habibi, M. et al., Nature Communications 10.1038/s41467–026–72566–7, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.