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Optik: Fälschungen überführen

Vermutlich schreiben wir nichts so häufig wie unseren eigenen Namen. Selbst bezahlen können wir damit. Doch wie sicher ist unsere Schrift?
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In Zeiten des Internets und der Scheckkarte mutet die gute alte Unterschrift fast wie ein anachronistisches Relikt vergangener Tage an. Und dennoch: Arbeitsvertrag, Mietabkommen oder Testament sind ungültig, wenn die persönliche Signatur fehlt. Wenngleich ein geübter Grafologe durchaus Original und Plagiat voneinander unterscheiden kann, so fehlt doch ein schnelles Verfahren, das es eventuell auch Laien gestattet, eine Fälschung zu entlarven.

Diese Lücke könnte eine Methode füllen, die nun Forscher um Giuseppe Schirripa Spagnolo von der Universität Rom III zur Schriftanalyse nutzten. Mit einem speziellen Abstandsmesser untersuchten sie Zeile für Zeile Schriftproben und rekonstruierten daraus ein dreidimensionales Abbild im Computer. Die so genannte konoskopische Holografie, die dem Verfahren zu Grunde liegt, ähnelt dabei konventionellen Holografieverfahren, mit denen ebenfalls dreidimensionale Abbilder entstehen, allerdings ist die Technik nicht ganz so aufwändig: Das Licht einer gewöhnlichen Laserdiode wird in einem doppelbrechenden Kristall in zwei Strahlen aufgespalten, die beide auf die abzulichtende Probe fallen. Je nachdem, wie die Strahlen an der Oberfläche reflektiert werden, entsteht ein charakteristisches Interferenzmuster, das von einer CCD-Optik aufgenommen wird und unter anderem auch die Höheninformation des untersuchten Stücks widerspiegelt. Den Rest übernimmt ein Computer, der aus den Informationen ein dreidimensionales Abbild rekonstruiert.

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Euro | Das Eurozeichen: Mal kommt zuerst der Bogen und dann die Strichelchen, mal ist es umgekehrt.
Und hier offenbaren sich nun all die feinen Details, die eine Unterschrift so einzigartig machen. Denn zwar mag ein gewiefter Fälscher den Stil einer Signatur nachahmen können, doch wird es ihm kaum gelingen, auch die Schreibweise genau zu imitieren. So verändert sich während des Schreibens der Druck, mit dem wir den Stift über die Unterlage führen. Das passiert in ganz charakteristischer Weise. Manche Menschen ziehen etwa bestimmte Bögen und Linien in einem Zug durch, andere halten für Bruchteile einer Sekunde kurz im Schreiben inne. All das hinterlässt Spuren im Papier – je nachdem, welches Schreibmittel und welche Unterlage zur Verfügung steht, mal ausgeprägt, mal weniger deutlich. So lässt sich beispielsweise erkennen, in welche Richtung, gegen oder entgegen des Uhrzeigersinns, ein Bogen durchlaufen wird, oder welche zweier sich kreuzender Linien später hinzukam.

Für einen Test haben Spagnolo und Co die Schrift von über 120 Probanden in einer Datenbank erfasst. Im Normalfall konnten die Forscher über 80 Prozent der vermeintlichen Unterschriften als Fälschungen entlarven. Wurde mit Kugelschreiber auf normales Papier geschrieben, lag die Erkennungsquote sogar bei 100 Prozent.

Ein großer Vorteil der Methode ist, dass sie berührungslos und damit zerstörungsfrei arbeitet und sich somit auch für alte Schriftstücke und deren Untersuchung eignet. Zudem ist das Gerät handlich, robust und leicht zu transportieren, also auch durchaus für den mobilen Einsatz zu gebrauchen. Viel versprechende Möglichkeiten also, die der Unterschrift im elektronischen Zeitalter weiterhin eine Existenzberechtigung einräumen könnten.
12.08.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12.08.2004

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